B&W C5 Hifi-In-Ear im Test: Schwer in Ordnung, das iPhone-Headset

Flavio Trillo 25

Liebevoll werden sie „Schmalzbohrer“ genannt  – gemeint sind natürlich In-Ear-Kopfhörer. Der B&W C5 fürs iPhone vom Premium-Hersteller Bowers&Wilkins ist so einer und seine prominente Herkunft schürt große Erwartungen. Doch kann er sie auch erfüllen?

B&W C5 Hifi-In-Ear im Test: Schwer in Ordnung, das iPhone-Headset

Kopfhörer ist nicht gleich Kopfhörer. Neben unterschiedlichen Leistungsmerkmalen und Preisklassen gibt es natürlich mehrere Bauformen, die jeweils eigene Stärken und Schwächen haben. Wer auch unterwegs auf reinen, ungestörten Hifi-Genuss nicht verzichten möchte, ohne dabei aber wie eine Micky Maus auszusehen, ist mit In-Ear-Hörern gut beraten. Ob der auf der IFA 2011 vorgestellte B&W C5* eine Empfehlung wert ist, haben wir für Euch getestet.

tl;dr - Das Fazit vorab für Lesefaule:

Der Bowers & Wilkins C5 ist einer der besten In-Ears, die mir je untergekommen sind.

Empfehlung: Jetzt kaufen (z.B. für ca. ).

Bowers & Wilkins sind seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor allem für ihre Studio-Lautsprecher bekannt, doch seit dem Jahr 2008 Zeit wagt sich der Premium-Hersteller auch in den Bereich „Neue Medien“. Zeppelin und Zeppelin Air sowie die zeugen von diesen Bemühungen. Darüber hinaus gibt es inzwischen auch zwei Kopfhörer aus Worthing, Großbritannien. Der Bügelkopfhörer  ist bereits einige Zeit auf dem Markt.

Der im September 2011 auf der IFA in Berlin vorgestellte C5 ist der erste und bisher einzige „In-Ear“ des Herstellers. Trotz — oder gerade wegen des großen Namens muss dem Neuling kritisch auf den Zahn gefühlt werden. Kann der Hörer dem Qualitätsversprechen seines Schöpfers gerecht werden?

B&W C5: Technische Daten

Zunächst ein Blick auf die staubtrockenen Fakten. Mit einer Impedanz von 32 Ohm ist der C5 für portable Multimedia-Player besonders gut geeignet, da er dem Gerät nur wenig Leistung abverlangt. Mit anderen Worten: Der C5 bietet an iPhone, iPad und iPod touch eine absolut ausreichende Lautstärke, und kann bei Bedarf auch durchaus lauter werden.

Im Inneren kommen besonders starke Neodym-Magnete zum Einsatz und die Treiber sind von einer Hülle aus Wolfram umgeben. Diese soll den Tragekomfort erhöhen, doch dazu später mehr. Die Kabellänge von 1,2 Metern ist für den Einsatz am iOS-Gerät völlig ausreichend. Der 3,5-mm-Stereo-Stecker sorgt für die Übertragung der Tonsignale – und zwar in beide Richtungen, denn auch ein Mikro mit Fernbedienung findet sich am linken Hörerkabel (Mfi - „Made for iPhone“). Zudem ist der Einsatz am Mac problemlos möglich, in vielen Macs funktioniert sogar das Mikrofon über den 4. Pin des Klinkensteckers und die iTunes-Wiedergabe lässt sich über den Taster am Kabel steuern.

Laut Hersteller wiegen die C5 20 Gramm, was auf den ersten Blick nicht viel erscheint. Verglichen mit anderen Modellen ist das jedoch eine Menge, was wiederum mit der Verwendung von Wolfram im Inneren zu tun hat. Das Material verfügt über nahezu dieselbe Dichte wie Gold. Im übrigen wird der Frequenzumfang mit 10 Hz bis 20 kHz angegeben, doch wie wir bereits in unserer umfassenden Kaufberatung für Kopfhörer im Allgemeinen angemerkt haben, ist dieser Wert im Normalfall belanglos.

Das Auge guckt mit: Verarbeitung und Optik

Erwartungsgemäß ist der B&W C5 sehr gut verarbeitet und macht optisch wie haptisch einen soliden Eindruck. Die leicht matt-silberne Wolfram-Hülle, in der sich der Treiber verbirgt, bildet einen netten farblichen Kontrast zu dem glänzenden schwarzen Aluminium-Körper. Gerahmt wird jeder der beiden Stöpsel durch ein mit festem Kunststoff ummanteltes Kabelende, das zugleich als Halterung dient und den Hörer im Ohr fixiert (siehe: „Tragekomfort“).

Auch der übrige Kabelsalat ist von transparentem Kunststoff umgeben, der wiederum von schwarzen Kunststoff-Elementen durchbrochen wird, namentlich dem Y-Verbindungsstück sowie der iPhone-Fernbedienung mit Mikrofon. Alles in allem ein stimmiges, elegantes Gesamtbild, wie man es bereits von anderen B&W-Produkten gewohnt ist. Nichts außergewöhnliches, nichts, was die anderen Passanten anschreit und ihnen den eigenen Geschmack förmlich auf die Netzhaut brennt, sondern Zurückhaltung – wäre da nicht dieses leichte Glitzern am äußeren Ende eines ohnehin recht mächtigen Gehäuses.

Das so genannte „Micro Porous Filtersystem“, dessen Name auf der IFA bereits für eine Reihe obskurer Lautschöpfungen sorgte, funkelt dem Betrachter entgegen. Doch handelt es sich mitnichten um eine rein optische Extravaganz. Nein, der Filter aus winzigen Poren hat mehrere Funktionen, welche sowohl Klangqualität als auch Tragekomfort verbessern sollen.

Etwas Kritik lässt sich jedoch an der Verarbeitung der beigelegten Tasche üben. Die schwarze, mit Stepp-Nähten versehene Hülle ist zwar recht schmuck, will jedoch nicht so recht die ihr übertragene Aufgabe erfüllen. Im Inneren ragt eine gelochte Scheibe hervor, die wohl die Stöpsel fixieren soll – viel zu umständlich. Deutlich einfacher ist es da, die Kopfhörer samt Kabel sorgsam aufzuwickeln und sie in der Tasche zu verstauen, wobei einem jedoch regelmäßig die genannte Scheibe in die Quere kommt.
Darüber hinaus ist uns schon nach wenigen Tagen aufgefallen, wie störrisch der Reißverschluss ist. Das führt nicht nur dazu, dass der Schiebergriff ständig zu einer Seite verklemmt. Beim Richten des widerborstigen Stücks wird er auch stets ein wenig in Mitleidenschaft gezogen, wie man auf dem Foto gut erkennen kann.

Ebenfalls etwas unglücklich: Das Design des Bedienungselementes mit Mikrofon am linken Hörerkabel ist ein wenig zu stromlinienförmig (siehe Bild unten). Der schnelle Griff in Richtung des linken Schlüsselbeins trifft nicht immer sofort, denn die leichte Vertiefung in der Mitte bietet den Fingern nicht genug Anhaltspunkte, wo der Knopf für Gesprächsannahme oder Wiedergabesteuerung ist. Besser wäre hier eine deutlich erhabene Stelle, ein Reliefpunkt oder Ähnliches.

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