Von Löwen und Lämmern: Wie Hollywood die Porno-Industrie ausbeutet

Philipp Schleinig

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die LA Weekly einen Artikel, der sich mit einem scheinbar neueren Phänomen in der Filmwelt auseiandersetzt. Es geht um die vermehrte Besetzung von Porno-Darstellern in Hollywood-Filmen. Wer nun schreit: „Sex sells!“, wirft nur einen oberflächlichen Blick auf die Geschehnisse. Tatsächlich profitiert nur ein Handelspartner von dieser Verbindung.

Von Löwen und Lämmern: Wie Hollywood die Porno-Industrie ausbeutet
Bildquelle: © Koch Media.

Lars von Triers „Nymphomaniac“-Zweiteiler drehte – ganz im Stile des „skandalösen“ Regisseurs – richtig auf: wahre Sexszenen, tatsächlich korpulierende Menschen. Die einen sahen das als Ärgernis an, die anderen als Kunst. Eines wurde jedoch schnell klar: Es waren nicht die Schauspieler um Shia LaBeouf und Co., die sich dort dem wilden Liebesspiel hingaben, sondern Porno-Darsteller. Wer jetzt denkt, Lars von Trier sei der einzige, der zu solchen Mitteln greift und sowas geschehe nur im Indie-Sektor, der liegt gehörig falsch.

Die zunehmende Beziehung zwischen der Porno-Industrie und Hollywood

Sex sells – natürlich, das war immer so und das wird immer so bleiben. Doch hier geht es nicht um die Frage, warum Hollywood-Produktionen den Fokus auf viel nackte Haut umfangreich verstärken, sondern warum man sich dazu Porno-Darsteller ins Boot holt. Die Antwort erscheint bei der Nennung logisch und wird auch im Artikel der LA Weekly mehrfach genannt:

Die Arbeit mit Porno-Darstellern ist, in Bezug auf Nackheit, einfacher, weil sie keine Hemmungen haben, vor der Kamera blank zu ziehen.

Was sich auf den ersten Blick sehr einfach anhört, hat neben moralischen Aspekten auch produktionstechnische Hintergründe. Serien wie „Game of Thrones“ und „Sons of Anarchy“ warten zu Teilen mit Szenen auf, in welchen viele Darsteller möglichst wenig anhaben dürfen. Dafür fähige Schauspieler zu rekrutieren, ist, wie auch „Sons of Anarchy“-Schöpfer Kurt Sutter zu verstehen gibt, in Hollywood kaum möglich. Und so blüht die Beziehung zwischen Hollywood und der Porno-Industrie ordentlich auf.

Samantha Bentley in „Game of Thrones“, Tori Black in „Ray Donovan“, Jenna Jameson und weitere Darsteller in „Sons of Anarchy“, Bella Donna in „Inherent Vice“ und James Deen in „The Canyons“ – die Liste der prominenten Auftritte wird im 21. Jahrhundert immer länger. Diese Darsteller müssen sich nicht erst auf die Nackheit in der jeweiligen Szene konzentrieren, sondern können ihr Schauspieltalent, welches nicht zu unterschätzen ist, auf andere Film-relevante Reaktionen setzen.

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Eine Ära geht zu Ende: Wie Game of Thrones die GIGA-Redaktion bewegt hat.

Doch von Symbiose kann keine Rede sein

Während Hollywood also auch für die noch so kruden Szenen auf (Porno-)Darsteller zurückgreifen und jene Namen auch Marketing-wirksam einsetzen kann, bleibt der erwidernde Handschlag aus. Bisher ist noch kein Porno-Darsteller, der sich im Mainstream-Geschäft probiert hat, wirklich durchgestartet, zu groß ist in den USA noch die Ablehnung der Pornografie, obwohl sie zu den gewinnträchtigsten Bereichen der Medien-Industrie gehört.

Da zeigt sich das ambivalente Bild der US-Unterhaltungsindustrie: Auf der einen Seite kann es gar nicht genug Sex-, Nackt- und andere explizite Szenen geben, die sich im Sinne der Aufmerksamkeitserhaschung bestens vermarkten lassen, auf der anderen Seite verteufelt man die nackte Haut, die in Pornos anscheinend keinen „künstlerischen“ Hintergrund fördert. Die Film-Verantwortlichen wissen, wie man sich richtig distanziert, dennoch alle Vorteile solch einer Kooperation mit der Porno-Industrie mitnimmt.

In diesen Belangen machen Hollywood-Produzenten auch keinen Finger krumm. Wiederbesetzungen finden zumeist nur im ähnlichen Rahmen statt, schauspielerische Ausflüge werden untergraben. Und so gibt die Erotik-Branche der Film-Industrie immer mehr, bekommt dafür aber kaum etwas zurück. Zieht Emilia Clarke in „Game of Thrones“ blank oder zeigt Viggo Mortensen in „Tödliche Versprechen“ sein bestes Stück, wird das vom Film-Konsumenten wohlwollend – im Sinne von für die Kunst akzeptierend – aufgenommen. Der Körpereinsatz von den unzähligen Nacktdoubles wird mit „Game of Thrones – Explizit wie immer“ erwähnt.

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