Fairphone setzt mit seinen Smartphones Maßstäbe hinsichtlich Nachhaltigkeit und Fairness. Aber ist das Fairphone 4 auch ein gutes Smartphone? Im GIGA-Test erfahrt ihr, wie es sich schlägt.

Nachhaltigkeit ist schon längst nicht mehr nur ein Trend. Selbst in der Technik-Branche legen mehr und mehr Hersteller Wert auf faire Arbeitsbedingungen und Ressourcenschonung in der Produktion. Ein bekannter Smartphone-Hersteller ist Fairphone. Die niederländische Marke will mit ihren Smartphones ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man selbst bei den Alltagsbegleitern auf Nachhaltigkeit achten kann. Wir haben dafür zum Test das Fairphone 4 erhalten. Wie uns das Smartphone gefällt, erfahrt ihr in unserem GIGA-Test.

Fairphone 4 5G: Test-Fazit

GIGA-Wertung 6.1 / 10

Fairphone zeigt mit dem Fairphone 4 einmal mehr, dass sich Technik und Nachhaltigkeit nicht ausschließen müssen. Sowohl bei Verpackung als auch beim Gerät bekommt man das, was man wirklich benötigt. Zudem lässt sich das Smartphone leicht öffnen und in seine Bestandteile zerlegen, sollte eine Reparatur einmal nötig sein.

Das Fairphone 4 überzeugt mit zukunftssicherer 5G-Mobilfunktechnik und passabler Leistung. Jedoch muss man sich auf Kompromisse einstellen: Man bekommt kein Unterhaltungs-Smartphone, da Display und Leistung nicht vollständig überzeugen und beim Streaming und Gaming für Ruckler sorgen. Auch bei der Kamera-Leistung liegt das Fairphone 4 deutlich hinter Smartphones der Konkurrenz.

Für einen Preis von 579 Euro in der kleineren Version bekommt man mit dem Fairphone 4 kein High-End-Gerät. Wer jedoch nach einem Smartphone für Alltagsaufgaben sucht und gleichzeitig in etwas Gutes investieren will, hat mit dem Fairphone 4 eine brauchbare Option.

Vorteile:

  • Nachhaltigkeit bei Verpackung und Gerät
  • 5G-fähig
  • Wechselbarer Akku
  • Leichtes Auseinanderbauen
  • Hinreichend Leistung

Nachteile:

  • Enttäuschende Kameraqualität
  • Leistung nur ausreichend
  • Mäßiges Display
  • Kein Klinkenanschluss für Kabel-Kopfhörer
Fairphone 4 (Grau)
Fairphone 4 (Grau)
Bei Cyberport könnt ihr das Fairphone 4 mit 6 GB RAM und 128 GB internen Speicher kaufen.
Preis kann jetzt höher sein. Preis vom 17.05.2022 20:06 Uhr

Verpackung: „Was du nicht brauchst, ist nicht enthalten.“

Das Fairphone kommt unaufgeregt daher, was nicht bedeutet, dass es keinen Spaß macht, es auszupacken. Ganz im Gegenteil: Dass Fairphone etwas anders machen will, merkt man bereits bei der Verpackung. Es gibt keinerlei Plastikverpackungen und -folien, das Handy selbst ist in Papier gewickelt. Und anstatt den Käuferinnen und Käufern verschiedene Informationsblätter zukommen zu lassen, wurde der Karton selbst mit allen wichtigen Informationen, die das Fairphone zum Fair-Phone machen, bedruckt, ebenso mit der Firmenphilosophie. Auf einen kurzen „Quick Start Guide“ und ein Heftchen zur Gesundheit und Sicherheit wurde dennoch nicht verzichtet.

In unserem Presse-Paket war zudem auch ein Kreuzschraubendreher zu finden. Falls ihr das Handy also aufschrauben wollt, geht das mit dem Werkzeug schnell und einfach, aber dazu später mehr. Ansonsten ist der Lieferumfang nach dem Motto: „Was du nicht brauchst, ist nicht enthalten.“ gestaltet. So kann bei der Bestellung als weiteres Zubehör ein USB-C-Kabel, ein passendes Netzteil und ein USB-C-Adapter für Kopfhörer hinzugefügt werden, ebenso ein Softcase für mehr Schutz.

