Alle wollen Crossplay, dabei ist es gar nicht so einfach – oder doch?

Kamila Zych 1

So langsam scheint sich Sony an den Gedanken von Crossplay gewöhnt zu haben. Erst Fortnite, jetzt Rocket League. Scheint doch gar nicht so schwer zu sein, oder? Das sieht offenbar nicht jeder so.

Viele Wochen haben es Spieler gefordert und schlussendlich hat Sony Ende September 2018 nachgegeben und verkündet, dass Crossplay zwischen PS4, Xbox One, PC, Mobile und Nintendo Switch in Fortnite möglich ist. Mitte Januar 2019 folgte die Crossplay-Funktion auf allen Plattformen in Rocket League. Natürlich machen sich einige Spieler nun Gedanken, welches Spiel als nächstes folgt. In diesem Zusammenhang wurden kürzlich die Entwickler von Warframe in einem Livestream gefragt, ob sie plattformübergreifendes Zocken auch für ihr Spiel in Betracht ziehen.

„Als Spieler würde ich es lieben – als Entwickler ist es eines der riskantesten Dinge, die wir tun können. Weil viele Spiele die [Crossplay] machen – die schon früh dran sind – kamen [relativ] spät auf die Plattformen und hatten unterschiedliche Verhandlungsumgebungen, um ihre Verträge abzuschließen. Darüber hinaus sind wir ein Spiel, das sich ständig verändert. Wir ändern die Spielmodi, wir ändern das Gameplay. Wir machen ständig große, riesige Schwüngen, also sind wir alle daran interessiert und diskutieren darüber“, so Game Director Steve Sinclair.

[Fettungen von der Redaktion.]

Der CEO von Sony Interactive Entertainment, Shawn Layden, begründete die Tatsache, dass die Crossplay-Einführung in Fortnite so lange gedauert hat, folgendermaßen:

Beim Aktivieren von Crossplay geht es jetzt nicht nur darum, einen Schalter umzudrehen und ‚los geht’s‘ – es ist eine äußerst vieldimensionale Art von […] Feature. Wir mussten es von einer technischen Sicht aus betrachten, wir mussten – vom geschäftlichen Blickwinkel gesehen – mit unseren Partnern zusammenarbeiten, wir mussten sicherstellen, dass wir – wenn wir dies ermöglichen – den richtigen Kundendienst haben. […] Man muss eine bestimmte Reihenfolge einhalten, um [all diese Dinge] einzurichten.“

[Fettungen von der Redaktion.]

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Technisch einfach

Dabei scheint die Einrichtung von Crossplay aus technischer Sicht gar nicht so kompliziert zu sein. Erinnern wir uns nur an den „Fortnite-Bug“ im September 2018, der für kurze Zeit Crossplay zwischen Xbox One- und PS4-Spielern ermöglichte. Darüber hinaus wird unter anderem oft das Argument gebracht, dass es schwierig sei, die Spieler-IDs aller Plattformen beim Crossplay zu vereinen, da sie unterschiedlich aufgebaut sind. Wenn es nach dem Software-Programmierer Ben Gooding geht, hängt hierbei alles von Internet-Protokollen ab. In seinem Blog-Post vom Mai 2017 analysierte er, wie Crossplay beim Rocket League-Entwickler Psyonix funktioniert – damals noch ausschließlich zwischen PC und Xbox One:

„Jedem Spieler auf Xbox und PC wird im Rocket League-System eine eindeutige ID zugewiesen. Diese ID identifiziert eindeutig jede Person, die das Spiel spielt, zusammen mit der Plattform, auf der sie spielen und dem Netzwerk, mit dem sie verbunden sind. Wenn ein Spieler auf der Xbox spielt, ist Xbox Live der Hostserver. Die Informationen werden von seiner Xbox über die Xbox Live-Dienste und schließlich an die der Rocket League übermittelt. Aufgrund dieser eindeutigen ID weiß Psyonix, auf welchem System ein Spieler spielt und wie der Netzwerkverkehr geleitet wird. Dieser Netzwerkverkehr wird auf PC- und Xbox-Player gleichermaßen verteilt.“

Natürlich bleibt die Frage, ob die Ausweitung auf Plattformen wie PlayStation 4 und Nintendo Switch ebenso einfach geschehen kann, doch laut Gooding stellt die einzige technische Einschränkung beim plattformübergreifenden Spielen die Fähigkeit des Entwicklers dar, es zu realisieren.

