Link's Awakening: Das beste Zelda, das keines war

Steffen Marks 1

Wie viele andere Spielereihen baut The Legend of Zelda seit über 30 Jahren auf vertraute und wiederkehrende Muster. So simpel und gleichförmig der Plot um Prinzessin Zelda, den Helden Link und den Bösewicht Ganon sein mag, er funktioniert auch 2019. 1993 brach Nintendo allerdings aus dieser Routine aus, mixte viele bekannte und neue Elemente zusammen und probierte sich an einer gewagten Story. Mit Link’s Awakening kam das mit Abstand eigenwilligste, aber auch eines der besten Zeldas heraus. 

Link's Awakening: Das beste Zelda, das keines war

Mit A Link to the Past schuf das Studio aus Japan einen der bis heute beliebtesten Teile der Reihe und legte viele Grundsteine, die in den darauffolgenden Spielen immer wieder Verwendung fanden. Das Master-Schwert und eine Teilung in Licht- und Schattenwelt kamen im dritten Spiel zum ersten mal vor. Mit einer Top-Down-Perspektive kehrte Nintendo gegenüber The Adventure of Link zu den Mechaniken des Originals zurück und du bekamst deutlich mehr Informationen über die Welt Hyrule. Bereits während der Produktion von A Link to the Past trafen sich einige Entwickler nach der Arbeit und ließen ihren Ideen für ein potentielles Zukunftsprojekt freien Lauf.

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt

Dass es sich dabei anfangs um eine Zusammenstellung aus individuellen Wünschen und Hoffnungen der Mitarbeiter handelte, wird schnell durch die Cameos der unterschiedlichsten Nintendo-Charaktere deutlich. Neben dem kleinen, rosa Staubsauger Kirby triffst du in Link’s Awakening auf diverse Gegner aus dem Mario-Universum, wie Gumbas, ShyGuys, Cheep-Cheeps, Bloopern oder dem Kettenhund Struppi. Aus einem frühen Wünsch-dir-was wurde jedoch innerhalb von anderthalb Jahren das erste Handheld-Zelda auf dem Gameboy und wo Figuren aus anderen hauseigenen Marken Einzug hielten, wurden Zelda und Ganon nicht beachtet.

Zelda: A Link to the Past – Durchspielen in 4 Minuten – So geht's.
Hinweis: Spoiler !!! Um die Faszination hinter Links Awakening verständlich zu machen, ist es unerlässlich das Ende des Spiels zu verraten und das Geheimnis der Geschichte zu lüften. Falls du Links Awakening noch nicht gespielt hast und das Remake unbeeinflusst erleben möchtest, bist du hiermit gewarnt. 

Der Traum des Windfisches

Und obwohl auf den ersten Blick diese elementare Inhalte fehlen, erzählt Link’s Awakening die interessanteste Geschichte der gesamten Reihe. Statt in Hyrule findet sich Link nach einem Sturm auf See auf der Insel Cocolint wieder. Auf einer Bergspitze schläft der Windfisch in einem gigantischen Ei und nur, wenn Link acht Instrumente sammelt und das Lied des Windfisches spielt, erwacht dieser aus seinem Schlaf und Link kann nach Hause zurückkehren. Die Bewohner der Insel verhalten sich alle ziemlich merkwürdig und sind fasziniert von Links Erzählungen über die Außenwelt. Den großen Plot-Twist spart sich Links Awakening jedoch bis zum Schluss auf.

The Legend of Zelda: Link's Awakening Remake – Vorschau.

Links Odyssee

Gelingt dir das obligatorische Absolvieren der Dungeons und spielst am Ende alle Instrumente gleichzeitig, dann löst sich Cocolint mit seinen Bewohnern auf und Link erwacht auf dem Meer aus einem Traum. Damit ist dann auch die Frage beantwortet, wie Link körperlich in der Lage war, acht Instrumente gleichzeitig zu spielen. Marin und alle anderen Personen, die Link getroffen hat, haben niemals existiert und die ganze Reise erscheint plötzlich in einem völlig neuen Licht und bekommt eine tiefere Bedeutung.

Cocolint als Insel, die niemand verlassen kann, Marin als Ersatz für Zelda und die Eule als Vertreter des Dekubaums ergeben alle einen Sinn, weil Link nur geträumt hat. Gleichzeitig wird einem bewusst, dass Marin und die anderen nur das Ergebnis von Links Fantasie und die Beziehungen zu ihnen nicht echt waren. Nicht umsonst gilt die US-Serie Twin Peaks als Vorlage für Links Odyssee.

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Nicht nur irgendein Spin-Off

Dass Link’s Awakening als direktes Anschlussprojekt von A Link to the Past entstanden ist, wird an zahlreichen übernommenen Features deutlich. Gleichzeitig finden sich 2D-Passagen, die an den umstrittenen zweiten Zelda-Teil erinnern und nie wieder aufgegriffen wurden. Und auch Elementen, die in späteren Teilen erneut Verwendung gefunden haben, kannst du auf Cocolint anwenden. In Mövendorf kannst du zum ersten Mal angeln und auch die teils skurrilen und kniffligen Tauschgeschäfte haben hier ihren Anfang genommen.

Link’s Awakening schmeißt die Grundstory der Reihe über Bord und schafft sich eine ganz eigene Welt. Dennoch fügt es Eigenschaften und Inhalte zum Kern der Marke hinzu, die heute als unverzichtbar gelten. Mit einem wunderschönen Remake, inszeniert Nintendo Link’s Awakening jetzt in einem zeitgemäßen Look. Wenn du es damals verpasst hast, gab es selten einen besseren Zeitpunkt diesen Klassiker nachzuholen als jetzt.

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