Mit dem mitgelieferten Schraubendreher ist das Fairphone schnell auseinandergebaut (Bildquelle: GIGA).
Mit dem mitgelieferten Schraubendreher ist das Fairphone schnell auseinandergebaut (Bildquelle: GIGA)

Natürlich kann kritisiert werden, dass Fairphone all dieses Zubehör nicht beilegt. Jedoch darf der Hersteller auch davon ausgehen, dass die Käuferinnen und Käufer etliches Zubehör bereits zu Hause haben und sich somit nicht nur Zubehör, sondern auch Geld sparen können. Zudem verringert eine kleine Packung die Transport und Lagerungskosten, was sich positiv auf die Nachhaltigkeitsbilanz auswirkt.

Übrigens: Falls ihr nach dem Kauf des Fairphones euer altes Smartphone loswerden möchtet, könnt ihr dieses ganz einfach mit dem Fairphone-Karton zurücksenden. Die genutzten Geräte können somit aufbereitet oder in ihre Bestandteile zerlegt und wiederverwendet werden. Bei Fairphone wird Nachhaltigkeit als Kreislauf gedacht. Auf seiner Website erklärt der Hersteller, dass der reale Wert des Altgeräts als Gutschein für den Fairphone-Shop umgewandelt kann.

Das Fairphone 4: Ein Blick auf und in das Smartphone

Großes, schweres Handy

Im Gegensatz zu der minimalistischen Verpackung des Fairphone 4 ist das Smartphone selbst eher klobig und mit 226 Gramm überraschend schwer. Aufgrund einer Display-Diagonale von 6,3 Zoll ist das Gerät recht groß. Wer kleine Hände hat, muss es teilweise beidhändig bedienen. Dennoch liegt das Fairphone 4 gut und sicher in der Hand – die angeraute Plastikrückseite mit eingestanztem Fairphone-Schriftzug ist hier ein Vorteil und wirkt auch nicht billig.

Bei den Anschlüssen wurde gespart, da es lediglich einen USB-C-Anschluss an der Unterseite zwischen Mikrofon und Lautsprecher gibt. Der Anschluss dient zum Laden und Musikhören. Falls man bisher nur Kopfhörer mit Klinkenanschluss genutzt hat, benötigt man hierfür entweder einen entsprechenden Adapter (bei Amazon ansehen) oder muss auf Bluetooth-Kopfhörer ausweichen. Fairphone bietet zwar hauseigene True-Wireless-Kopfhörer an, jedoch kann man die kleinen Kopfhörer auch kritisch sehen, da sie einerseits schnell verloren gehen können, andererseits mit einem Akku betrieben werden. Erfahrungsgemäß wird dieser mit der Zeit nachlassen, wodurch die Kopfhörer früher oder später nicht mehr brauchbar sind. Deswegen ist an dieser Stelle zu überlegen, ob die True-Wireless-Kopfhörer wirklich nachhaltig sind.

Das Fairphone 4 liegt gut in der Hand (Bildquelle: GIGA).
Das Fairphone 4 liegt gut in der Hand (Bildquelle: GIGA)

Ansonsten findet man auf der rechten Seite zum einen die Standby-Taste mit integriertem Fingerabdrucksensor. Dieser wird jedoch nur nach Drücken der Standby-Taste aktiviert. Es ist nur ein minimaler Aufwand, aber dennoch gewöhnungsbedürftig und anfangs verwirrend. Über dem Fingerabdrucksensor sind noch zwei Tasten für die Lautstärke installiert. Generell sind die Tasten sowohl mit der linken als auch mit der rechten Hand gut erreichbar und leicht zu bedienen.

Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es eine Einkerbung. Hier kann man den Rückendeckel abnehmen und einen Blick in das Smartphone zu werfen. Die Mechanik ist schwergängig – gut so, denn im Alltag möchte man nicht, dass sich die Abdeckung von selbst löst.

Leichtes Reparieren

Dank ebenjener Einkerbung lässt sich das Smartphone wirklich kinderleicht öffnen. Anders als beim Shiftphone, dass wir ebenfalls getestet haben, muss man sich da auch keine Sorgen um die frisch lackierten Fingernägel machen.

