Eine eigene Avocado pflanzen: Nachzucht aus dem Kern

Marco Kratzenberg

Selbst im Bruce Willis-Film R.E.D haben wir es gesehen: Wir können ganz einfach eine eigene Avocado pflanzen, indem wir sie aus dem Kern nachziehen, den wir wurzeln lassen. So geht’s!

Eine weit verbreitete, aber eigentlich gar nicht so gut geeignete Methode ist, den Avocadokern an drei bis vier Stellen mit Nadeln anzustechen und ihn dann mit der dicken Seite nach unten in ein Wasserglas zu hängen. Natürlich funktioniert diese Methode auch, aber für eine kräftige Pflanze sollten wir anders vorgehen.

Avocado pflanzen: Die Vorbereitungen

Was soll mit der Avocado passieren, wenn sie mit der Wasserglasmethode gekeimt hat und sie bereits Wurzeln hat? In dem Wasserglas kann sie nicht bleiben. Avocados sind Baumfrüchte, die Keime könnten sich unter idealen Bedingungen zu 15 Meter hohen Bäumen entwickeln. Das wird in unseren Breitengraden nicht passieren, aber man sollte das im Kopf behalten. Damit aus unserem Avocadokeim kräftige Pflanzen werden, sollten wir ihm den Start so einfach wie möglich machen. Und das natürliche Wachstumssubstrat der Avocado ist nicht das Wasser.

Avocados brauchen zu wachsen nährstoffarme Substrate. Damit sind die unergiebigen Böden gemeint, wie wir sie in tropischen Topfpflanzen häufig finden. Sie bestehen beispielsweise aus Kokosfasern. Torf eignet sich zur Not auch. In jedem Gartencenter oder gut sortierten Blumengeschäften bekommen wir so etwas. Teilweise übrigens auch in Drogeriemärkten! In den Zuchtplantagen stehen die Bäume auf lehmigen bis sandigen Böden. Was wir noch brauchen, ist eine Handvoll Blähton bzw. Murmeln, kleine Steine oder Tonscherben von einem alten Topf.

Wir sollten die Avocado Nachzucht gleich in dem Boden beginnen, in dem die Pflanze später auch stehen soll. Dazu besorgen wir uns also ein geeignetes Pflanzsubstrat sowie einen mittelgroßen Topf aus Kunststoff mit Loch im Boden, denn auf keinen Fall darf sich das Wasser stauen. Die „Erde“ sollte wirkungsvoll desinfiziert werden. Irgendwelche Bodenkeime sind bei gekauften Pflanzsubstraten immer dabei und wir sollten sie sicherheitshalber abtöten, weil sie früher oder später der Avocado-Pflanze oder bereits dem Keim schaden könnten. Die Desinfektion können wir mit einfachen Mitteln durchführen. Wir brauchen dazu nur eine Mikrowelle oder einen Backofen sowie ein hitzeresistentes Gefäß. Dieses sollte einen Deckel mit einer Öffnung haben. Aus diesem Grund ist die Mikrowelle besser, weil der Backofen mindestens auf 150-160 Grad Celsius erhitzt werden sollte und dabei schmelzen Kunststoffdeckel. Für rund 15 Minuten erhitzen wir das Substrat und achten dabei darauf, dass nicht zuviel von der Feuchtigkeit entweicht - deshalb auch der Deckel. Der Deckel darf nicht fest geschlossen sein, weil der Wasserdampf sonst einen zu hohen Druck aufbaut. Entweder fliegt uns dann das Gefäß um die Ohren, oder wir werden von heißem Dampf beim Öffnen verletzt.

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Eine Avocado pflanzen: Den Kern vorbereiten und einpflanzen

Wir sollten den Avocadokern nicht verletzen. Ihn also nicht anschneiden, nicht mit dem Messer ritzen oder Nadeln reinstecken (die nach einiger Zeit rosten). Deshalb besorgen wir uns einen Kern aus einer reifen Avocado und öffnen diese, indem wir sie längs vorsichtig so durchschneiden, dass wir nicht bis zum Kern kommen. Dann entfernen wir den Kern mit einem großen Löffel vorsichtig und reinigen ihn unter fließendem Wasser, bis keine Fruchtreste mehr daran hängen.