Minecraft bietet schon seit einiger Zeit Crossplay zwischen Xbox One, Mobile, PC und Nintendo Switch an.

Minecraft - Nintendo Switch & Xbox One Crossplay - Trailer.

Geschäftlich kompliziert

Im Zusammenhang mit Spieler-IDs darf der geschäftliche Blickwinkel nicht außer Acht gelassen werden. Hier kommen nämlich die Sicherheitsrichtlinien der jeweiligen Unternehmen zur Sprache. Katsuhiro Harada, Produzent der Tekken-Reihe, erklärte es im April 2017 wie folgt:

„Da Tekken auf drei Plattformen läuft, ist [Crossplay] sehr viel schwieriger, da es sich bei Kampfspielen um Peer-to-Peer handelt, was bedeutet, dass man direkt mit seinem Gegner verbunden ist. Das bedeutet, dass alle Sicherheitsprotokolle in Bezug auf PSN oder Xbox Live, beispielsweise die Benutzer-IDs schwer abzustimmen sind – [allerdings] nicht aus technischer Sicht.“

Vermutlich versteht Sinclair etwas Ähnliches unter „unterschiedliche Verhandlungsumgebungen“, die er im Zitat oben erwähnt hat. Denn mit dem Einrichten von Crossplay müssen auch die Richtlinien gegebenenfalls überarbeitet werden. Hier liegt die größte Hürde sicherlich darin, dass sich die einzelnen Unternehmen einig werden, wie viele Informationen sie bereit sind miteinander zu teilen – zum Beispiel Daten zum Spielerverhalten.

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Geld, Zeit und Arbeitskraft – Zwischen Gewinn und Verlust

Natürlich spielen hierbei auch noch andere Faktoren eine Rolle – allen voran, das Geld. Es ist nicht zu leugnen, das Microsoft und Sony gewinnorientierte Unternehmen sind und dementsprechend darauf aus sind, dass Spieler ihre Konsole kaufen und nicht die der Konkurrenz. Doch das hängt wiederum vom Spieler selbst ab, auf welcher Plattform er oder sie am liebsten spielt.

Sinclair deutet im letzten Satz seines Zitats übrigens noch ein weiteres Problem an: Updates werden je nach Plattform meist zu verschiedenen Zeiten veröffentlicht. Oft ist es so, dass ein Update zuerst auf dem PC ausgerollt wird und gerade mal einen Monat später auf der PlayStation 4 und – mit etwas Glück – auch auf der Switch erscheint.

Hinzu kommt, dass PC- und Konsolen-Spieler in Bezug auf Steuerung und Grafikeinstellungen unterschiedliche Vor- und Nachteile besitzen: Während du mit einem Controller die Feinheit und Beschleunigung deiner Bewegung besser kontrollieren kannst, sind deine Schüsse mit einer Maus weitaus präziser und schneller. Ebenso können die Grafikeinstellungen auf dem Computer zum Vorteil des Spielers individualisiert werden, während sie auf der Konsole meist statisch sind.

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Wenn sich die Macher eines Spiels nun entscheiden würden, Crossplay auf allen Geräten anzubieten, würde das bedeuten, dass sowohl die Updates zeitgleich erscheinen, als auch die Steuerung und Grafikeinstellungen angepasst werden müssten. Das wiederum wäre mit Zeitdruck und höherem Arbeitsaufwand verbunden – den einige Entwickler vermutlich nicht bereit oder nicht im Stande sind zu leisten. Letzten Endes hängt es also von der Bereitschaft und den Ressourcen der jeweiligen Firmen ab, ob Crossplay in ein Spiel integriert wird und wie lange es dauert. Dass es möglich ist, wissen wir jetzt. Die Frage stellt sich also nicht nach dem „wie?“ sondern nach dem „wann?“.

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