Möchte man unterwegs erreichbar sein, ohne das Handy ständig zücken zu müssen, ist eine Smartwatch eine gute Alternative. Doch Modelle gibt es viele. Wir erklären euch, worauf ihr achten müsst.

Eine Smartwatch bietet viele nützliche Funktionen im Alltag und ist dadurch eine nützliche Ergänzung zum Smartphone. Doch auf der Suche nach der passenden Uhr kann man sich schnell im Überangebot der Wearables verlieren. Schließlich muss man sich nicht nur zwischen den Herstellern und Betriebssystemen entscheiden, sondern ebenso zwischen den benötigten Funktionen. Um euch eine Hilfe mit an die Hand und somit den richtigen Begleiter ans Handgelenk zu geben, haben wir einige Tipps für euch, die die Suche etwas erleichtern sollen.

Smartwatch, Fitnesstracker oder doch eine Hybrid-Uhr?

First things first: Soll es überhaupt eine Smartwatch sein? Damit wollen wir uns nicht mit erhobenen Zeigefinger vor euch aufstellen á la „Braucht man überhaupt eine Smartwatch?“. Vielmehr geht es uns darum, dass man zuallererst die Frage für sich beantworten sollte, was man eigentlich sucht. Schließlich ist Wearable nicht gleich Wearable.

Möchte man ein Gerät, das nur das Training mitverfolgt, könnte ein Fitnesstracker das richtige sein. Mit diesem habt ihr euren Körper sowohl im Alltag als auch während des Sports im Blick, könnt eure Schritte zählen, den Puls messen etc. Smarte Funktionen sind beim Fitnesstrackern eingeschränkt, sodass er beispielsweise keine Benachrichtigungen anzeigt (eine Ausnahme ist das Smart Band 7 von Xiaomi, wie unser Test gezeigt hat). Wiederum sorgt das für mehr Akku-Ausdauer und einen günstigeren Preis.

Eine Übersicht über die verschiedenen Wearables findet ihr hier:

Möchtet ihr dagegen eine Smartwatch, die nicht wie eine Smartwatch aussehen soll, sondern eher wie eine klassische Armbanduhr, seid ihr mit Hybrid-Smartwatches gut beraten. Mit diesen könnt ihr ebenfalls verschiedene Messungen vornehmen, sie überladen euch aber nicht mit smarten Funktionen. Mein Kollege Frank besitzt selbst eine Hybrid-Smartwatch und kann sie wärmstens empfehlen:

Frank Ritter
Frank Ritter, Chef vom Dienst bei GIGA. Experte für Android, Windows und Home-Entertainment.

Es gibt Smartwatch-Features, die ich schätze: Wissen, wer gerade anruft zum Beispiel. Ein Schrittzähler, regelmäßige Pulsmessung. Was ich nicht brauche: einen Touchscreen. Oder Akku-Laufzeiten, die man in Stunden angeben muss. Deswegen bin ich glücklich mit Hybrid-Smartwatches. Vor kurzem hat eine Skagen Jorn meine altgediente Nokia Steel HR abgelöst. Die Jorn macht Haken an alle Funktionen, die ich brauche. Am Wichtigsten: Dank des e-Ink-Displays hält ihr Akku 3 Wochen lang.

Wenn ihr dagegen ein Wearable wollt, das den Blick aufs Handy ersparen soll, ohne auf entsprechende Funktionen und Erreichbarkeit zu verzichten, seid ihr mit einer Smartwatch gut beraten. Worauf ihr da achten müsst, zeigen wir euch im Folgenden.

Zielsicher durch den Smartwatch-Dschungel

Achtet aufs Betriebssystem

Um die richtige Smartwatch für sich zu finden, kommt es zuallererst auf das Betriebssystem (OS) an, das ihr benötigt. Da sich die jeweilige Uhr mit eurem Handy per Bluetooth (und eventuell dazugehöriger App) verbindet, greifen die Betriebssysteme ineinander. Dahingehend gibt es OS, die mal mehr mal weniger offen sind. Offene Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass verschiedene Apps und Ziffernblätter von Drittanbietern heruntergeladen werden können. Allerdings nagt das oft am Akku. Das Problem gibt es bei geschlossene(re)n OS selten, dafür bieten sie weniger externe Software an.

