Apple kauft Intels Modem-Sparte: Erste 5G-Chips in Apple-Produkte früher als erwartet

Sebastian Trepesch

Apple übernimmt die Mehrheit des Smartphone-Modemgeschäfts von Intel und lässt sich die Übernahme 1 Milliarde US-Dollar kosten. GIGA erklärt, wo Apple wohl einen geschickten Schachzug vornahm und was das für die iPhones bedeutet.

Update vom 27.07.2019: Dem Nachrichtendienst Reuters zufolge soll Apple schon 2021 in einzelnen Produkten eigene Mobilfunkchips einbauen wollen, dem Sechsjahresvertrag mit Qualcomm zum Trotz. Genaueres ist hierzu aber noch nicht bekannt.
Es ist vorstellbar, dass Apple die eigenen Modems zunächst im iPad ausprobiert und weiterentwickelt, bis sie (energie)effizient genug für das iPhone sind.

Bisheriger Artikel vom 26.07.2019:

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Die Übernahme erklärte Apple von Donnerstag auf Freitag in einer Pressemitteilung. Die Transaktion will das Unternehmen im vierten Quartal 2019 abschließen, die Zustimmung der Aufsichtsbehörden und weiterer Gremien steht noch aus.

Deshalb schnappt sich Apple Intels Modemsparte

In der Meldung wird klar, warum Apple die Milliarde ausgeben wollte: Der iPhone-Hersteller erhält damit über 17.000 Patente auf Mobilfunktechnologien, von Protokollen für Mobilfunkstandards bis hin zu Modemarchitektur und Modemeinsatz. „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Intel zusammen und wissen, dass dieses Team Apples Leidenschaft für die Entwicklung von Technologien teilt“, sagt Johny Srouji, Apple’s Senior Vice President of Hardware Technologies. „Apple freut sich, dass so viele exzellente Ingenieure unserem wachsenden Team für Mobilfunktechnologien beitreten und wir wissen, dass sie in Apples kreativer und dynamischer Umgebung erfolgreich sein werden.“

Und hier sind wir schon bei einem zweiten Grund: 2.200 Intel-Mitarbeiter wechseln damit zu Apple, mitsamt geistigem Eigentum, Ausstattung und Verträgen. Das dürfte auch bedeuten: Der deutsche Intel-Standort in Neubiberg (Landkreis München) dürfte damit zum Apple-Standort werden.

Patente, Technologien und Fachkräfte sind für Apple für die Entwicklung von 5G-Modems wichtig. Das Unternehmen unternahm in den vergangenen Jahren selbst den Versuch, Chips für die kommende Mobilfunktechnik zu entwickeln. Die Entwicklung schien aber nicht schnell genug voranzuschreiten, um das iPhone rechtzeitig 5G-tauglich zu machen. Apple schloss deshalb mit Qualcomm Verträge über die Abnahme von 5G-Modems.

Apples geschickter Schachzug um Intel

Die Verträge zur 5G-Technologie mit dem Intel-Konkurrenten Qualcomm könnten den aktuellen Deal überhaupt erst möglich gemacht haben: In den letzten iPhones verbaute Apple Intel-Modems, der Chip-Riese sah sich hier nun aber auf dem Abstellgleis, nachdem Apple als Abnehmer abgesprungen war. Man überlegte, die Modem-Sparte einzustellen und startete die Suche nach einem Käufer. Und genau Apple schlug nun eben zu.

Ob Apple den Intel-Verkauf provozieren wollte oder es nur ein „Versehen“ war, darüber kann nur spekuliert werden. Letztendlich kann Apple damit aber die von CEO Tim Cook favorisierte Strategie ausbauen, weniger auf andere Unternehmen angewiesen zu sein. Wird die Intel-Übernahme Früchte tragen, kann man Apple einen geschickten Schachzug unterstellen. Aktuell verursacht die Mobilfunkabteilung von Intel aber Verluste.

Auch Intel zeigt sich über das neue Dach erfreut: „Diese Vereinbarung ermöglicht es uns, uns auf die Entwicklung von Technologien für das 5G-Netzwerk zu konzentrieren und gleichzeitig wichtige Rechte am geistigen Eigentum und Modemtechnologien zu behalten, die unser Team entwickelt hat“, sagt Intel CEO Bob Swan. „Wir respektieren Apple seit langem und sind zuversichtlich, dass es das richtige Umfeld für dieses talentierte Team und diese wichtigen Werte in Zukunft bieten wird. Intel selbst hat sich das Recht behalten, 5G-Technologie herzustellen – nur nicht im Smartphone-Bereich.

Den ersten 5G-Anruf in Deutschland startete Vodafone:

Erster 5G-Anruf von Vodafone.

Das bedeutet der Milliarden-Deal für die iPhones

Die iPhone-Chips (wie aktuell der Apple A12 Bionic Chip) entwickelt Apple seit Jahren selbst. Zukünftig wird das Unternehmen also auch bei den Modems unabhängiger. Zudem könnten die Patente die Lizenzkosten und Streitigkeiten vermindern.

Für die nächsten iPhones bedeutet das zunächst einmal – gar nichts. Die Modelle im Herbst wird Apple den Insider-Informationen nach noch nicht mit 5G-Technologie ausstatten. Und die nachfolgenden Smartphones kommen wohl erst mit Qualcomm-Modulen, sofern Apple keine Ausstiegsklausel aus dem geschlossenen Vertrag hat (davon ist allerdings nichts bekannt).

In den iPhones werden die ersten Früchte des Milliarden-Deals erst in einigen Jahren zu finden sein. Wer jetzt aus der Vergangenheit im Kopf hat, dass die Qualcomm-Modems in den iPhones besser als die von Intel gewesen sein sollen, dem sei gesagt: Bei der 5G-Technik kann das wieder ganz anders laufen. Warten wir es ab.

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