The Legend of Zelda: Link's Awakening im Test – Das beste Zelda-Spiel ohne Zelda

Daniel Kirschey

Die letzten paar Prozent von The Legend of Zelda: Link’s Awakening tröpfeln auf den Speicher meiner Switch. Gleich ist es soweit, dann tauche ich ab in eine lang vergangene Zeit: ins Jahr 1993. Funktioniert Link’s Awakening heute noch – auch nach 26 Jahren? Das verrät der Test von GIGA-Redakteur Daniel Kirschey.

Der Bildschirm wird schwarz. Ich starte Link’s Awakening. Der Fernseher flammt wieder auf. Natürlich fällt zuallererst die Grafik auf. Als wäre alles aus Knete oder Ton. Als wäre die ganze Welt um Link herum aus kleinen Spielzeugen zusammengebastelt. Dann wandert eine Melodie durch das Ohr – und direkt ins Herz. Statt Midi-Sound ertönt die berühmte Tonfolge nun orchestral.

Das sieht so putzig aus.

The Legend of Zelda- Link's Awakening: Trailer (E3 2019).

Das Remake von Link’s Awakening weicht fast keinen Millimeter von der Vorlage ab. Klar: Grafik, Musik und anderes frischt Nintendo auf. Doch die Handlung, das Spielgefühl, die Rätsel, die Verliese – alles konntest du schon auf dem Game Boy genießen. Als Link werde ich an den Strand von Cocolint gespült, an dem mich das Mädchen Marin findet. Nach einer kurzen Pause im Bett, darf Link die Insel erkunden, findet sein Schwert und bekommt direkt einen Hinweis. Ziel des Spiels ist es, den schlafenden Windfisch aufzuwecken.

Kann der über zwanzig Jahre alte Kern des Spiels auch heute noch überzeugen? Die Antwort will ich schon direkt hier geben: Ja! Vorausgesetzt, du hast Freundinnen und Freunde, mit denen du dich über das Spiel unterhalten kannst. Sonst bist du wohl ab und zu gezwungen, in eine Lösung zu schauen. Was bei The Legend of Zelda: Link’s Awakening aber überhaupt keine Schande ist.

The Legend of Zelda: Link’s Awakening wird dir gefallen, wenn du die alten Zelda-Spiele magst, gerne neben dem Kämpfen auch knobelst und Spaß daran hast eine Welt zu erkunden.

The Legend of Zelda: Link’s Awakening wird dir nicht gefallen, wenn du ein Zelda-Spiel haben willst, das sich wie Breath of the Wild spielt.

Link’s Awakening: Ohne Zelda, dafür mit Marin

Das vierte Zelda-Spiel und das erste für den Game Boy, ist ein wenig aus der Zeit herausgefallen. Schon damals war es merkwürdig. Im Spielname prangt das Wort „Zelda“, aber statt ihrer Legende, bekommen Spieler eine Geschichte über den Windfisch erzählt.

So ist das Spiel aus heutiger Sicht ganz klassisch, bleibt aber im Zelda-Universum ein Unikat. Sobald Link losstapfen darf, kann er einen Teil der Insel Cocolint frei begehen. Nur einen Teil – denn ganz in jenem Stil, der heute Metroidvania genannt wird, kann Link erst dann einige Bereiche der Insel betreten, wenn er die richtigen Fähigkeiten dafür hat. Rocs Feder lässt Link springen, mit dem Kraftarmband hebt Link auch Steinbrocken mühelos an, und der Enterhaken bringt den kleinen Hylianer über große Abgründe zum Ziel.

Jedes dieser Items findet Link in einem dazugehörigen Dungeon. Dessen Räume sind meist ganz um die Fähigkeiten, die einem der Gegenstand bringt, herumgebaut. Jeder davon ist ein Rätsel oder bietet einen Kampf; beides bringt dich im Verlies weiter. Am Schluss wartet der Boss – den gilt es nun mit der neuen Fähigkeit zu besiegen. Im letzten Raum winkt als Belohnung ein Instrument. Davon brauchst du insgesamt acht, um den Windfisch zu wecken.

Kennst du sie alle?

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Auch auf der Oberwelt warten spannende Kämpfe und Rätsel, wobei gerade dort sehr viel Liebe in der Gestaltung steckt. Die neue Grafik unterstreicht gerade die ganzen Kleinigkeiten, die der Game Boy nie darstellen konnte. Die Welt steckt voller Hühner, Füchse und Gegner, sie ist lebendig, schnauft und wimmelt. Und in ihr wird Link auch viel Zeit verbringen. Immer mal wieder kommt es zur Frage: „Wie geht es hier weiter?“ Typisch für Spiele aus den Neunzigern, nimmt dich niemand an die Hand.

