Mit den steigenden Strompreisen wird das Interesse an sogenannten Balkonkraftwerken immer größer. Sie sind leicht zu installieren, kosten nicht viel und amortisieren sich bereits nach wenigen Jahren. Wie ein Balkonraftwerk funktioniert und was man beachten muss, erfahrt ihr in unserem GIGA-Artikel.

Wie genau funktioniert so ein Balkonkraftwerk eigentlich?

Um den größten Spareffekt mit einer steckfertigen Mini-Solaranlage zu erreichen, muss man verstehen, wie so ein Balkonkraftwerk funktioniert. Im Grunde ist es ganz einfach. Sobald die Sonne auf die Solarpanel scheint, wird Energie erzeugt. Diese Energie wird vom Wechselrichter umgewandelt und über die Steckdose in das zum Haus oder zur Wohnung gehörende Stromnetz gespeist. Jetzt kommt der wichtige Part: Man muss die Energie sofort verbrauchen!

Dieser ursprünglich im April 2022 erschienene Artikel wurde für die GIGA-Themenwoche „Nachhaltigkeit“ vom 5.6. bis 11.6.2022 überarbeitet und neu veröffentlicht. Im Übersichtsartikel lest ihr, was es damit auf sich hat und findet weitere Stücke zum Thema.

Steckfertige Mini-Solaranlagen mit bis zu 600 Watt sind darauf ausgelegt, dass man den Strom, den man in dem jeweiligen Moment generiert, auch sofort verbraucht. Im Gegensatz zu großen PV-Anlagen bekommt man nämlich keine Einspeisevergütung und hat auch keine Batterie als Zwischenspeicher. Jeglicher Strom, den man produziert und nicht verbraucht, schickt man zurück ins Netz, bekommt aber nichts dafür.

So viel Strom hat mein Balkonkraftwerk in den letzten Monaten erzeugt. (Bildquelle: GIGA)

Zwei Beispiele:

  1. Ich hab mein Balkonkraftwerk im Juni 2021 in Betrieb genommen und bisher 274,584 kWh produziert. In der Zeit habe ich laut meinem Stromzähler 26 kWh ins allgemeine Stromnetz eingespeist und sozusagen verschenkt. Ich nutze die Energie, die ich produziere, also sehr gut aus.
  2. Das Balkonkraftwerk meiner Eltern ist erst seit Ende Februar 2022 in Betrieb. Es ist perfekt nach Süden ausgerichtet, hat den optimalen Winkel und jetzt in den wenigen Wochen schon 94 kWh an Energie erzeugt. Dort wurden etwa 10 kWh „verschenkt“. Durch das Aufladen des Plug-in-Hybriden wird die erzeugte Energie also auch ziemlich gut ausgenutzt. Da viel mehr produziert wird, geht aber auch etwas mehr verloren.

Man muss seinen Verhalten anpassen

Was will ich damit eigentlich sagen? Ein Balkonkraftwerk lohnt sich nur für euch, wenn ihr die Energie, die ihr an sonnigen Tagen produziert, auch wirklich ausnutzt. Ich arbeite im Home-Office, der PC läuft also etwa 10 Stunden am Tag. Allein das sorgt schon dafür, dass ich die meiste Energie meiner Anlage direkt verbrauche. Doch es gibt natürlich auch normale Verbraucher wie den Kühlschrank oder eine Gefriertruhe, die immer laufen. Die werden somit zumindest am Tage gratis betrieben.

Wichtig ist, dass man die größten Verbraucher wie Waschmaschine, Spülmaschine, Bügeleisen usw. im Optimalfall nur betreibt, wenn die Sonne richtig knallt. Deswegen verwenden wir Apps, um zu sehen, wann die meiste Energie erzeugt wird, um diese dann auch direkt nutzen zu können.

Das Energielabel spielt beim Neukauf eine wichtige Rolle, um nicht unnötig viel Energie zu verschwenden:

Die neuen EU-Energielabel: Das hat sich geändert Abonniere uns
auf YouTube

Für wen sich ein Balkonkraftwerk nicht lohnt

Eine steckfertige Mini-Solaranlage lohnt sich für euch nicht, wenn ihr die produzierte Energie in der Zeit nicht verbrauchen könnt. Wollt ihr euch also nicht umstellen und schaltet den Geschirrspüler oder die Waschmaschine in der Nacht an, wenn die Sonne nicht scheint, werdet ihr nur einen kleinen oder fast keinen Effekt merken.

Man kauft sich ein Balkonkraftwerk ja nicht nur, um eins zu haben. Die Investition von aktuell bis zu 1.000 Euro für eine Solaranlage mit 600 Watt soll sich ja auch rentieren. Wenn ihr die Energie dann verschenkt, habt ihr viel Geld bezahlt und die Investition amortisiert sich viel später – wenn überhaupt.

Wann ist meine steckfertige Solaranlage abbezahlt?

Ich hab für meine Mini-Solaranlage eine neue Halterung gebaut, um mehr Sonne einfangen zu können. Damit ist die Effizienz jetzt schon spürbar gestiegen. (Bildquelle: GIGA)

Beispielrechnung: Meine ab spätem Nachmittag verschattete Mini-Solaranlage hat in 10 Monaten 274 kWh erzeugt, wovon ich 248 kWh auch wirklich verbraucht habe. Ich zahle aktuell etwa 30 Cent pro kWh und so habe ich 74,40 Euro gespart. Im April und Mai scheint die Sonne etwas mehr, sodass ich aufs Jahr gerechnet sicher um die 90 Euro an Stromkosten sparen kann. Ich habe 800 Euro für die Anlage bezahlt. Sie bezahlt sich also innerhalb von knapp 9 Jahren ab und kann dann noch 16 Jahre Strom produzieren. 25 Jahre ist etwa die Lebenszeit einer solchen Anlage.

Da die Preise für Strom steigen, wird sich meine Solaranlage aber viel früher rentieren. Bei meinen Eltern, die gleichzeitig noch etwas ihren Plug-in-Hybriden laden und so teures Benzin sparen, wird das alles noch viel schneller passieren.