The Wolf of Wall Street: Unglaublich aber wahr – Wie ein aktueller Geldwäsche-Skandal den Film jetzt einholt

Tobias Heidemann

Der Wolf of Wall Street zerteilte damals sein Publikum. Für die einen ein echtes Lieblingsding. Ein furios inszenierter Rausch aus Koks und Nutten, der dank seines entfesselten Stars Leonardo DiCaprio unbedingt als Meilenstein gelten muss. Für die anderen war das moralisch verflachte Portrait des ethikfreien Börsenmaklers Jordan Belfort ein über das Maß des Erträglichen verklärtes Lügenmärchen. Ein pseudo-ironisches Loblied auf einen vulgären, reuelosen Verbrecher, der der glamourösen Gangster-Behandlung nicht gerecht wird. Egal auf welche Seite man stand – das letzte Kapitel von „The Wolf of Wall Street“ sollten wir alle kennen.

The Wolf of Wall Street: Unglaublich aber wahr – Wie ein aktueller Geldwäsche-Skandal den Film jetzt einholt

Es beginnt, Hollywoods Drehbuchautoren hätten es nicht besser schreiben können, vor fünf Jahren auf einer pornographisch exklusiven Palmenparty in Cannes, Frankreich. Die gerade erst gegründete Produktionsfirma Red Granite (den Namen merken wir uns, der wir noch wichtig) feierte 2011 während der Filmfestspiele in Cannes ihren offiziellen Launch. Riza Aziz (noch viel wichtiger!), seines Zeichens Film-Produzent, Finanzier und Schwiegersohn des 6. Malaysischen Premierministers Najib Razak, eröffnete den Abend in seiner Funktion als Gründer und Vorsitzender der Produktionsfirma. Die Stimmung war festlich.

"The Wolf of Wall Street" - Szene #3.

Was „festlich“  für jemanden wie Riza Aziz bedeutet, davon spricht man in Cannes noch heute: Eine Wagenladung Champagner (wörtlich gemeint), ein bezahltes Duett von Kanye West und Jamie Foxx, die gemeinsam „Gold Digger“ (*zwinker*) zum Besten gaben, dazu noch Pharrell Williams an den Turntables, mehr Supermodells als in das Düsseldorfer IMAX passen und dazwischen irgendwo ein leicht beschwipster Leonardo DiCaprio, der Finanzmittel für sein neustes Projekt suchte.

Es sollte ein legendärer Abend werden. Ein Abend, an welchem unser Leo die knapp 50 Millionen US-Dollar, die Red Granite am Ende in die Produktion von „The Wolf of Wall Street“ steckte, angemessen feiern konnte. DiCaprio hatte endlich die nötigen Gelder für sein lange verfolgtes Herzensprojekt gefunden. Riza Aziz  war sofort vom Erfolg eines Films über Jordan Belfort überzeugt. Zwei Jahre später kam „Wolf of Wall Street“ unter der Regie von Martin Scorsese in die Kinos. Der Film wurde ein Megahit. 

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Kino-Highlights 2014.

Koks, Nutten und Katerstimmung

Heute herrscht Katerstimmung bei allen Beteiligten. Grund für das böse Erwachen ist eine der größten Beschlagnahmungen von Vermögenswerten in der Geschichte der USA. Offenbar flossen seit 2009 Milliarden US-Dollar aus einem Malaysischen Regierungsfonds widerrechtlich in krumme Geschäfte. Es geht um Geld, das aus öffentlichen Kassen verschwand. Es geht um Geldwäsche. Und zwar im ganz großen Stil. Die Spur, die das FBI schon vor geraumer Zeit aufnahm, sie führt – ACHTUNG SPOILER - direkt zu Red Granite und dessen Vorstandsmitglied Riza Aziz.

Aziz muss nun nicht nur mit etlichen Anklagen der US-Staatsanwaltschaft rechnen, sondern auch mit einem radikal veränderten Lebensstil. Die Party scheint vorerst vorbei zu sein. Wem die Ironie dieser Kinogeschichte noch nicht so richtig aufgefallen ist, dem seien noch ein paar Fun-Facts nachgeliefert.

Der besagte malaysische Entwicklungsfond (1 Malaysia Development Berhad) wurde ursprünglich gegründet, um der angeschlagenen Wirtschaft des Landes effektiver unter die Arme greifen zu können. Doch anstatt nachhaltige Strukturhilfen zu entwickeln, half man sich bei 1MDB anscheinend lieber selbst. Sagenhafte sechs Milliarden Dollar sind seit der Gründung offenbar spurlos aus dem von Premierminister Najib Razak (*hust* Schwiegervater von Aziz *hust*) verwalteten Fonds verschwunden.

Krasser Twist!

Ein bisschen was davon ist nun offenbar wieder aufgetaucht. Es ist jenes Geld, das „The Wolf of Wall Street“ finanzierte. Die 50 Millionen Dollar Produktionskosten, die  Red Graniteseinerzeit zahlte, um den Film zu realisieren. Oder um es noch einmal anders auszudrücken: Es sieht ganz so aus, als sei Scorseses Film über den Anlagebetrüger Jordan Belfort produziert worden, um Geld zu waschen. Wow!

Wobei, das muss hier der Vollständigkeit halber wohl auch erwähnt werden, ein Teil des Geldes auch in zwei Luxusvillen floss, die sich Herr Aziz in New York und Los Angeles kaufte. Der Bärenteil ging aber in Leo DiCaprios selbsternanntem „Herzensprojekt“ auf. Eine gute Investition, die Red Granite immerhin 400 Millionen an den Kinokassen einbrachte und Leo eine Gage von 25 Millionen. DiCaprio selbst behauptet, er habe von alle dem nichts gewusst. Schon möglich.

Malaysias Premierminister Najib Razak hingegen ist not amused und reagierte mitunter etwas ruppig auf die seit Jahren zunehmenden Anschuldigungen, er habe ebenfalls einen Fuß in dem Sumpf seines Schwiegersohns. Wobei „not amused“ in diesem Fall eher stinksauer bedeutet und „ruppig“ auf ganz krasse Polizeigewalt und Razzien in den Büros der unabhängigen Presse, sowie ein offizielles „Geht gar nicht“ von den Reportern Ohne Grenzen hinaus will. Aber egal. Die wahren Strippenzieher kommen im Film ja auch immer davon.

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Bleibt die Moral. Die darf man sich schön selbst bauen. Am besten beginnt man dabei mit einem Zitat vom „Meister“ selbst. Wenn Jordan Belfort heute vor unreifen Bankern steht und seine miefige Motivationsshow abzieht, dann hört man ihn meist sagen: „Es ist so leicht, Geld zu verdienen. Man muss nur die innere und die äußere Welt des Erfolgs miteinander versöhnen“.

Was sind eure Topfilme 2014?

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