Das Innenleben des Fairphones ist, anders als das schwarzgrau gehaltene Äußere, bunt gestaltet. Das ist nicht nur als netter Hingucker gedacht, die Farbkleckse dienen ebenso als Orientierungspunkte, um welche Module es sich jeweils handelt: So befindet sich auf der Unterseite der beige Lautsprecher, oben die grüne Kamera, rechts das rote, mit einem Herz bedruckte Motherboard (System-on-a-Chip, Grafikkarte, Speicher) und in der Mitte der blaue Akku.

Das Innenleben des Fairphones ist ein echter Hingucker (Bildquelle: GIGA).
Das Innenleben des Fairphones ist ein echter Hingucker (Bildquelle: GIGA)

Muss man das Fairphone reparieren – Ersazteile bekommt man im Online-Shop der Niederländer – , kann man sich mit dem passenden Schraubendreher an die Arbeit machen. Was hier auffällt: Man benötigt nicht nur einen kleinen Kreuzschraubendreher (PH0) zum Öffnen des Smartphones, für den Ausbau des Motherboards allerdings einen Torx-Schraubenzieher. Beim Rest kann man nicht viel falsch machen. Ich konnte sowohl die Kamera als auch das Vibrations-Modul schnell aus- und wieder einbauen.

Akku: Ladekabel sollte man immer parat haben

Der Akku ist ohne Werkszeug schnell und einfach wechselbar – eine Seltenheit heutzutage. Und das muss man tatsächlich auch, möchte man entweder eine SIM-Karte oder eine Micro-SD-Karte einfügen, um den internen Speicher von entweder 128 GB oder 256 GB zu erweitern.

Fairphone hat sich bei dem 4. Ableger für einen 3.905-mAh-Akku entschieden. Für diese Preisklasse ist die Kapazität des Akkus doch recht schwach, da die Konkurrenz längst auf 4.500 mAh aufwärts setzt – das ist wohl eine Konzession an die Wechselbarkeit des Energiespeichers. Das merkt man auch an der Akkuleistung, da ich selbst bei nur rund 2 bis 3 Stunden aktiver Handynutzung das Handy nach knapp anderthalb Tagen wieder aufladen musste. Bei intensiverer Nutzung oder durchgemachten Wochenenden läuft man Gefahr, am Ende des Tages ohne Telefon da zu stehen. Ein Ladekabel sollte man also stets in der Nähe haben. Kabellos ist das Gerät nicht aufladbar.

Ein Ladekabel wird nicht mitgeliefert. Trotz Schnelllade-Netzteil lud das Gerät bei uns im Test binnen einer Stunde nur von 1 auf 70 Prozent. Die Angabe des Herstellers, dass der Akku innerhalb von 30 Minuten auf 50 Prozent aufgeladen wird, scheint etwas zu optimistisch, kann aber möglicherweise mit anderen Netzteilen erreicht werden.

In unserem GIGA-Video seht ihr das Fairphone 4 in Aktion:

Fairphone 4 im Hands-On: Das reparierbare Smartphone aufgeschraubt Abonniere uns
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Fairphone 4: Praktisch, aber weniger Spiel und Spaß

Wie sieht mein CO2-Fußabdruck aus?

Kommen wir nun zum Fairphone direkt: Wie bereits beim Shiftphone ist auch der Homebildschirm des Fairphones minimalistisch gestaltet, Fairphone setzt auf Vanilla-Android mit einigen eigenen Apps und geringen Anpassungen. Neben den Google-Apps findet man nebeneinander die Kontakte-, Kamera-, SMS-App aufgereiht sowie die App „Fairphone“. Öffnet man diese kann man einen eigenen Account erstellen und als ersten Schritt seine CO2-Emissionen tracken. Weiterhin findet ihr darin verschiedene Support-Möglichkeiten sowie Tipps und Tricks, um alles aus eurem Fairphone rauszuholen. Weiterhin könnt ihr an verschiedenen Challenges teilnehmen, wie „Digital Mindfulness“, um die Handyzeit zu reduzieren.

Die Smartphone-Steuerung funktioniert mittels der virtuellen Home-, Zurück- und Übersichts-Taste. Zu den restlichen Apps kommt ihr, indem ihr auf dem Home-Bildschirm von unten nach oben wischt.