Nun füllen wir den Topf, in den wir die Avocado pflanzen wollen, am Boden zuerst mit einer Schucht Blähton oder den Scherben bzw. Murmeln. Das soll der Drainage dienen und dafür sorgen, dass überschüssiges Wasser gut abfließen kann, ohne dass die Wurzeln später darin stehen. Anschließend füllen wir den Topf locker mit dem desinfizierten Pflanzsubstrat und drücken es leicht fest. Unter dem Rand sollte ungefähr 1-2 Finger hoch Platz sein, damit beim Gießen nichts überfließt. Außerdem verdrängen die Wurzeln später etwas von dem Boden und wir füllen gleich noch etwas auf.

Wir haben also den Topf, in den wir die Avocado pflanzen wollen und nun wird es ernst. Der gereinigte Kern wird mit der dicken Seite nach unten leicht in eine Kuhle im Boden gedrückt und anschließend häufen wir noch etwas Pflanzsubstrat auf, bis nur noch die Spitze herausguckt. Anschließend gießen wir das erste Mal mit handwarmen Wasser, bis die erde leicht durchgefeuchtet ist. Solang wir nun aufmerksam die Bodenfeuchtigkeit beobachten, sind keine weiteren Aktionen nötig. Die Helligkeit des Standortes ist derzeit noch irrelevant, weil es ja keine Blätter gibt. Also stellen wir den Topf erst einmal nicht in die heiße Sonne.

Besteht die Gefahr, dass der Boden tagsüber komplett austrocknet, dann können wir auch einen durchsichtigen Butterbrotbeutel aus Kunststoff über den Topf stülpen. Durchsichtig nur, damit wir sofort sehen können, wenn sich endlich etwas tut. Das kann übrigens Wochen dauern, in Herbst und Winter auch schon mal Monate, wenn es im Raum kühl ist.

Wenn wir auf diese Weise eine Avocado pflanzen und genug Geduld mitbringen, wir sie nach einiger Zeit austreiben. Relativ schnell entwickelt sie dann einen Trieb, der nach und nach glänzende, kräftige Blätter entwickelt, die an Lorbeer erinnern. Und nun kommt ein schwieriger Punkt für den Hobbygärtner. Die Pflanze schiebt einen einzigen Trieb aus und der entwickelt rechts und links Blätter. Wenn wir die Avocado Pflanze so weitermachen lassen, so wird sie sich erst sehr spät gabeln und hat einen langen. Dürren Stamm. Um das zu verhindern, müssen wir in einem frühen Stadium eingreifen und… die Spitze abschneiden! Wenn die Pflanze 4 bis 5 Blätter hat, kappen wir einfach die Spitze. Dann wird sie kleine Ästchen entwickeln und ein deutlich angenehmeres Bild abgeben.

Avocado pflanzen: Die Nachzucht-Chancen

Machen wir uns nichts vor: In Berlin, Hamburg, Wien, Gelsenkirchen oder Zürich werden wir wohl eine Avocado-Zucht starten können. Es ist bei uns zu kalt und wir haben zu wenig Sonnenstunden im Vergleich zu Mexico, Kalifornien oder Israel. Die ersten Blüten wird die Avocado frühestens nach einem Jahrzehnt austreiben. Und dann braucht sie eine andere blühende Avocado-Pflanze zur Befruchtung.

Es geht also mehr um den Spaß, aus einer gekauften Nahrung auch noch einen Kern zu gewinnen, aus dem sich eine Pflanze bildet. Bei guter Pflege können die Bäumchen recht alt werden. Sie vertragen es, im Frühsommer in den Garten oder auf den Balkon gestellt zu werden und dort bis zum ersten Frost zu stehen. Dann muss der Topf rein und er braucht trotzdem weiterhin viel Licht, weil die Avocado ihre Blätter auch im Winter nicht abwirft. Wer also eine Avocado pflanzen will, kann an dem Ergebnis lange Freude haben. Nur seine zukünftigen Avocados muss er weiterhin kaufen!

 

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