Spannender Blick hinter die Kulissen: Deshalb ist Siri so blöd

Holger Eilhard 3

Nicht erst mit der Vorstellung des HomePod ist Apples virtueller Assistent erneut ins Kreuzfeuer geraten. Bereits zuvor wurde Siri immer wieder kritisiert. Doch was führte zu den Problemen, mit denen der Assistent seit Jahren zu kämpfen hat?

Spannender Blick hinter die Kulissen: Deshalb ist Siri so blöd
Bildquelle: Holger Eilhard/GIGA.

Siri: Eine Geschichte vieler interner Streitigkeiten

Apple präsentierte Siri mit dem iPhone 4s im Jahr 2011. Doch die Entwicklung des sprachgesteuerten Assistenten begann natürlich schon lange Zeit zuvor. Ein Bericht von The Information ermöglicht nun einen Blick hinter die Kulissen von Siri. Noch unter Steve Jobs konnte der iPhone-Hersteller die Macher von Siri im April 2010 für sich gewinnen und bezahlte dafür mehr als 200 Millionen US-Dollar. Gegründet wurde das zunächst als Siri Inc. bekannte Unternehmen bereits im Jahr 2007. Zum Zeitpunkt der Übernahme arbeiteten dort nur 24 Mitarbeiter, als das iPhone 4s vorgestellt wurde waren es fast 100.

Jobs hatte damals eine enge Zusammenarbeit mit den Entwicklern des Siri-Teams. Es war nicht unüblich, dass er an den wöchentlichen Meetings teilnahm, um dem Team Ideen für die zur Präsentation verfügbaren Features zu nennen. Der ehemalige iOS-Chef Scott Forstall war ebenfalls ein großer Fan des Sprachassistenten und soll sich an diesen Meetings, mit neuen Features im Gepäck, beteiligt haben.

Eines der ursprünglichen Ziele des Teams, noch bevor es von Apple übernommen wurde, war eine offene Plattform, die mit der Sprache gesteuert werden konnte. Dieses Ziel wurde aufgrund des Terminplans zunächst vernachlässigt. Erst mit SiriKit gibt es seit 2016 eine Möglichkeit, mit der Entwickler Siri nutzen können – 5 Jahre nach der Vorstellung von Siri.

Nach dem Tod von Steve Jobs fehlte dem Team jedoch eine Leitfigur, die eine klare Vision davon hatte, wie der Assistent in Zukunft aussehen und funktionieren sollte. Die ständig wechselnden Team-Leads und Manager sollen laut früheren Mitarbeitern des ursprünglichen Siri-Teams ebenfalls für die Probleme mitverantwortlich gewesen sein.

Intern soll es daher immer wieder Streitigkeiten gegeben haben, wie die Entwicklung von Siri vorangehen sollte. Bereits kurz nach der Vorstellung machten sich so die Probleme bemerkbar. Die Infrastruktur war nicht dafür ausgelegt, die Anfragen der vielen neuen Besitzer des iPhone 4s bearbeiten zu können. Einer der Mitarbeiter, der damit beauftragt war, diese Infrastruktur zu verbessern, sagte etwa, dass man nach einigen Verbesserungen statt 500 Servern nur noch fünf Server benötigte.

Ein Grund für die späte Vorstellung von SiriKit soll ebenfalls in der Qualität der Software begründet gewesen sein. Die internen Streitigkeiten führten dazu, dass sich viele Mitglieder des ursprünglichen Siri-Teams bis zum Jahr 2012 von Apple verabschiedeten. Auch Scott Forstall und der von Forstall als Leiter der Siri Group auserkorene Richard Williamson waren Ende 2012 nicht mehr bei Apple tätig – allerdings nicht aufgrund von Siri, sondern wegen der Probleme mit Apple Maps.

Nicht nur Siri-intern: Streit zwischen Apples Teams

Die Streitigkeiten waren aber nicht nur auf das Siri-Team beschränkt. So hatten die von Apple übernommenen Topsy-Mitarbeiter, deren Team bei Apple für die immer wichtiger werdenden Such-Funktionen verantwortlich waren, Einwände dagegen, mit dem Siri-Team zusammenzuarbeiten. Mitglieder des Topsy-Teams äußerten sich kritisch über eine Zusammenarbeit, da sie das Siri-Team als langsam betrachteten, weil ihre Infrastruktur ein Flickenteppich war, der nie komplett ersetzt wurde.

Ein weiteres Beispiel für die internen Probleme, welche The Information hervorhebt, ist die Spracherkennung von Siri. So hatte Apple im Jahr 2013 das Startup Novauris Technologies und mit Alex Acero einen Experten von Microsoft für die Entwicklung einer hauseigenen Spracherkennung angeheuert. Der ursprüngliche Plan war es, diese mit der Technologie von Siri zu verschmelzen. Das Siri-Team war der Meinung, dass es sinnvoll sei, die beiden Abteilungen zu kombinieren und so Siri zu verbessern. Doch nach nur sechs Monaten wurden die Teams im Jahr 2014 getrennt. Ehemalige Mitarbeiter haben angeblich niemals eine Begründung für diese Entscheidung erhalten.

HomePod: Das Siri-Team erfuhr erst 2015 von Apples Lautsprecher

Aber auch Apples jüngstes Mitglied der Hardware-Palette, der HomePod, wurde in dem Bericht von The Information erwähnt. So wurde das Siri-Team laut zwei Mitarbeitern des Teams erst im Jahr 2015 von der Existenz des HomePod-Projekts informiert. Zur Erinnerung, Amazon präsentierte den Echo Ende 2014. Ein Plan von Apple soll es demnach gewesen sein, den HomePod zunächst gänzlich ohne Siri auszustatten.

Aufgrund der komplexen Geschichte von Siri und den internen Streitigkeiten ist es nicht überraschend, dass Apples Sprachassistent trotz eines ursprünglichen Vorsprungs gegenüber der Konkurrenz heute in vielen Punkten das Nachsehen hat. Mit der Vorstellung des HomePod, dessen primäre Schnittstelle Siri ist, bleibt zu hoffen, dass Apple seinen Assistenten deutlich verbessert, um mit Amazon Alexa und Google Assistant konkurrieren zu können.

Quelle: The Information

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