Blizzard-Präsident entschuldigt sich für Hong Kong-Vorfall

Daniel Nawrat 10

Der umstrittene Bann von Hearthstone-Profi blitzchung führte zu einem Boykott von Blizzard, scharfer Kritik von US-Politikern und dem Verlust eines wichtigen Sponsor. Nun meldet sich Blizzard-Präsident J. Allen Brack zu Wort. 

Update vom 04. November 2019 um 12:38 Uhr

Vor der Eröffnungszeremonie der Blizzcon, sprach Blizzard-Präsident J. Allen Brack die harte Bestrafung des Hearthstone E-Sport-Profi Chung “Blitzchung“ Ng Wai an und entschuldigte sich für Blizzards Fehltritt.

„Wir haben diese Entscheidung zu schnell getroffen und es noch schlimmer gemacht, indem wir zu langsam gehandelt haben, um mit euch darüber zu reden. Wir haben unsere hohen, selbst gesetzten Standards nicht erfüllt.“

Brack entschuldigt sich daraufhin bei allen Betroffenen und sagt nachdrücklich, dass er sich seiner vollen Verantwortung bewusst ist.

Update vom 31. Oktober 2019 um 12:22 Uhr

Wie die meisten Sportübertragungen sind auch Hearthstone-Turniere auf Sponsoren angewiesen. Dazu gehörte in der Vergangenheit unter anderen Mitsubishi Motors Taiwan. Nach dem heftig kritisierten Bann des Hongkonger Profis blitzchung hat das Unternehmen jedoch die Zusammenarbeit beendet.

Mitsubishi Motors entschied sch zu diesem Schritt bereits am 10. Oktober, zwei Tage nach blitzchungs Bann. Bereits damals wurde das fehlende Logo von aufmerksamen Usern auf Reddit bemerkt. Von offizieller Stelle gab es diesbezüglich jedoch keine Stellungnahme. Erst jetzt, wurde das Ende der Partnerschaft durch The Daily Beast bestätigt.

Update vom 21. Oktober 2019 um 15:40 Uhr

Blizzard im Verbannungswahn: US-Senatoren schreiten ein

Immer mehr Hearthstone-Spieler werden von Blizzard aus dem Turnierbetrieb verbannt. Nun schalten sich US-Senatoren ein und übernehmen den Fall.

Bobby Kotick, CEO von Activision Blizzard, wird demnächst unangenehme Post in seinem Briefkasten vorfinden. Denn die Senatoren der Vereinigten Staaten, Ron Wayden und Marco Rubik, unterzeichneten am Freitag einen parteiübergreifenden Brief, der sich an die jüngsten Suspendierungen des Professionellen Hearthstone-Spielers Chung “Blitzchung“ Ng Wai wendet.

„Wir schreiben, um unsere tiefe Besorgnis über die Entscheidung von Activision Blizzard zum Ausdruck zu bringen, den Spieler Chung Ng Wai zum Verzicht seines Preisgeldes zu zwingen und ihn für eine Jahr zu verbieten an Turnieren teilzunehmen. Nur weil er sich für pro-demokratische Proteste in Hong Kong ausgesprochen hat. Diese Entscheidung ist besonders beunruhigend angesichts des wachsenden Appetit der chinesischen Regierung amerikanische Unternehmen unter Druck zu setzten, um die freie Meinungsäußerung zu verhindern.“

Mit Unterstützung der Repräsentanten Alexandria Ocasio-Cortez, Mike Gallagher und Tom Malinowski fordern sie Kotick auf, „Die Entscheidung in Bezug auf Herrn Chung zu überdenken.“.

Blizzard-Präsident Jay Allen Brack verkündete letzte Woche, dass die Suspendierung von Chung auf nur sechs Monate reduziert wird und ihm das Preisgeld nun doch zusteht, das Blizzard ursprünglich zurückgehalten hatte.

Trotz alledem, wird Blizzard weiterhin beschuldigt freie Meinungen aus Profitgründen zu unterdrücken.

Update vom 17. Oktober, 13:42

Bei den Hearthstone Collegiate Championships zeigte das Team gegen Ende eines Matches ein Schild mit der Aufschrift: „FREE HONG KONG, BOYCOTT BLIZZ“. Den entsprechenden Videoausschnitt findet ihr hier.

Noch bevor Blizzard reagierte, beendeten die Spieler GiantDwarf, TJammer und Xcelsior ihre Turnierteilnahme und wollen auch in Zukunft Spiele von Blizzard meiden. Da für die Drei zunächst keine Strafe erfolgte, warfen sie laut USgamer Blizzard Heuchelei vor. Nun sprach Blizzard aber doch einen sechs-monatigen Ban von allen Hearthstone-Turnieren aus. Spieler Xcelsior teilte die Mail mit dem Ban sogar auf Twitter und freute sich, da Blizzard zumindest hier alle Spieler gleich behandelt:

,,Ich freue mich verkünden zu können, dass das Hearthstone-Team sechs Monate von Turnieren ausgeschieden sind. Auch wenn es etwas verspätet kommt, freue ich mich dass alle gleich behandelt werden und keiner über den Regeln steht.“

Nach dem Ban von Blitzchung reihten sich die Drei schnell unter den Unterstützern ein. Außer der offiziell ausgesprochenen Strafe (nachzulesen unter dem Punkt „Rulings“) hat Blizzard noch kein Statement zu dem Vorfall veröffentlicht.

