Instagram: Android-Bildqualität schlechter als beim iPhone – das ist der Grund

Rafael Thiel 5

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Der Fotodienst Instagram ist so angesagt wie kaum eine andere Plattform. Im vergangenen Monat konnte das soziale Netzwerk stolze 300 Millionen aktive Benutzer aufzeigen und lässt damit sogar Twitter hinter sich. Doch trotz der enormen Popularität und der finanziellen Rückendeckung durch Facebook scheitert Instagram unter Android, mit über 100 Millionen Downloads im Play Store, seit jeher an einer essentiellen Hürde: dem Teilen „schöner“ Fotos.

Instagram: Android-Bildqualität schlechter als beim iPhone – das ist der Grund

Bei Instagram tummeln sich alle, doch herrscht dort gewissermaßen eine Zweiklassengesellschaft. Während Benutzer von iPhones und iPads stets detailreiche und schicke Bilder hochzuladen in der Lage sind, beschweren sich Besitzer von Android-Geräten seit Jahren über heftigen Qualitätsverlust beim Upload ihrer Fotos. Im XDA-Forum wird ein im September 2012 geöffneter Thread mit derlei Beschwerden bis heute weitergeführt und versucht Lösungen für das Problem zu kreieren. Nach jedem Update wird auf Besserung gehofft – trotz andauernder Kritik, Verbesserungen bei Software und Hardware sowie steigenden Marktanteilen sind die Entwickler von Instagram bis heute eine Reaktion schuldig.

Dem ist Mario Tomás Serrafero bei XDA nachgegangen und demonstriert den Qualitätsverlust anhand eines Beispiels. Wir sind seinen Schritten gefolgt und kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Als Ausgangspunkt sei ein Foto von 2,84 MB gegeben, das mit einem Smartphone mit 9,6 MP geschossen wurde. Da Instagram die Inhalte stets auf 640 x 640 Pixel herunterskaliert, haben wir das Bild vor dem Upload ebenfalls ins 1:1-Format geschnitten. Herausgekommen ist ein Bild mit einem Datenvolumen von 1,3 MB. Nach dem Hochladen erhält man indes ein komprimiertes Bild, welches nunmehr lediglich 169 KB groß ist. Das bedeutet, Instagram hat unser eingestelltes Foto um beinahe den Faktor acht verkleinert – beim Beispiel von Serrafero wurde das Bild sogar fast 13-mal kleiner.

Eine geringere Dateigröße ist grundsätzlich nicht unbedingt schlecht, doch kann das komprimierte Bild in puncto Qualität bei Weitem nicht mehr mit dem Original mithalten; Kompressionsartefakte sind deutlich zu erkennen.

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Wie funktioniert Bildkomprimierung?

Im Grunde handelt es sich bei der Komprimierung schlicht um einen Algorithmus, der die Bildgröße verschmälert. Dazu gibt es verschiedene Methoden: Bei der verlustfreien Kompression werden beispielsweise unter anderem Wiederholungen respektive überflüssige Datenmengen erkannt und entfernt beziehungsweise zusammengelegt. Das ist etwa beim PNG-Format der Fall, wenn auch mit einem etwas ausgeklügelteren Verfahren. Natürlich ist die Platzeinsparung infolge einer solchen Kompression vergleichsweise gering, weswegen häufig auch zu „schlampigeren“ Methoden gegriffen wird: der verlustbehafteten Kompression. Dort werden dann zudem noch vermeintlich verschmerzbare oder unmerkliche Informationen zur Speichergewinnung gelöscht. Ein gängiges Format dieses Typs ist JPEG.

Die dabei benutzten Algorithmen werden selbstredend stetig weiterentwickelt und verfeinert. Da sollte man meinen, dass ein Unternehmen wie Facebook in der Lage ist, seinem populären Dienst ein zeitgemäßes Kompressionsverfahren zu verpassen, welches zwar nicht die Serverkapazitäten sprengt oder die Hardware von mobilen Endgeräten überfordert, aber hinnehmbare Ergebnisse liefert. Dem ist aber nicht so – zumindest unter Android, denn bei iOS ist das Problem nicht derart ausgeprägt. Wieso?

