America first? Hallo Apple, hier drüben ist Europa!

Sebastian Trepesch 4

Das Apple Event im März 2019 wirft die Frage auf: Welche Rolle spielt Europa im Hause Apple? Die angekündigten Neuheiten zeugen nicht gerade von einem weiten Horizont – also geographisch betrachtet. Ein Kommentar.

Normalerweise veröffentlicht Apple die Pressemitteilungen auch in einer deutschen Version. Beim Event Anfang dieser Woche war das nur teilweise der Fall: Man machte sich gar nicht erst die Mühe, die Meldung zur Apple Card und Apple News+ zu übersetzen. Aus gutem Grund: Diese Themen haben für Europa vorerst keine Relevanz.

Anders bei dem Streaming-Dienst Apple TV+: Er wird im Herbst auch nach Deutschland kommen. Dass die die Filme, Serien und Dokumentationen auch auf Deutsch oder zumindest mit deutschem Untertitel kommen wird, darauf dürfen wir nicht hoffen (auch auf Nachfrage von GIGA machte Apple dazu bislang keine Angaben).

Es scheint: Für Europas Kunden hat Apple aktuell wenig Energien. America first!

Ohne Lokalisierung wird’s hier nicht laufen

Netflix und Amazon Prime haben längst kapiert, dass der Streaming-Bereich nicht ohne lokale Inhalte funktioniert. Beide Anbieter haben schon Serien in Deutschland und mit deutschen Schauspielern gedreht. Und amerikanische Produktionen gibt es oft auch mit deutscher Tonspur.

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Ist Apple daran interessiert, mit Apple TV+ auch in Europa Fuß zu fassen, braucht das Unternehmen (auch) europäische Produktionen, die den Geschmack hierzulande treffen, die bekannten Gesichter zeigt und auf den heimischen Straßen spielt.

Die großen Ziele des Herrn Cook

Tim Cook hat sich hohe Ziele für die Dienste gesetzt, er sieht darin die Zukunft. Schon bei Apple Music hat er im ersten Jahr laut Wall Street Journal 20 Millionen Kunden anvisiert – das doppelte von dem, was die zuständigen Manager ursprünglich anpeilten. Auch mit Apple TV+ wird der Apple-CEO möglichst schnell viele Kunden gewinnen. Zunächst einmal wollen ja die Kosten mit dem großen Starangebot sowie die Bereitstellungskosten wieder eingespielt werden. Zudem sollen die Dienste ja ein finanzielles Standbein werden.

Großinvestor und Apple-Aktionär Warren Buffett glaubt nicht an einen Erfolg von Apple TV+, sagt aber auch, dass das Unternehmen sich einen Misserfolg leisten kann. Andere Analysten gehen davon aus, dass Apple zwar viel, viel Geld in die Mediendienste buttern muss und Durchhaltevermögen braucht. Das Unternehmen kann sich aber auf zwei Stärken besinnen: einen dicken Geldbeutel und eine globale Kundenbasis.

Und da sind wir wieder bei Europa: Will Apple die europäischen Kunden mitnehmen, muss es ihnen etwas angepasstes bieten.

Aller Anfang …

Klar, Apple ist ganz am Anfang. Klar, auch Apple muss klein anfangen, mit seinem Streaming-Dienst. Klar, auch ein US-Präsident will rhetorisch im Zaum gehalten werden. Und dennoch wird Apple Europa brauchen. Bei der Kreditkarte hat zumindest die beteiligte Bank Goldman Sachs ein Augenmerk auf Deutschland, wenn schon Apple die Ankündigungen nur für die USA macht.

Apple, bei eurem America-first-Ding wollen Europäer nur bedingt mitmachen – oder können gar nicht. Wollt ihr uns an Bord haben, dürft ihr uns auch mal wieder etwas bieten.

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