Das Fairphone 4 kann man dank der Google-Dienste schnell einrichten (Bildquelle: GIGA).
Das Fairphone 4 kann man dank der Google-Dienste schnell einrichten (Bildquelle: GIGA)

Bei den Hintergrundbildern habt ihr immer dasselbe abstrakte Design zur Auswahl, lediglich in verschiedenen Farben. Alles in allem hält sich Fairphone bei dem Smartphone sehr zurück und überlässt es den Nutzerinnen und Nutzern, wie sie das Menü ihres Handys gestalten wollen und welche Apps sie installieren.

Zu dem Betriebssystem selbst: Das Fairphone 4 ist ab Werk mit Android 11 ausgestattet, ein Update auf Android 12 steht zum Zeitpunkt des Tests noch nicht zur Verfügung. Jedoch verspricht Fairphone hierfür regelmäßige Updates für 5 Jahre. Will man sein Smartphone länger nutzen, muss man sich da also keine Sorgen machen und kann das Fairphone regelmäßig auf den neuesten Stand bringen.

Welche Neuerungen mit Android 12 kommen, erfahrt ihr in diesem GIGA-Artikel:

Reaktionsschnell dank starkem Prozessor

Im Fairphone ist als System-on-a-Chip (SoC) der Snapdragon 750G von Qualcomm verbaut. Das SoC ist etwas älter und war bei Release des Fairphone 4 schon über ein Jahr in anderen Geräten verbaut. Nutzt man das Fairphone tatsächlich viele Jahre wird der Hersteller früher oder später zwangsläufig auf veraltete Treiber für das Gerät zurückgreifen müssen. Die Leistung ist im Alltag dennoch hinreichend: So werden Apps schnell heruntergeladen und geöffnet, dasselbe bei dem über 136-seitigen Nachhaltigkeitsbericht von Samsung.

Während der Prozessor für sich genommen einen guten Eindruck macht, ist die Zusammenarbeit mit dem Display nicht immer einwandfrei. Die Eingabeverzögerung scheint hoch, trotz „nur“ Full-HD+-Auflösung (2.340 x 1.080 Pixel), eindeutig ein Effekt des 60 Hz-Displays und der verwendeten LCD-Technik, die zu hohen Eingabeverzögerungen und Schlieren bei Bewegungen führt. Auch Handy-Spiele sind wegen Verzögerungen im Gameplay im Nachteil. Ein Smartphone für anspruchsvolles Gaming bekommt man hier nicht.

Das Display ist angemessen scharf, die Farben jedoch nicht sonderlich blickwinkelstabil. Schaut man näher hin, sind bei Bildern mit kräftigen Farben einzelne Abstufungen leicht erkennbar, das ist im Alltag jedoch nicht störend.

Zu erwähnen ist zudem, dass das Display des Fairphone 4 an der Oberseite über einen V-förmigen Notch verfügt, also eine Einkerbung für die Frontkamera. An die Aussparung gewöhnt man sich aber schnell.

An den V-Notch gewöhnt man sich schnell (Bildquelle: GIGA).
An den V-Notch gewöhnt man sich schnell (Bildquelle: GIGA)

Umständliches und unverständliches Telefonieren

Die Audioqualität des Fairphone 4 sticht nicht sonderlich hervor. Ist man die Audioqualität von Smartphones gewohnt, wird man von dem Fairphone 4 nicht überrascht, typischerweise fehlt es den Tönen an Volumen. Zudem kann das Smartphone Lautstärke nicht gut dämmen. Hört man Musik auf voller, aber nicht ohrenbetäubender Lautstärke, vibriert das ganze Smartphone mit.

Auch bei Telefonaten fällt der Ton nicht positiv auf. Die Stimme meiner besten Freundin klingt eher schwach, dasselbe gilt auch für mein Gegenüber: Als ich während des Telefonats den Ton auf Lautsprecher gestellt und das Handy ein paar Zentimeter weggelegt habe, konnte sie mich nicht mehr verstehen. Die Mikrofonqualität lässt da wirklich zu wünschen übrig.

