E-Roller von Segway im Test: Der KickScooter ES1 ist ein Gokart auf zwei Rädern

Johann Philipp 4

Ein elektrischer Tretroller mit 25 Kilometern Reichweite und bis zu 20 km/h Topspeed. Das ist der KickScooter ES1 von Segway. Sorgt das Gefährt für grenzenlosen Fahrspaß oder rasend schnelle Ernüchterung? Das zeigt unser Test.

Selten ist ein neues Testgerät in der Redaktion so gut angekommen. Jeder will den Roller ausprobieren, eine Runde im Büro fahren und ihn am liebsten gleich mit nach Hause nehmen. Die ersten Reaktionen: „Wow, ist der geil“ – „Darf ich noch mal?“ – „Der macht mega viel Spaß.“ Hier seht ihr den Kickscooter im Video:

Ninebot by Segway KickScooter ES1.

Die nächste Frage unserer Kollegen lautet dann allerdings: „Wie viel kostet so was?“ Unsere Antwort: 500 Euro. Spätestens dann ist die erste Euphorie etwas gedämpft. Was bekommt man dafür?

Um diese Frage zu beantworten, haben wir den E-Roller ausführlich getestet. Auf der Straße, im Alltag und auf einem ehemaligen Flughafengelände.

KickScooter ES1: Unser Testurteil

Der KickScooter ES1 ist das Einsteigermodell des Herstellers. Im Rahmen versteckt sich ein Akku mit 500 Watt Leistung, am Lenker sind ein „Gashebel“, die elektrische Bremse und ein rundes Display verbaut. Er lässt sich einfach zusammenklappen und somit auch in der Bahn oder Bus transportieren.

Der Elektroroller sorgt für jede Menge Fahrspaß. Die Beschleunigung ist für das kleine Gefährt ziemlich beeindruckend, ein Fahrgefühl wie Gokart auf zwei Rädern – und das auch noch im Stehen! Die Reichweite ist für kurze Strecken ausreichend. Beim Testen fühlten wir uns ziemlich cool: Jeder schaut sich nach dem Roller um, einige sprechen uns auf den Flitzer an.

Manchmal fühlt man sich aber auch etwas würdelos – wenn man sich nämlich vorstellt, was für ein Bild man abgibt: mit Helm auf einem getunten Kinderroller. Der einen allerdings auf Knopfdruck jeden Berg raufstromern lässt.

Ein Fahrrad ersetzen kann der Roller nicht. Wegen der kleinen Reifen könnte man sich bei jedem hohen Bordstein Gedanken machen, ob man gleich im Salto auf die Straße fliegt. Langstreckentauglich ist der Roller mit 25 Kilometern Reichweite sowieso nicht, aber dafür auch gar nicht ausgelegt.

Die Verarbeitung ist dagegen hochwertig. Am Ende unseres Tests stört ein Knarzen beim Fahren allerdings etwas, mit einem Tropfen Öl sollte das Problem aber gelöst sein.

Ein wichtiger Sicherheitsaspekt: Der Motor funktioniert erst ab 3 km/h. Man muss sich also mit einem Bein abstoßen und kann dann erst losfahren. Der Hersteller gibt zudem jede Menge Hinweise um Unfälle zu vermeiden – bei jeder Fahrt sollte zudem ein Helm getragen werden.

Über das Smartphone kann man Einstellungen am Roller vornehmen, wie zum Beispiel ein Tempolimit festlegen. Die eigene App von Segway informiert zudem über die durchschnittliche Geschwindigkeit und die zurückgelegte Distanz.

Nach zwei Stunden ausgiebigem Testen sind noch 37 Prozent Akku übrig. In knapp zwei Stunden ist der Roller wieder aufgeladen.

Neben all diesen Vorteilen und dem Fahrspaß, hat der Roller einen gravierenden Nachteil: Man darf ihn nicht auf öffentlichen Straßen fahren. Er hat keine Zulassung. Wer von der Polizei erwischt wird, muss mit mindestens 40 Euro Bußgeld rechnen und der teure Elektroroller wird konfisziert. Der Hersteller arbeitet an einer Zulassung, aber bis dahin darf man den Roller nur auf Privatgelände bewegen.

Wer sich vor der Strafe nicht scheut und wem ein Fahrrad zu langweilig ist, wird mit dem KickScooter garantiert glücklich. 500 Euro für ein reines Spaßmobil sind allerdings auch viel Geld. Alle anderen greifen daher lieber zum klassischen Drahtesel.

KickScooter ES1: Bewertung

  • Fahrspaß: 90 Prozent
  • Reichweite: 60 Prozent
  • Verarbeitung: 80 Prozent
  • Sicherheit: 30 Prozent

Gesamt: 65 Prozent

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KickScooter ES1: Das hat uns gefallen

  • Verarbeitung: hochwertig und solide. Bis auf ein leises Knarzen fällt uns nichts Negatives auf.
  • Fahrspaß: Der E-Motor bringt ordentlich Leistung und sorgt beim Beschleunigen für gute Laune.
  • App: Sie bietet interessante Infos zur Fahrt wie die durchschnittliche Geschwindigkeit, den Verbrauch und die Reichweite.
  • Klappmechanismus: Über einen Hebel am Lenker ist der Roller schnell zusammengeklappt.
  • Tempomat: Wenn man den Gashebel für fünf Sekunden in einer Position hält, aktiviert sich der Tempomat und der Roller hält die aktuelle Geschwindigkeit.

Das fanden wir nicht so gut

  • Preis: 499 Euro für einen Elektroroller, mit dem man eigentlich nur auf Privatgelände fahren darf, sind ziemlich viel Geld.
  • App-Zwang: Die App bietet zwar wichtige Infos, aber einige hätte man auch im Display direkt am Roller anzeigen können. So zeigt der Roller nur grafische Akku-Elemente, aber keine genaue Prozentangabe zum Akkustand.
  • Keine Zulassung: Die größte Schwachstelle des Rollers. Trifft man auf einen eifrigen Wachmeister, wird es teuer.
  • Kleine Räder: Jeder Bordstein wird zur Gefahr, auch über Kopfsteinpflaster fahren wir nur im Schneckentempo.
  • Wegfahrsperre: Über die App kann man eine Wegfahrsperre einstellen, die aber nicht wirklich schützt. Die Räder blockieren und man bekommt einen Hinweis auf sein Handy. Dass man den Roller einfach wegtragen kann, daran hat wohl niemand gedacht.

Gut zu wissen

  • Noch in diesem Jahr soll laut Bundesverkehrsministerium das Fahren mit dem Roller im öffentlichen Raum erlaubt werden. Das geht aus einer Anfrage an das Ministerium von Bündnis 90/ Die Grünen hervor. Die Chancen für den Kickscooter stehen also gut.

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