Nutzt ihr ein iPhone, ist das Tragen einer Apple Watch (WatchOS) am sinnvollsten. Die Smartwatch-Reihe übertrumpft sich jedes Jahr auf Neue und landen auch bei Stiftung Warentest (Ausgabe 04/2022) immer wieder auf Platz 1. Da die Apple Watch Series 8 aber keine großartigen Unterschiede zum Vorgänger aufweist, macht ihr nach wie vor mit dem Vorgängermodell Series 7 nichts falsch. Das Betriebssystem ist recht offen, bietet also Software fern von Apple an, ist allerdings nur mit iPhones kompatibel. Jedoch ist ein großer Vorteil, dass Apple Watches eine Mobilfunk-Option (Cellular) bieten. Das bedeutet, ihr könnt für eure Smartwatch einen eigenen Mobilfunkvertrag abschließen, um mit dieser zu telefonieren, Nachrichten zu senden etc. Dadurch ist eine Verbindung zu einem iPhone nicht zwingend.

Auf einem Holztisch sind zwei Smartwatches aufgestellt. Es handelt sich jeweils um die Apple Watch Series 8.
Apple kann mit seinen Smartwatches Jahr für Jahr überzeugen (Bildquelle: IMAGO / ZUMA Wire)

Bei Android habt ihr eine große Auswahl, denn viele Smartphone-Hersteller bieten eigene Smartwatches an. So hat Google das offene WearOS entwickelt, das in vielen Android-Smartwatches steckt (auch in der hauseigenen, noch recht frischen Pixel Watch), aber auch mit iPhones kompatibel ist. Samsung hat in der Vergangenheit das linuxbasierte Betriebssystem TizenOS für seine Wearables genutzt hat (das übrigens auch bei smarten Kühlschränken, Smart-TVs etc. zum Einsatz kommt), in der Galaxy Watch 4 und 5 griff der Hersteller aber auf WearOS zurück. Die Smartwatches von Apple, Google und Samsung haben tatsächlich mit recht kurzen Akku-Laufzeiten zu kämpfen, weiter unten findet ihr mehr dazu. Hier solltet ihr einfach abwägen, was für euch mehr Priorität hat.

Der Sportuhren-Hersteller Garmin hat mit GarminOS ein proprietäres Betriebssystem entwickelt, das zwar externe Apps wie Spotify, Strava und Runtastic aber im Großen und Ganzen nur eine begrenzte Auswahl zulässt. Die Sport-Smartwatches sind aber sowohl mit Android-Handys als auch iPhones kompatibel. Auch Huawei reiht sich bei den hauseigenen Betriebssystem mit LiteOS ein, das externer Software gegenüber nicht sehr aufgeschlossen ist. Mit den Smartwatches bekommt ihr also ein begrenztes App-Angebot, könnt euch dafür aber über einen Akku mit langem Atem freuen, wie wir auch im Test zu Huawei Watch GT 3 angemerkt hatten.

Unsere Smartwatch-Empfehlungen findet ihr hier: 

Bedienung per Touch, Tasten und App

Ja, Smartwatches werden in der Regel per Touch gesteuert (eine Ausnahme ist unter anderem Garmins Fenix 6), aber nicht nur. Häufig sind am Gehäuse eine oder mehr Tasten oder kleine Rädchen („Digitale Krone“) verbaut, mit denen man die Uhren ebenfalls bedienen kann.

Ein „extremeres“ Beispiel ist Garmin: bei einigen Modellen wurde mit Knöpfen nicht gespart, so sind beispielsweise am Gehäuse der Fenix 7S (zu unserem Testartikel) ganze 5 Tasten, deren Funktionen sich mit der Touch-Steuerung gleichen. Zusätzlich ist nicht nur bei Garmin, sondern generell bei vielen Smartwatches für die Verbindung mit dem Smartphone eine entsprechende App notwendig. Dadurch kann man auch über das Smartphone diverse Einstellungen vornehmen.

Auf einer schwarzen Tischplatte ist die beige Smartwatch Garmin Fenix 7S aufgestellt.
Die Garmin Fenix 7S kann sowohl per Touch, App und Tasten gesteuert werden (Bildquelle: GIGA)

Im Alltag kann eine solche teilweise doppelte Bedienung verwirrend sein. Deswegen der Tipp: Sofern ihr die Möglichkeit habt, eure Wunsch-Smartwatch vor dem Kauf zu testen, nutzt diese Chance. Ihr könnt dadurch sicherstellen, ob die Steuerung für euch intuitiv genug ist und ihr euch mit der Uhr wohlfühlt.

