Amazon Instant Video ohne wirksamen FSK-Schutz

Sebastian Trepesch 17

Für jugendgefährdende Filme hat Amazon den Schutzmechanismus für Video-Downloads umgestellt. Wie GIGA herausfand, ist die neue Kontrolle nicht besonders wirkungsvoll: Jeder Jugendlicher, ja jedes Kind kann sich für Filme mit der Altersbeschränkung FSK 18 bei dem Onlinehändler freischalten lassen.

Amazon Instant Video ohne wirksamen FSK-Schutz

Bieten Online-Portale jugendgefährdende Inhalte an, müssen sie das Alter ihrer Kunden überprüfen. Die gängige Verifizierung ist das PostIdent-Verfahren: Der Kunde muss in einer Poststelle oder gegenüber dem Briefträger seine Identität (und damit sein Alter) mit einem Ausweis nachweisen. Diese geben die Information an das Unternehmen: Ja, der Kunde ist 18 Jahre oder älter.

Amazon hat für seine Video-Downloadsparte Amazon Instant Video (ehemals Lovefilm) das System umgestellt. Nun gibt der Kunde, der Film-Downloads mit der Freigabe ab 18 Jahren leihen oder kaufen will, nur noch seine Personalausweisnummer und eine Bankverbindung oder Kreditkartennummer zur Verifizierung an.

Dieses Verfahren kommt dem Kunden entgegen (da weit weniger umständlich), erfüllt in der aktuellen Umsetzung aber nicht seinen Zweck: Es ist extrem einfach zu umgehen. Den Tipp bekamen wir aus unserem Hause, von Daniel Engelbarts von Sparwelt. Amazon Deutschland akzeptierte den originalen Pass des Niederländers nicht. Engelbarts fand dann heraus, dass man für die Identitätsprüfung bei Amazon keine echte Personalausweisnummer angeben muss.

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FSK-18-Filme bei Amazon: Die Probe aufs Exempel

Wir machen die Probe aufs Exempel und produzierten einen Extremfall, als vollkommen anonymer Nutzer: Wir erstellten bei Amazon ein neues Kundenkonto mit frei erfundenen Daten.

Nun rufen wir die Altersverifikation auf. Wir geben für Kreditkartennummer und Personalausweisnummer Fantasiewerte ein. Im Internet finden sich diverse Kreditkartennummer- und Personalausweisnummer-Generatoren, die das offizielle Schema berücksichtigen. Lediglich bei dem Alter unserer Kunstfigur achten wir darauf, mindestens 18 Jahre zu wählen.

Das Ergebnis:

Amazon FSK 18 freigegeben

Fazit: Als ein vollkommen anonymer – und potentiell minderjähriger – Nutzer konnten wir uns als Erwachsener bei Amazon Instant Video verifizieren. (Hinweis: Dies ist natürlich ein Verstoß gegen die von Amazon und sollte nicht nachgemacht werden. Auch von der Nutzung einer nicht echten Passnummer raten wir sicherheitshalber ab.)

Noch eine Hürde bis zu den FSK-18-Filmen

Können wir jetzt die Filme starten? Nein, da gibt es doch noch eine Hürde: Auch, wer den kostenlosen  für Amazon Prime (es beinhaltet das Filmstreaming) nutzen will, muss noch einmal Zahlungsdaten angeben. Und zwar unabhängig von der Altersverifikation. Falsche Kontodaten akzeptiert Amazon an dieser Stelle nicht mehr. Wollen Jugendliche also FSK-18-Filme ansehen, müssen sie zumindest eine gültige Bankverbindung angeben. Immerhin: Eine vollkommen anonyme Nutzung von Amazon ist folglich nicht möglich. Doch Konten gibt es auch für Minderjährige.

Was sagt Amazon zu dem Vorwurf, dass die Altersverifikation leicht ausgetrickst werden kann? „Es ist uns sehr wichtig, den bestmöglichen Jugendschutz zu gewähren“, so eine Amazon-Sprecherin gegenüber GIGA. „Selbstverständlich entspricht unser Vorgehen allen gesetzlichen Vorgaben – hierfür stimmen wir uns eng mit den jeweiligen Behörden ab.“ Das System werde ständig überprüft und verbessert.

Das klassische PostIdent-Verfahren hat Amazon übrigens komplett abgeschafft, auch für den Versand von Datenträgern. „Amazon.de unterstützt das PostIdent-Verfahren nicht, da hier nicht sichergestellt werden kann, dass die DVD/Blu-ray nicht in die Hände Minderjähriger gerät“, so das Unternehmen auf Anfrage von GIGA. Jetzt prüft der Postbote bei Auslieferung das Alter.

Zumindest für Download-Medien ging die „Verbesserung“ aber nach hinten los.

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