Need for Speed Heat erinnert an die besten Momente von Underground & Most Wanted

Thomas Stuchlik 1

Die weltweit bestverkaufte Rennspiel-Serie kehrt mit Need for Speed Heat endlich zurück. Hersteller Electronic Arts bringt bereits im November seine neueste Raserei, die eine offene Welt bei Tag und Nacht bietet. Höchste Zeit für eine ausgiebige Probefahrt vorab.

Bereits auf der Gamescom im August 2019 enthüllte EA die Fortsetzung der inzwischen 25 Jahre alten Kultreihe. Vor Ort durfte man Need for Speed Heat erstmalig anspielen. Und ich war enttäuscht! Von der schwammigen Steuerung, vom nervigen Gummiband-Effekt und von der übel stotternden Optik. Entsprechend misstrauisch war ich im Oktober 2019 beim vierstündigen Anspieltermin im britischen Guildford. Doch dann folgte die Überraschung …

Need for Speed Heat - Offizieller Gameplay-Trailer.

Das Spiel wirkt nun weitaus ausgereifter: Die Grafikkulisse in Frostbite Engine erscheint schärfer und stimmiger und läuft mit durchweg stabilen 30 fps – zumindest auf der PS4 Pro. Die Steuerung ist weiterhin vereinfacht, aber präzise genug – NfS ist und bleibt nun mal ein Arcade-Spiel. Die offene Stadt lädt Bleifüße deshalb zu ausgiebigen Drifts ein, die ohne Mühe gelingen. Doch was mich wirklich umhaut, sind die Tuning-Möglichkeiten.

Fast wie in NfS: Underground

In der eigenen Garage dürft ihr die insgesamt 127 enthaltenen Autos bis ins Detail aufmotzen. Einerseits tunt ihr den Motor hoch, erweitert die Nitro-Tanks, verbaut Sport- und Rennfahrwerk oder ein neues Getriebe. Andererseits dürft ihr ausgiebig die Optik verändern: Frontspoiler, Heckflügel, Motorhaube, Splitter, Kotflügel, Felgen, Bremssättel – alles lässt sich individualisieren. Obendrein lackiert ihr eure Kreation und stattet sie mit Decals aus.

Schön: Die nervigen Lootboxen (die sogenannten „Speed Cards“) für Upgrades aus dem Vorgänger Payback sind Vergangenheit. Stattdessen schaltet ihr Teile mit Rep-Punkten (aus Nachtrennen) und Geld (aus Tagrennen) frei. So moddet ihr Wagen wie den BMW M3, Nissan 240Z, VW Golf I oder Lamborghini Aventador bis zum Maximum aus. Im Fuhrpark mit 33 Herstellern ist übrigens wieder Ferrari dabei, obwohl er im Vorgänger noch fehlte.

Vorbild Miami in Need for Speed

Die fiktive Stadt Palm City und dessen subtropische Umgebung dient diesmal für das neue Need for Speed als Schauplatz. Die offene Spielwelt unterteilt sich in 18 Bezirke und wirkt gefühlt kleiner als Payback. Allerdings besitzt Palm City ein weitaus dichteres Straßennetz. Entsprechend viel rast ihr herum, bis ihr alles gesehen habt. Alternativ heizt ihr auch querfeldein. Denn die Entwickler gestalteten die Welt grenzenloser als noch in Payback.

Wie gut erkennst du die virtuellen Autos?

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Euch erwarten nicht nur Stadtrennen, sondern auch Ausflüge ins ländliche Umland. Dabei findet sich unter anderem ein Observatorium, eine Oval-Strecke, ein Hafengelände, langgezogene Strände und allerlei Ansiedlungen. Fast wirkt die Szenerie wie ein kleines Forza Horizon. Erstaunlich viele Umgebungsobjekte sind dabei zerstörbar. Laternen, Palmen, Bushaltestellen zersplittern bei Kontakt in ihre Einzelteile, was vor allem bei anstehenden Wettrennen für weniger Frust sorgt.

Feste Tageszeiten

Überraschend gibt es in Need for Speed Heat keinen fortschreitenden Tagesverlauf. Stattdessen wechselt ihr im Menü zwischen Tag und Nacht, was sich auch spielerisch auswirkt. Tagsüber nehmt ihr nämlich an offiziellen Rennen teil – entweder rundenweise oder von Punkt zu Punkt. Zusätzlich tretet ihr zu Drift-Wettbewerben sowie bei Offroad-Veranstaltungen an – ähnlich wie schon im Prequel Payback. Schade jedoch, dass Drag-Beschleunigungsrennen (bisher?) nicht dabei sind. Denn diese gehören zu einem zünftigen Need for Speed eigentlich dazu.

Nachts stehen dagegen illegale Rasereien an, die chaotischer ablaufen. Denn hier mischt auch die Polizei mit. Diese nimmt mit immer mehr Einsatzwagen die Verfolgung auf und versucht euch, abzudrängen. Interessant ist, dass die Ordnungshüter euch immer noch hinterher sind, nachdem das Rennen vorbei ist. Beim ersten Anspielen waren die Burschen jedoch nie eine Gefahr, obendrein geben sie die Jagd nach euch zu schnell auf.

Zu wenig Renn-Action im neuen NfS

Schade, dass ihr die Rennen nur mit maximal sieben anderen KI-Rasern bestreitet. Dadurch gibt es wenige direkte Duelle Rad-an-Rad. Laut Entwickler gibt es dabei keinen Gummiband-Effekt, was ich beim Probespiel noch stark anzweifle. Stattdessen bestimme die Personalität der Computerraser die Fahrweise.

Für welches Auto werdet ihr euch entscheiden?

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Need for Speed Heat: Autos - alle 127 Fahrzeuge mit Liste und Bildern

Online tummeln sich übrigens bis zu 16 Spieler in der Spielwelt. Mit Kumpels dürft ihr auch eine Crew gründen, für die ihr fahrt, um Ruf und Level zu fördern. Ein ähnliches System besaß übrigens schon Driveclub. Seit August ist bereits die kostenlose Mobil-App „Need for Speed Heat Studio“ für iOS und Android erhältlich, wo man seinen eigenen Wagen mitsamt Tuning vorab konfigurieren kann. Selbiger soll sich ins fertige Spiel importieren lassen.

Kurzum zeichnet sich Need for Speed Heat durch viele Qualitäten aus. Besonders gefallen die bis ins Detail modifizierbaren Wagenmodelle. Auch die Spielwelt Palm City entfaltet dank breiter Straßen und zerstörbarer Umgebungsobjekte viel Fahrfreude. Den Rennen selbst mangelt es jedoch (trotz Polizei-Verfolgungsjagden) ein wenig an Spannung. Dennoch denke ich, dass Heat besser ankommen wird als der Vorgänger Payback.

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