Für die Steuerung ist auch das Display nicht zu vernachlässigen. Einerseits spielt dabei die Auflösung eine Rolle, wobei man dabei nicht vergessen darf, dass eine kleine Smartwatch-Anzeige hohen Auflösungen nicht gerecht werden kann. So arbeitet Samsungs Galaxy Watch 5 mit 450 × 450 Pixel – für die Größe des Ziffernblattes völlig ausreichend. Achtet allerdings darauf, dass das Display eine ausreichende Helligkeit besitzt, schließlich sollt ihr auch bei starker Sonneneinstrahlung problemlos das Ziffernblatt ablesen können.

Zusätzlich ist auch die Touch-Sensibilität nicht zu vernachlässigen: Macht euch bestenfalls vor dem Kauf schlau wie es sich bei eurer Wunsch-Smartwatch verhält. So hat beispielsweise der Test der Huawei Watch GT 3 gezeigt, dass die Uhr an den Displayrändern zögerlich reagiert.

In unserem Video fassen wir die wichtigsten Tipps kurz und knackig für euch zusammen:

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Nützliche Funktionen

Um sich im Smartwatch-Dschungel zurechtzufinden, hilft es, sich darüber klarzuwerden, welche Features man eigentlich bei seinem neuen Begleiter sucht. Schließlich wachsen die verschiedenen Funktionen von Smartwatches immer mehr, aber nicht alle sind für einen selbst notwendig.

Die Modelle von Apple, Samsung und Google sind starke Allrounder und bieten einerseits smarte Funktionen wie das Anzeigen und Beantworten von Chatnachrichten, sowie die Annahme von Anrufen. Andererseits gibt es GPS, es sind zahlreiche Fitnessmodi und Sportarten installiert, die Smartwatches können Schritte, Puls und Schlaf tracken und besitzen eine EKG-Funktion. Euren Körper habt ihr mit Apple Watch und Co. also gut im Blick. Prinzipiell sollte man nicht immer vollstes Vertrauen in die Messungen legen, sie können aber ein guter Richtwert und Grund sein, bei Arzt oder Ärztin vorbeizuschauen. Zusätzlich besitzen die Smartwatches eine Unfallerkennung, um bei Unfällen einen Notfallkontakt zu alarmieren.

An einem Arm wurde die Smartwatch Apple Watch Series 8 befestigt. Auf dem aktivierten Display sieht man die Unfallerkennung.
Die Apple Watch Series 8 erkennt unter anderem, wenn ihr einen Autounfall habt (Bildquelle: Apple)

So gut wie die Smartwatches auch sind, sie haben mit bis zu 500 Euro ihren Preis. Eine günstigere Smartwatch, die verschiedene Anwendungsbereiche abdeckt, ist die Huawei Watch GT 3. Für unter 200 Euro macht sie eine gute Figur und bietet ebenfalls die Möglichkeit, das Training zu unterstützen. Allerdings muss man für den günstigen Preis auch Kompromisse in der Software (wie der englischen Sprachausgabe während des Trainings) eingehen.

Wollt ihr euch vor allem mit der Smartwatch auf eure Fitness fokussieren und von durchdachten Sportfunktionen und ausführlichen Trackingprotokollen profitieren, sind die Modelle von Garmin einen Blick wert. Wir hatten die Fenix 7S und Venu 2 Plus im Test. Beide bieten zahlreiche Sportarten mit passenden Workouts an und geben mittels Protokolle Auskunft über das eigene Wohlbefinden. Dagegen sind Smartphone-Features wie das Beantworten von Chatnachrichten begrenzt.

Im Vordergrund sieht man eine Hand, die die Smartwatch Venu 2 Plus hält. Auf dem Display ist ein Menü mit verschiedenen Sportarten geöffnet.
Mit der Venu 2 Plus kann man verschiedene Sportübungen tracken (Bildquelle: GIGA)

Ihr seht, die Frage, die Frage nach den notwendigen Funktionen ist nicht unwichtig, da verschiedenen Smartwatches verschiedene Vor- und Nachteile haben. Entscheidet individuell für euch, wo eure Prioritäten liegen, schließlich soll die neue Uhr ein angenehmer Begleiter durch euren Tag sein und kein nerviger Ticker.