Kamera: Da geht noch viel mehr

Kommen wir zum Schluss noch zu der Kamera. Bei dieser setzt Fairphone keine neuen Standards, vielmehr müssen wir bei der Kameraleistung die meisten Abstriche machen. Das Smartphone benötigt für gute Bilder gute Lichtverhältnisse, da sonst die Qualität stark abnimmt. Gerade die Frontkamera ist enttäuschend: Selbst wenn ich bei Tageslicht direkt vor dem Fenster stehe, überzeugen die Fotos nicht. Dagegen macht die Rückkamera in Innenräumen eine bessere Figur.

In Innenräumen bekommt man mit dem Fairphone 4 bei guten Lichtverhältnissen brauchbare Bilder (Bildquelle: GIGA).
In Innenräumen bekommt man mit dem Fairphone 4 bei guten Lichtverhältnissen brauchbare (Bildquelle: GIGA)

Das Fairphone 4 schraubt stark an den Kontrasten und der Schärfe, wodurch die Farbgebung bei den Aufnahmen unrealistisch wird. Vor allem bei Nahaufnahmen wird das deutlich. Hier lässt sich nur schwer auf einen Punkt fokussieren und die Umgebung wirkt nicht unscharf, sondern verwaschen. Für einen besseren Vergleich habe ich Bilder mit dem Honor 50 aufgenommen.

Mit dem Fairphone 4 ist Fokussieren schwierig (Bildquelle: GIGA).
Mit dem Fairphone 4 ist Fokussieren schwierig (Bildquelle: GIGA)
Der Vergleich zum Honor 50 zeigt, wie stark das Fairphone 4 die Farben bearbeitet (Bildquelle: GIGA).
Der Vergleich zum Honor 50 zeigt, wie stark das Fairphone 4 die Farben bearbeitet (Bildquelle: GIGA)

Reizt man andererseits den 8-fachen digitalen Zoom aus, kommt das Fairphone 4 sichtbar an seine Grenzen und man bekommt verwackelte Bilder mit starkem Bildrauschen, selbst wenn man das Smartphone weitgehend ruhig hält.

Im maximalen Zoom kann man nur schwer Bilder aufnehmen (Bildquelle: GIGA).
Im maximalen Zoom verstärkt sich das Bildrauschen beim Fairphone 4 deutlich (Bildquelle: GIGA)
Das Honor 50 macht im maximalen Zoom zwar keine perfekten Bilder, dennoch ist der Unterschied zum Fairphone 4 deutlich (Bildquelle: GIGA).
Das Honor 50 macht im maximalen Zoom zwar keine perfekten Bilder, dennoch ist der Unterschied zum Fairphone 4 gewaltig (Bildquelle: GIGA)

Zum Schluss noch ein Punkt, der mir auffiel: Bei Videoaufnahmen zieht die Kamera nach. Das heißt, wenn ich ein Video aufnehme und die Kamera bewege, werden die Bilder verzögert aufgenommen. Im aufgenommenen Video selbst merkt man später davon zwar nichts, für mich als Aufnehmende ist das dennoch sehr verwirrend.

Wer also nach einem Handy sucht, das die Investition in eine extra Kamera erspart, sollte um das Fairphone 4 einen Bogen machen.

Nachhaltig – so gut es geht

Fairphone hat wie üblich darauf geachtet, dass die zur Produktion verwendeten Materialien fair und nachhaltig abgebaut wurden – zumindest, soweit das möglich ist. So gibt der Hersteller unter anderem auf seiner Website an, vollständig recyceltes Zinn zu nutzen, ebenso ist der Plastikanteil zu 50 Prozent recycelt. Beim für den Akku genutzten Lithium wurde darauf geachtet, dass das Material in von der IRMA (Initiative for Responsible Mining Assurance) zertifizierten Bergbaustandorten abgebaut wird. Die Organisation untersucht weltweit verschiedene Lithium-Standorte und kontrolliert deren soziale und ökologische Standards.

Zu viele Kompromisse?

Als ich das Shiftphone getestet habe, ließ ich bereits mit anklingen, dass ich während des Test in einem kleinem Dilemma gesteckt habe, das hat sich bei dem Fairphone 4 wiederholt: Es fühlt sich gut an, ein nachhaltiges Smartphone zu nutzen. Aber dennoch muss man für einen hohen Preis viele Kompromisse eingehen, sei es der fehlende Spielspaß oder die schlechte Kameraqualität.

