E-Scooter in Deutschland: Wie die Elektro-Tretroller die Mobilität verändert werden

Peter Hryciuk 6

2019 soll es endlich so weit sein. Die in anderen Ländern so beliebten E-Scooter sollen auch hierzulande eine Zulassung erhalten. Das wird die Mobilität in Deutschland verändern. Dabei gibt es sowohl gute als auch schlechte Beispiele, wie die Einführung der Elektro-Roller laufen kann. Durch den Boom sind sogar neue Jobs entstanden.

E-Scooter in Deutschland: Wie die Elektro-Tretroller die Mobilität verändert werden
Bildquelle: GIGA.

E-Scooter in Deutschland: Die Zulassung lässt auf sich warten

Bei der Zulassung für Elektrokleinstfahrzeuge lässt uns die deutsche Bürokratie etwas länger zappeln, als wir bisher gehofft haben. Statt Ende 2018 soll die Zulassung der Elektro-Tretroller nun Anfang 2019 stattfinden – so der aktuelle Plan. Man ist wohl noch in reger Diskussion, ob alle geplanten Vorschriften auch wirklich sinnvoll erscheinen. Laut aktuellem Wissensstand erwarten uns folgenden Regeln:

  • Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h.
  • Es muss auf dem Radweg oder, und wenn nicht vorhanden, auf der Straße gefahren werden.
  • Versicherungspflicht: E-Scooter müssen eine Versicherungsplakette besitzen. Genau wie Mofas und kleine Motorroller.
  • Der Fahrer muss zudem mindestens 15 Jahre alt sein.

Was ist mit den Blinkern? Die waren zunächst angedacht, wurden laut dem letzten Entwurf aber wieder verworfen. Handzeichen zum Anzeigen des Richtungswechsels sollen ausreichen. Genau die gleiche Regelung also wie bei Radfahrern.

Was ist mit den Elektro-Skateboards? „Elektro-Fahrzeuge ohne Lenkstange“ könnten für zwei Jahre eine Sondergenehmigung erhalten. In diesem Testzeitraum soll wohl festgestellt werden, wie gefährlich der Einsatz wirklich ist. Danach könnten die Elektro-Skateboards ebenfalls zugelassen oder wieder verboten werden.

Alle E-Scooter, die aktuell verkauft werden, sind in Deutschland nicht zugelassen und dürfen nicht im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden. Das gilt auch für Fahrzeuge, die bereits jetzt auf 20 km/h beschränkt sind, wie der kürzlich von uns getestete Segway-E-Scooter.

Ninebot by Segway KickScooter ES1.

E-Scooter in Deutschland: Wie sich die Mobilität verändern wird

Während die deutsche Bundesregierung versucht die E-Mobilität mit E-Autos durchzusetzen, die man nirgends aufladen kann und in Großstädten zudem keinen Parkplatz findet, wird die tatsächliche Revolution der Mobilität durch E-Scooter seit Jahren blockiert. E-Bikes boomen zwar auch schon und verkaufen sich wie geschnitten Brot, sie sind aber nicht so portabel wie ein kleiner E-Scooter, den man überall hin mitnehmen kann. Reichweiten von über 20 Kilometern, kurze Ladezeiten und die Portabilität sind der Schlüssel zum Erfolg. E-Scooter werden Autos oder den Nahverkehr in Städten zwar nie ersetzen, ihn aber sinnvoll erweitern.

Man stelle sich nur vor: Ein Pendler kommt von außerhalb nach Berlin, parkt am Rande der Stadt auf einem großen Parkplatz, fährt mit der Straßenbahn in die Stadt und nutzt dann seinen E-Scooter, um an sein Ziel zu kommen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Ich selbst würde beispielsweise mit dem E-Scooter zum Hauptbahnhof fahren, die 500 km nach Berlin mit dem Zug zurücklegen und vom Hauptbahnhof die paar Kilometer durch die Stadt wieder auf den E-Scooter zurückgreifen. Keine Wartezeit, keine Umwege. Einfach mobil unterwegs.

