YouTube spricht Klartext: Das sind die dramatischen Folgen von Artikel 13

Johann Philipp 2

Die Netzgemeinde streitet um Artikel 13: der Gesetzentwurf zum Urheberrecht in Europa. Im Mittelpunkt steht dabei die Videoplattform YouTube. Deren Chefin warnt nun erneut vor dramatischen Konsequenzen für alle EU-Bürger.

YouTube spricht Klartext: Das sind die dramatischen Folgen von Artikel 13
Bildquelle: GIGA.

YouTube-Chefin warnt vor Artikel 13: „Niemand kann ein solches finanzielles Risiko eingehen“

YouTube-Chefin Susan Wojcicki verschärft ihre Kritik an der geplanten Reform des EU-Urheberrechts. Nachdem sie bereits im Oktober zum Protest aufrief, äußert sie sich nun erneut. In einem Blogpost warnt sie, dass die „Schöpfer-Ökonomie“ bedroht sei und bestimmte Inhalte künftig in der Europäischen Union geblockt werden könnten.

Auslöser der Debatte ist Artikel 13. Bei der geplanten Richtlinie des europäischen Urheberrechts werden Plattform-Betreiber, wie zum Beispiel YouTube, verantwortlich für die Inhalte gemacht, die Nutzer hochladen. Bisher konnte YouTube diese Verantwortlichkeit auf die Nutzer abwälzen.

„Wir begrüßen die Chance, mit politischen Entscheidungsträgern und der Industrie zusammenzuarbeiten, um im Rahmen des Artikels 13 eine Lösung zu entwickeln, die Rechteinhaber schützt und gleichzeitig die Kreativwirtschaft gedeihen lässt. Allerdings wird er in der aktuellen Form unbeabsichtigte Konsequenzen haben, die einen großen Einfluss auf das Leben Hunderttausender Menschen haben werden“, argumentiert die YouTube-Chefin.

Das Risiko vieler Klagen sei zu hoch, gibt sie zu bedenken und rechnet vor: „Jede Minute laden Nutzer mehr als 400 Stunden Videomaterial hoch. Die potenziellen Verpflichtungen daraus sind so groß, dass kein Unternehmen so ein finanzielles Risiko eingehen könnte.“

YouTube sei es also nicht möglich, alle Inhalte beim Hochladen zu überprüfen, ob damit auch keine Urheberrechte verletzt werden.

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Artikel 13 und YouTube: Auch Urheber sind sich uneinig

YouTube müsse Videos blockieren falls Artikel 13 in Kraft tritt, warnt Wojcicki. Als Beispiel nennt sie das Musikvideo zu „Despacito“. Es beinhalte verschiedene Rechte von unterschiedlichen Personen. Youtube habe mit einigen Urhebern Lizenzen vereinbart, aber trotzdem seien einige Rechteinhaber unbekannt. Trete das neue Gesetz in Kraft, müsse die Plattform solche Videos künftig blocken, schreibt sie.

Anstatt den Artikel 13 umzusetzen, hat die YouTube-Chefin eine andere Idee: Die Vereinbarungen zur Lizenzierung sollen umfangreicher werden und die Zusammenarbeit mit den Rechtinhabern verbessert werden. Dabei muss sie sich wohl zuerst an die eigene Nase fassen, denn YouTube steht schon lange im Streit mit Labels und Filmproduktionen.

Wojcicki schreibt in ihrem Blog über die schweren finanziellen Risiken. Mit den Auswirkungen auf die Betreiber der Kanäle beschäftigt sie sich nicht. Denn wenn YouTube Videos blockiert, steht das im genauen Gegenteil zum Ziel des Artikel 13: Urheber sollen besser vergütet werden.

YouTube muss sich also etwas einfallen lassen und wirksame Content-Filter programmieren, um die Rechteinhaber zu identifizieren und Verstöße zu erkennen. Auch eine Überarbeitung des Lizenzmodells wäre eine Möglichkeit. Einfach Videos zu blockieren, wird keine dauerhafte Lösung sein.

Quelle: YouTube Creator Blog, via 9to5google, FAZ

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