Hilfe, ich komme nicht weiter!

Obwohl ich das Spiel als Kind öfters durchgespielt habe, bleibe ich auch im Remake stecken. „Wie komme ich nochmal auf die andere Seite des Flusses zur Durstwüste?“ Nachdem ich eine längere Zeit umhergesucht hatte, schlug ich zufällig auf einen Grasbüschel am Ufer und – tada! – habe ich Treppen gefunden. Die führen mich unterirdisch auf die andere Seite. Wie bin ich da früher durchgekommen, so ganz ohne Internet und Lösungen?

Mir schwebt heute noch ungebrochen ein Bild von mir vor dem inneren Auge: Wie ich als kleiner Matz von ungefähr neun Jahren auf einem Bett in einer Ferienwohnung sitze und Link’s Awakening spiele. Meine Familie hatte es mal wieder an die Nordsee getrieben. Im Gepäck dabei war natürlich Nintendos erster Handheld.

Das Modul bot Platz für drei Spielstände, was perfekt war – sind wir doch drei Brüder. Ich war damals ganz versunken in die Welt von Cocolint. Völlig weltvergessen bis ich nicht weitergekommen bin. War dies der Fall, holte ich mir Rat bei meinen Brüdern. Irgendjemand war immer weiter und wurde von den anderen ausgepresst. Andere haben sich wichtige Tipps von Schulkameraden auf dem Schulhof besorgt, Zelda: Link’s Awakening war sozusagen ein Schulhofspiel. Das gehörte damals einfach dazu.

Heute gibt es das Internet sowie unzählige Guides, und die brauchst du sicher auch, wenn du ohne größerer Stopps durch die Geschichte spielen willst.

Dungeon Creator und Komfort

Ganz ungeschliffen, mit allen Kanten und Ecken aus der Vergangenheit kommt Link’s Awakening aber nicht auf die Switch. Nintendo verbessert, schleift und poliert da, wo es sinnvoll ist – hauptsächlich an Komfortfunktionen. So fordert das Remake nicht mehr, dass ich ständig die Gegenstände wechsle. Der Game Boy besitzt nur zwei Knöpfe; nämlich A und B. Auf der Switch stehen mir aber noch die Schultertasten und zwei weitere Buttons zu Verfügung.

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Deshalb hält Link nun immer sein Schild in der Hand, ein kurzer Knopfdruck auf die rechte Schultertaste lässt Link es zücken. Habe ich endlich die Pegasus-Stiefel im Gepäck, renne ich, indem ich auf die linke Schultertaste drücke. Das Kraftarmband wandert – sozusagen als passive Fähigkeit – direkt in den Statusbildschirm.

Außerdem spendiert Nintendo dem Spiel mehr Muscheln und mehr Herz-Container, die Link in der Welt finden kann. Obwohl Cocolint nicht die größte Welt ist, hat sich Nintendo dazu entscheiden, etwa mehr Schnellreisepunkte zu verteilen. Die größte Änderung ist jedoch der Dungeon Creator.

Der lässt einen die Räume der acht Dungeons (und ein paar neue) nach Lust und Laune zusammenbauen. Die daraus entstehenden Verliese zockt man selbst durch oder tauscht sie über amiibo-Figuren mit Freunden. Es gibt also doch wieder einen Grund, um auf dem Schulfhof, auf der Arbeit oder dem Campus über das Spiel zu sprechen: Zelda: Link’s Awakening bleibt das Schulhofspiel, das es einst gewesen ist.

Dabei ist der Dungeon Maker nicht mehr als eine nette Spielerei. Ganz neue Rätsel und Räume kann ich nicht entwerfen, sondern nur bestehende Räume neu anordnen.

Also, wie gut funktioniert Link’s Awakening heute noch?

Die Antwort: Gut, ausgezeichnet, super. Ich habe mich jetzt mit überschlagenden Komplimenten lange genug zurückgehalten. Das Remake bleibt Link’s Awakening treu, feilt dort, wo es nötig ist und belässt Spielgefühl und den Kern des Spiels unangetastet. Auch nach mehr als zwei Jahrzehnten macht Link’s Awakening Spaß und zieht einen durch die tolle Präsentation umso mehr in den Sog von Cocolint. Schade sind lediglich die ab und zu auftauchenden Framerate-Einbrüche. Die trüben zwar den Spielgenuss nicht, sind jedoch nicht schön anzusehen.

Gerade die neu vertonte Musik macht hier einen großen Teil der Spielfreude aus. Egal ob mysteriös und dunkel oder hüpfend und freudig: Der orchestrale Soundtrack webt ein dichtes Netz um die Diorama-Grafik des Spiels. Beides passt einfach unglaublich gut zusammen: Mit Link’s Awakening macht Nintendo im Grunde alles richtig.

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