Robustheit und Design

Starker Akku und Schutz vor Wasser und Staub

Während die Smartwatches von Apple und Google beinah täglich geladen werden müssen, kommen die Uhren von Huawei (Huawei Watch GT 3) und Garmin (Garmin Venu 2 Plus) teilweise auf eine Laufzeit von bis zu 2 Wochen. Gerade wenn ihr nicht immer an den Akku denken wollt und die Uhr auch nachts zum Schlaftracking tragen möchtet, würde es sich anbieten, ein Modell mit längerer Laufzeit auszuwählen. Ist euch wiederum das Schlaftracking nicht so wichtig, könnt ihr beispielsweise eure Apple Watch Series 8 einfach nachts aufladen und müsst euch somit tagsüber keine Sorgen um den Akku machen.

Sprechen wir von der Akku-Laufzeit, ist auch die Aufladung zu erwähnen. Neuere Smartwatch-Modelle sind sowohl per Kabel als auch induktiv aufladbar. Meist legen die Hersteller der Smartwatch passendes (häufig proprietäres) Ladezubehör bei, dagegen könnt ihr beispielsweise eure Galaxy Watch 3 und höher per Wireless PowerShare über euer Samsung-Smartphone laden. Der Hersteller Garmin bietet unter anderem mit seiner Fenix- und Instinct-Reihe Smartwatches an, die per Solar aufgeladen werden können. Im Test der Fenix 7S hat das Aufladen funktioniert, ist jedoch nur an (wer hätte es erwartet) sonnigen Tagen und mit viel Geduld möglich. Trotzdem eine gute Lösung, um die Smartwatch während einer Wanderung teilweise aufzuladen.

An einem Arm ist die Smartwatch Samsung Galaxy Watch 5 Pro befestigt.
Starker Akku und robustes Saphirglas: Die Samsung Galaxy Watch 5 Pro hält viel aus (Bildquelle: GIGA)

Neben dem Akku sprechen auch der Schutz vor Wasser und Staub für ein robustes Design. Möchtet ihr mit eurer Smartwatch schwimmen gehen oder soll sie lediglich einen Regenschauer überleben? Prinzipiell besitzen Smartwatches einen zertifizierten Schutz vor Wasser und Staub, dennoch lohnt es sich, vor dem Kauf darauf zu achten, welcher IP-Schutz für einen selbst sinnvoll ist. Schließlich sollt ihr an eurer Uhr so lange wie möglich Freude haben.

Möchtet ihr mit eurer Uhr diverse Abenteuer erleben, achtet ebenfalls auf das Displaymaterial: Unser Redakteur Peter hat bei seinem Test der Samsung Galaxy Watch 5 Pro die Robustheit und Kratzfestigkeit des verbauten Saphirglases gelobt. Ebenso besitzt die Pixel Watch Gorilla Glass 5, das sehr widerstandsfähig ist.

Das Auge wählt mit aus

Dass Material nicht gleich Material ist, schlägt sich in der Regel auch im Preis nieder. So wird bei Edelstahl oder Leder häufig mehr Geld verlangt. Auch aus diesem Grund ist die Frage nach dem Material nicht unwichtig. Schaut einfach, welches Design euch zusagt und was zu eurem Lebensstil passt. Könnt ihr euch nicht entscheiden, wäre eine Lösung, ein Modell mit auswechselbaren Armbändern zu kaufen. In einem separaten Artikel erklären wir euch, wie ihr ganz einfach bei eurer Galaxy Watch das Armband wechseln könnt:

Reden wir über das Design, spielt zusätzlich die Größe des Ziffernblattes eine Rolle: Soll es beispielsweise ein 42-Millimeter-Modell sein oder doch lieber 44 Millimeter? Da ich selbst ein schmales Handgelenk habe, fühle ich mich mit kleineren Modellen (42 Millimeter) am wohlsten und die Uhr wirkt nicht zu klobig an meinem Arm. Auch hier der Tipp: Probiert (wenn möglich) eure Wunsch-Smartwatch vor dem Kauf einfach mal an.