Streaming-Betrug: Schwere Vorwürfe gegen Beyoncé und Kanye West

Stefan Bubeck

Die Alben „Lemonade“ und „The Life of Pablo“ sind echte Kracher, die millionenfach gestreamt werden – oder doch nicht? Die Abrufzahlen des Spotify-Konkurrenten Tidal sollen nämlich dreist manipuliert worden sein.

Die Besonderheiten beim Musikstreaming-Dienst Tidal sind zum einen die Verfügbarkeit unkomprimierter Inhalte (lossless audio), zum anderen aber auch die Eigentümerstruktur: Zu den Teilhabern des Unternehmens gehören neben Jay-Z unter anderem Daft Punk, Madonna und Alicia Keys. Gute Klangqualität auf einer von Künstlern geführten Plattform – eigentlich keine schlechte Idee. Nun scheint der Hoffnungsträger der Streaming-Welt allerdings über seine eigenen Abrufstatistiken zu stolpern, weil die Zeitung Dagens Næringsliv ein düsteres Geheimnis herausgefunden hat.

Tidal-Skandal: Bei Beyoncé und Kanye West klingeln die Kassen

Den norwegischen Journalisten liegt nach eigenen Angaben eine Festplatte vor, die „Milliarden Datensätze von Tidal-Daten“ enthalte: Zeiten und Songtitel, Benutzer-IDs und Ländercodes – Informationen, die Tidal selbst größtenteils unter Verschluss hält.

„Beyoncés und Kanye Wests Zuhörerzahlen auf Tidal wurden mit mehreren hundert Millionen falschen Abspielvorgängen manipuliert… was zur massiven Ausschüttungen an Tantiemen geführt hat – auf Kosten anderer Künstler“, so der Vorwurf gegen gegen den Streaming-Dienst. Kurz: Die Abrufzahlen wurden künstlich in die Höhe getrieben.

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Die Plattform habe nur 3 Millionen Abonnenten, soll aber hunderte Millionen Streams bei „Lemonade“ und „The Life of Pablo“ verzeichnet haben. Bei genauer Betrachtung komme es zu Ungereimtheiten. So wurden Tidal-Nutzer identifiziert, die etwa „Lemonade“ 180 Mal innerhalb eines Tages abgespielt haben sollen. Auf Nachfrage versicherten die Nutzer, dass diese Statistiken nicht stimmen könnten.

Eine aktuelle Untersuchung der Norwegian University of Science and Technology (PDF) stellt dazu fest, dass es sehr „unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich)“ sei, dass die Manipulation das Ergebnis eines externen Angriffs sei oder dass ein externer Faktor die Genauigkeit der Daten beeinträchtigt habe.

Tidal wehrt die Vorwürfe ab

Die pikanten Details: Die beiden betroffenen Alben waren („The Life of Pablo“) beziehungsweise sind („Lemonade“) exklusiv bei Tidal erhältlich – es handelt sich sozusagen um wichtige Zugpferde des Streaming-Dienstes. Beyoncé Knowles ist zudem mit Tidal-Inhaber Jay-Z verheiratet und dessen Rap-Partner Kanye West war zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Streaming-Manipulationen Mitteilhaber des Dienstes. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dürften sich die drei Musiker in ernster Erklärungsnot befinden – wussten sie etwa von den Manipulationen? Das sollte dann nicht nur gegenüber den Tidal-Nutzern, sondern auch gegenüber anderen Künstlern geklärt werden.

Ein Sprecher von Tidal bezeichnete die Vorwürfe als „Verleumdungskampagne“, gegen die man sich zur Wehr setzen werde: „Die Informationen wurden gestohlen und manipuliert, und wir werden diese Behauptungen energisch bekämpfen.“

Quellen: Variety, BBC, Music Business Worldwide

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