Personalisierte Werbung: Was zur Hölle ist euer Problem?

Robert Kohlick 25

Personalisierte Werbung – viele haben Angst davor, ich hingegen verstehe nicht so ganz, wieso alle deswegen so ein Fass aufmachen. Anstatt mich aus den Klauen der Daten-Geier zu befreien, schmeiße ich ihnen willentlich Angaben über mich in den Rachen – und das hat einen guten Grund.

Personalisierte Werbung: Was zur Hölle ist euer Problem?
Bildquelle: Getty Images / ajr_images.

Egal ob früh morgens in der Bahn, nachts auf dem Heimweg nach dem Feiern oder Zuhause im Handy-Browser, sie ist überall: Werbung! Ein Bereich der Reklame scheint dabei mit dem Fortschreiten der Digitalisierung für die Marketing-Abteilungen immer wichtiger zu werden: Personalisierte Werbung.

Mit fiesen Maschen spionieren uns Smartphone, Computer und Sprachassistenten aus, schnüren daraus wunderbare Datenpakete, die an Firmen und Konzerne weiterverkauft oder für die hauseigene Werbe-Distribution genutzt werden. Aktueller Standort, mögliche Interessen, Bewegungsmuster, Tagesabläufe – alles wird gespeichert, analysiert und automatisiert ausgewertet. Auf diese Weise bekommt der 12 Jahre alte, gaming-begeisterte Jeremy-Pascal in seinem Instagram-Feed Werbung für Fortnite zu sehen, während der inzwischen pensionierte Handwerker Harald mit Anzeigen für eine neue Bohrmaschine bombardiert wird.

Personalisierte Werbung: Ist doch super!

Das macht vielen Leuten Angst. Sie suchen panisch nach Möglichkeiten, den Datenkraken die Tentakel abzuschlagen und sich gegen diese Eingriffe in ihre Privatsphäre zu schützen. Ich hingegen verstehe schlichtweg nicht, wo alle das Problem sehen. Harald könnte wahrscheinlich nichts mit Fortnite anfangen und der kleine Jeremy braucht alles, aber keine Bohrmaschine.  Was ist so schlimm daran, dass mir Werbung für Produkte angezeigt wird, mit denen ich wirklich etwas anfangen kann? Ist doch ein toller Service, oder nicht?

Doch das ist noch lange nicht alles! Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter.  Ich lasse Google nicht nur die Daten aus meinen Online-Sessions sammeln, sondern gebe der Firma auch noch bereitwillig weitere Details über mich preis – denn ich benutze die Google Umfrage-App. Für wenige Cents pro Umfrage beantworte ich Fragen zu meinem Einkommen, meinem Einkaufs- und Schlafverhalten und meinen Hobbys – alles nur, damit ich am Ende des Tages Werbung angezeigt bekomme, die auf mich so passgenau zugeschnitten ist, wie ein Anzug vom Schneider. Dass dabei auch mein Play Store-Guthaben weiter gefüllt wird, ist nichts weiter als ein netter Nebeneffekt.

Google Umfrage-App.

Personalisierte Werbung: Google weiß immer Bescheid

Vielleicht kennt mich Google inzwischen besser als ich vermute und schlägt meinen Freunden irgendwann die perfekten Geburtstagsgeschenke für mich vor – boah, das wäre super! Inzwischen dürfte meine Akte beim Konzern dicker ausfallen als die Stasi-Akte meines ehemaligen Deutschlehrers, der regelmäßig West-Besuch Zuhause hatte. Und genauso wie er werde ich mir irgendwann mal angucken, was die so alles über mich wissen.

Nennt mich naiv, kurzsichtig, einfältig oder schlichtweg hirnrissig. Ich werde die „Werbemaschinerie“ auch weiterhin mit meinen Daten füttern und bleibe bei meinem Standpunkt: Wenn schon Werbung, dann gerne auf mich zugeschnittene!

Bilderstrecke starten
16 Bilder
Datenschutz-Thementag bei GIGA: Das sind die Tipps der Redaktion.

Eine kleine Anmerkung zum Schluss: Ich will niemandem den Schutz seiner persönlichen Daten ausreden, geschweige denn den Datenschutz generell verteufeln. Das kann jeder handhaben, wie er will.

Hinweis: Die in diesem Kommentar geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

Klebst du deine Kameras ab?

Mark Zuckerberg tut es und der FBI-Direktor rät auch dazu: Kameras abdecken oder zukleben im Namen von Sicherheit und Privatssphäre. Wie siehst du das?

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA TECH

* Werbung