Erste Rebellen wollen aber nicht warten und sind jetzt schon unterwegs. So sieht man in Berlin und in anderen großen Städten – aber auch bei uns in der Kleinstadt – immer mehr Fahrer, die auf den E-Scootern unterwegs sind. Und das, obwohl drakonische Strafen blühen. Die E-Scooter besitzen nämlich einen Elektromotor und werden deswegen als Kraftfahrzeuge eingestuft, wenn sie über 6 km/h fahren. Man führt also ein Fahrzeug ohne Versicherungsschutz und Betriebserlaubnis. Geldstrafen und eine Prüfung auf Eignung zur Führung eines Kraftfahrzeugs blühen, wenn man einen Führerschein hat. Ein gefährliches Spiel.

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E-Scooter im Einsatz: USA vs. Europa – Chaos vs. Regulierung

Einen regelrechten Hype haben die E-Scooter vor einigen Jahren in den USA erlebt. In Kalifornien hat ein Unternehmen über Nacht unzählige der E-Scooter auf den Straßen verteilt und zum Verleih angeboten – ohne Erlaubnis. Seitdem sind die E-Scooter dort präsent und nicht mehr vom Straßenbild wegzudenken. Überall findet man neben Fahrrädern zum Leihen auch die E-Scooter. Der Nachteil in den USA? Es gibt absolut keine Regulierung. Die Scooter werden überall ohne System abgestellt und teilweise sogar absichtlich zerstört. Bei YouTube findet man entsprechende Videos.

Ganz anders sieht es beispielsweise in Österreich aus. In Wien wurde der Verleih von E-Scootern mittlerweile auch gestartet. Dort mit verschiedenen Regeln, wie man mit den Leih-Scootern umgehen muss und wo man diese abstellen darf. Es fahren auch Mitarbeiter herum und kontrollieren, ob die E-Scooter richtig abgestellt wurden, defekt sind oder aufgeladen werden müssen. Neue Jobs entstehen.

In den USA ist durch den E-Scooter-Hype ebenfalls eine neue Möglichkeit zum Geldverdienen entstanden. Begabte Bastler sammeln die E-Scooter abends ein, reparieren sie und werden von den Unternehmen dafür bezahlt. Gleiches gilt für das Aufladen. Immerhin handelt es sich um E-Scooter, die nicht einfach so in Ladestationen gesteckt werden. Man stellt sie nach der Fahrt einfach irgendwo ab. Davon kann man laut diversen Reportagen gut leben. Und aktuell sieht es auch weiterhin so aus, dass der Hype nicht abbricht. Immer mehr Dienste und Investoren steigen mit ein.

Und Deutschland? Die E-Scooter-Verleiher scharren schon mit den Hufen und wollen unsere Straßen auch mit den Elektro-Tretrollern versorgen. In einigen Städten hat man sogar schon versucht Sondergenehmigungen zu erhalten, um die E-Scooter auf die Straße zu bringen. Im Endeffekt wird man wohl aber abwarten, bis die Zulassung da ist, die Roller ausrüsten und diese dann in Deutschland zum Verleih anbieten. Bleibt nur zu hoffen, dass die höheren Kosten durch die Versicherung, sich nicht zu stark auf die Preise auswirken. Klar ist aber, dass wir uns Wien durchaus als Vorbild nehmen dürfen. Die USA eher weniger. Dort genießen die E-Scooter mittlerweile sogar einen schlechten Ruf durch die fehlende Regulierung.

Wieso ich mir einen E-Scooter kaufen werde

Ich persönlich warte auch schon seit Monaten darauf mir einen E-Scooter kaufen zu können. Einen, den ich legal fahren darf. Oft wäre ich gerne der Versuchung verfallen und hätte mir einen E-Scooter aus China bestellt. In einer relativ kleinen Stadt, in der ich wohne, fällt man damit aber sofort auf. Zu groß ist also die Gefahr richtig Probleme zu bekommen. Sobald die Zulassung in Deutschland da ist, werde ich zuschlagen. Nicht nur weil ich damit bequem und günstig in die Stadt oder an den Strand komme, oder weil ich den E-Scooter in der Bahn auf Reisen mitnehmen kann, sondern weil es auch einfach verdammt viel Spaß macht die E-Scooter zu fahren. 20 km/h sind jetzt zwar nicht die Welt – aber für die Straße absolut ausreichend. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass ich dadurch mein Auto weniger benutzen werde – was auch einen positiven Effekt haben wird.

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