Videospieladaptionen sind häufig ein zweischneidiges Schwert. Sie sind entweder nur mit der rosaroten Fan-Brille zu ertragen oder wirklich gut gelungen. Die Netflix-Serie zum MOBA League of Legends ist, obwohl ich absolut kein Fan von dem Spiel bin, definitiv in die zweite Kategorie einzuordnen. Der Auftakt von Arcane hat mich auf ganzer Linie überzeugt.

 
League of Legends - LoL
Facts 

Ach ja, League of Legends, wenn man nichts Nettes sagen kann, sagt man lieber gar nichts. Wir sind aber nicht hier, damit ich euch erkläre, warum Dota 2 das bessere MOBA ist. Bevor die LoL-Fans aber jetzt getriggert abspringen: Ehre, wem Ehre gebührt. Die bessere Serien-Adaption habt definitiv ihr.

LOL? Ist das nicht der Film mit Miley Cyrus?

LoL, also League of Legends, ist Riot Games MOBA auf dessen Grundlage eine ganze Welt mit Orten und Charakteren entstanden ist, die ihr mittlerweile auch in anderen Spielen mit demselben Lore-Hintergrund wiederfindet. Aber ja, den Film mit Miley Cyrus gibt es und er ist nicht besonders gut. Arcane nimmt sich der Hintergrundgeschichte zweier LoL-Champions an und begleitet die Schwestern Powder und Vi durch ihre schwierige Kindheit in der düsteren Unterstadt der eigentlichen reichen Metropole Piltover. Zwischen Armut und Dreck schlagen sich die beiden als Teil der Straßengangs so durch und gehen auf Raubzüge in die wohlhabende Oberstadt.

Mit der Lore von LoL hab ich mich noch nie groß beschäftigt. Das ist für die Serie aber auch nicht nötig und sollte euch nicht abschrecken. Natürlich erkennen Fans den ein oder anderen Nebencharakter und verstehen ein paar Anspielungen, doch die Geschichte funktioniert wunderbar ohne Vorwissen.

Arcane auf Netflix: Finaler Trailer

Absolut stilsicher

Optisch ist die Animationsserie ein Mix aus 2D und 3D und hat etwas von sich bewegenden Malereien. Die Szenen strotzen nur so vor Details und der farbliche Kontrast zwischen den düsteren Gassen der Unterstadt und der hellen Oberstadt wird sehr gut herausgearbeitet. Der Soundtrack weiß ebenfalls mit einem Mix aus stimmungsvoller Hintergrundmusik und starken Songs zu überzeugen. Diese Stärken beweisen Entwickler Riot Games und das verantwortliche französische Animationsstudio Fortiche Productions schon seit Jahren mit ihren Cinematics und Musikvideos zu LoL.

Arcane ist deutlich brutaler und düsterer als die comichafte MOBA-Vorlage, auch wenn der Grad an Gewalt nicht das Level der Adaptionen von Castlevania oder des Witcher-Animationsfilmes erreicht.

Gute Charaktere: Ein Muss für jede Geschichte

Die Story von Arcane packt mich von der ersten Sekunde an. Wie sich die kleine Powder an den Arm ihrer Schwester klammert, hat mich direkt gekriegt. Aus meinem „ich guck mal rein“ wurde ein „oh, ich hab den ersten Akt am Stück geguckt“. Schon über die ersten drei Folgen des ersten Aktes entfaltet sich eine vielschichtige und vor allem nachvollziehbare Geschichte. Jeder Charakter besitzt glaubhafte Motivationen für das eigene Handeln und bei den Hauptfiguren sind diese nicht einfach schwarz und weiß. Es gibt eine spürbare Entwicklung bei den wichtigsten Charakteren und ich möchte unbedingt wissen, wohin diese führen werden. Die deutsche Synchro ist übrigens auch sehr gut geworden.

Die drei Folgen des ersten Aktes könnt ihr bereits bei Netflix sehen. Der zweite Akt folgt am Samstag (13. November) und der dritte Akt wieder eine Woche später am 20. November. Wenn ihr mit dem Stil der Serie und dem Fantasy-Steampunk-Setting etwas anfangen könnt, kann ich euch Arcane wirklich nur ans Herz legen. Eine so bewegende und spannende Geschichte in einem so coolen Look findet ihr nicht bei jeder Animationsserie.