Die Meinungen über die Ursache gehen auseinander

Eine mögliche Antwort liefert der technische Support der VSCO Cam-App. Bei deren Anwendung sind ähnliche Diskrepanzen zwischen der Bildqualität unter iOS und Android zu beobachten, weswegen zunächst angenommen werden könnte, das mobile System von Google sei daran schuld. Ebenfalls möglich – und grundsätzlich wahrscheinlicher – ist jedoch, dass die Entwicklerteams der beiden Applikationen einfach einen minderwertigen Kompressionsalgorithmus implementiert haben. Der Support der beliebten Foto-App gibt an, dass Android-Geräte bis auf wenige Ausnahmen nur einen beschränkten Arbeitsspeicher haben und es Anwendungen nicht erlaubt sei, den RAM zugunsten einer besseren Kompression vollständig auszulasten. Ferner sei das eigene Verfahren äußerst rechenintensiv weswegen es gepaart mit der Limitierung des Arbeitsspeichers unter Android zu Qualitätsabfällen verglichen mit iOS kommt.

Diese Behauptung kann XpLoDWilD, renommierter Entwickler der OmniROM, abwiegeln. Denn das Kompressionsverfahren wird stets an die GPU ausgelagert und demzufolge durch deren Kapazitäten begrenzt. Mobile GPUs können heutzutage in der Regel Texturen mit bis zu 4.096 x 4.096 Pixeln bearbeiten. Ergo sollten Smartphones mit bis zu 12 MP, also 4.000 x 3.000 Pixeln, keinerlei Probleme darstellen; allerdings sind mittlerweile 13 MP oder mehr üblich, weswegen eine GPU durchaus an ihre Grenzen stoßen kann. Daher übergeben App-Entwickler oftmals ein vorher herunterskaliertes und infolgedessen detailärmeres Bild an die GPU; der XDA-Dev geht sogar davon aus, dass die Auflösung zugunsten der Bearbeitungszeit noch einmal heruntergesetzt wird. Eine Lösung wäre, dem Benutzer zunächst eine kompaktere Version des darzustellenden Bildes anzuzeigen, während im Hintergrund ein in Einzelteile zerlegtes Bild von der GPU komprimiert und hinterher von der CPU zusammengesetzt wird – das scheint Instagram nicht zu machen.

Darüber hinaus ist auch der Arbeitsspeicher unter Android nicht derartig limitiert, wie es vom VSCO-Support als Grund vorgehalten wird. Dianne Hackborn, Angestellte bei Google und Android Framework-Entwicklerin, gibt in einer Google Group-Diskussion über das Android NDK (Native Development Kit) zu Protokoll, dass, solange noch RAM unbelegt sei, es keinerlei Probleme gebe, diesen für App-Prozesse zu beanspruchen. Ferner stellt sie klar, dass es auch bei der Datenstruktur der GPU keine Restriktionen durch Android gebe. Selbst die Datenstruktur von Java erlaubt standardmäßig die Nutzung von 256 bis 512 MB, abhängig von dem Gerät und der installierten Android-Version. Ein unkomprimiertes Bild einer 13 MP-Kamera würde rund 50 MB benötigen. Die Instagram-App veranschlagt etwa 60 MB im RAM, beim Komprimieren eines Bildes ist beinahe kein Anstieg dieses Speicheranspruchs zu beobachten.

Fazit

Die genauen Ursachen für den Qualitätsabfall unter Android sind unbekannt. Allerdings ist weder die Hardware noch die Software der Androiden ausschlaggebend – entgegen mancher Behauptungen. Es dürfte viel eher an unzureichender Software-Implementierung der Entwicklerteams liegen. Denn: Im Play Store gibt es durchaus diverse Anwendungen, die ohne Datenverlust mit großen Fotos hantieren können – möglich, dass eine alternative App für Instagram bessere Resultate erzielt. Trotz seiner führenden Marktposition wird Android als Betriebssystems von einigen Entwicklern nach wie vor bisweilen stiefmütterlich behandelt.

Quelle: XDA

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