„Built to last.“ – Dank seiner modularen Bauweise ist das Fairphone 4 für lange Zeit nutzbar (Bildquelle: GIGA).
„Built to last.“ – Dank seiner modularen Bauweise ist das Fairphone 4 für lange Zeit nutzbar (Bildquelle: GIGA)

Mir persönlich liegt Nachhaltigkeit am Herzen, dennoch habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, auf was ich wirklich verzichten kann und will. Ich möchte mit diesem Abschnitt gar nicht den moralischen Zeigefinger heben, sondern vielmehr betonen, dass es auch völlig okay ist, einen gewissen Anspruch an ein Smartphone zu haben, vor allem bei einem relativ hohen Preis. Nur zur Einordnung: Das OnePlus Nord CE 5G hat vergleichbare oder bessere Leistung, ist kleiner und leichter, hat ein deutlich besseres Display, eine Klinkenbuchse und längere Akkulaufzeit – und das bei rund der Hälfte des Straßenpreises. Für das gute Gefühl der Nachhaltigkeit muss man hier einen üppigen Aufschlag zahlen.

Keine Frage, Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen sind ein nicht zu unterschätzenden Statement in einer Branche, deren Hersteller teilweise im Monatstakt neue Geräte auf den Markt werfen und damit im Gros eine Wegwerfmentalität bedienen. Löblich ist auch, dass das Fairphone 4 leicht zu reparieren ist und eine lange Versorgung mit Updates verspricht. Die Firma hinter dem Gerät sagt richtigerweise, dass das nachhaltigste Smartphone eines ist, dass gar nicht erst gekauft wird, eben weil man dessen Vorgänger länger nutzen kann.

Allerdings muss in dem Zusammenhang die Frage gestattet sein, wie nachhaltig ein Smartphone ist, dass im Alltag schon zum Release nicht mehr als ein „Utility“ ist, das bereits jetzt nur das Mindestmaß an Leistung bringt, dass man im Jahr 2022 erwarten kann. Spaß macht das Fairphone 4 ehrlicherweise nicht und in 4 oder 5 Jahren wird das erwartbar noch weniger der Fall sein. Ist es da verwerflich, zu einem anderen Smartphone zu greifen, das in der Produktion weniger nachhaltig ist, mit dem man aber lange Freude haben wird? Zumal Hersteller wie Apple, Google und Samsung mittlerweile auch eine lange Updateversorgung versprechen? Diese Frage muss jede und jeder für sich selbst beantworten.

Falls ihr euch ein Fairphone zulegen möchtet, habt ihr die Wahl zwischen dem Modell mit 128 GB internen Speicher und 6 GB RAM für 579 Euro und dem mit 256 GB internen Speicher und 8 GB RAM für 649 Euro (Preise gelten exklusive Versandkosten). Während ihr bei Ersterem lediglich ein graues Fairphone erhaltet, bekommt ihr die 8-GB-Version entweder in Grün oder Grün gesprenkelt. So oder so könnt ihr euer Smartphone mit einer Schutzhülle in Grau, Grün und Pastellrot aufhübschen.

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Preis kann jetzt höher sein. Preis vom 17.05.2022 20:06 Uhr

Wertungen und technische Daten

GIGA-Testwertung im Detail: Fairphone 4

KategorieWertung (max. 10)
Nachhaltigkeit9
Verarbeitung, Haptik und Design6
Display5
Kameras3
Software5
Performance6
Telefonie und Audio5
Speicher9
Akku und Alltag7
Gesamt6.1

Spezifikationen: Fairphone 4

BetriebssystemAndroid 11 (Updates bis 2025)
Display6-Zoll-FHD+-Display / LCD / 2.160 x 1.080 / 60 Hz
ProzessorSnapdragon 750 G
RAM6 bis 8 GB
Interner Speicher128 bis 256 GB (erweiterbar)
Kamera25 MP Frontkamera / 48 MP Hauptkamera / 12 MP Ultraweitwinkel + Makro
Akku3.905 mAh (kabelgebunden)
BesonderheitenNFC, Fingerabdrucksensor