Nach Boykott: Blizzard sagt kurzfristig großes Launch-Event ab

#BoycottBlizzard stürmt Twitter, Fans drehen den Hahn für ihr World-of-Warcraft-Abo zu oder deinstallieren gleich den gesamten Battle.net-Launcher. Seitdem ein chinesischer Hearthstone-Spieler wegen einer politischen Äußerung gebannt wurde, gehen viele Spieler auf die Barrikaden. Jetzt könnte Blizzard sogar ein Event deswegen abgesagt haben.

Die Schlagzeilen um Blizzard scheinen kein Ende zu nehmen. Eigentlich hätte am 16. Oktober 2019 das Launch-Event zu der Switch-Version von Overwatch stattfinden sollen, dieses wurde von Blizzard jedoch kurzfristig abgesagt. Diese Information teilte Nintendo ihren Fans kürzlich auf Twitter mit:

„Bitte beachtet, dass das bereits angekündigte Overwatch-Launch-Event, Mittwoch den 16.10. im NintendoNYC, von Blizzard abgesagt wurde. Wir entschuldigen uns für die dadurch verursachten Unannehmlichkeiten.“

Seitens Blizzard gibt es derzeit noch kein offizielles Statement dazu. Es dauerte natürlich nicht lang, bis enttäuschte Fans sich ihre eigenen Theorien dazu zurechtlegten. Die meisten vermuten in der Absage eine Maßnahme der präventiven Schadensbegrenzung. Blizzard ist sich bewusst, dass sie momentan im Kreuzfeuer der Kritik stehen.

Möchten sie dieser Kritik nun aus dem Weg gehen, indem sie Events wie den Launch von Overwatch auf der Switch einfach absagen? Ob das tatsächlich der Grund ist, bleibt zum aktuellen Zeitpunkt natürlich reine Spekulation. Dennoch bleibt es auch spannend abzuwarten, ob sich die aktuellen Ereignisse womöglich auf die bald stattfindende BlizzCon 2019 auswirken werden. Was denkt ihr über die Sache? Was wäre euer Meinung nach die richtige Herangehensweise?

Update vom 15. Oktober 2019 um 13:13 Uhr

Müssen Profispieler unpolitisch sein? Oder dürfen sie ihre politische Meinung in einem offiziellen Stream äußern? Nachdem Hearthstone-Profispieler Blitzchung während eines öffentlichen Turniers Freiheit für Hongkong forderte, wurde er von Blizzard gebannt. Auch sein Preisgeld sollte er nach seinem Sieg nicht erhalten. Seit Tagen gehen Fans aus der Community, Spieler und Blizzard-Angestellte auf die Barrikaden, boykottieren den Entwickler mit dem Hashtag #BoycottBlizzard auf Twitter und kündigen ihre WoW-Abonnements.

Zu recht? Die Community beschuldigt Blizzard und Activision, ihre Beziehungen zu China habe die Entscheidung beeinflusst. Blizzard antwortete mit einem Statement und erklärt, der Bann sowie die Strafe für Blitzchung hätten nichts mit Unternehmenspolitik zutun, sondern liegen allein einer Regelverletzung zugrunde: Keine politischen Äußerungen während offizieller Streams und Turniere. Im selben Atemzug gesteht Blizzard dem Profispieler doch noch sein Preisgeld zu und mildert den Bann auf 6 Monate.

Blitzchung hat sich inzwischen zu Wort gemeldet und akzeptiert die geminderte Strafe:

Blizzard hat mir mitgeteilt, dass es ihrer Meinung nach nicht um den Preis geht, sondern darum, dass es für einige respektlos sein könnte, das Thema überhaupt anzuschneiden. Die Leute von Blizzard haben mir das über einen Anruf erklärt und ich schätze das wirklich sehr und akzeptiere ihre Entscheidung.

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Update vom 14. Oktober 2019 um 12.34 Uhr

Boykott gegen Blizzard und Activision: Das steckt hinter dem Shitstorm

Der Spielerschaft scheint es überhaupt nicht zu schmecken, dass Blizzard den Profispieler Blitzchung wegen seiner Aussage zu den Protesten in Hongkong gesperrt hat. Dies zeigt sich vor allem auf reddit – zeitweise war dort das Blizzard Subreddit auf privat gestellt, wie Eurogamer berichtete. Inzwischen scheint die Umstellung aber wieder rückgängig gemacht worden zu sein.

Viele Fans sind derartig verärgert, dass sie zum Boykott sämtlicher Spiele aus dem Hause Blizzard und Activision aufrufen. Glaubt man den zahlreichen Posts im Hearthstone Subreddit, so haben bereits viele damit begonnen und ziehen außerdem im großen Stil über das Unternehmen her.

Zahlreiche Spieler kündigen ihre World of Warcraft-Abonnements und deinstallieren den Battle.net-Launcher. Andere haben ihren Account gleich vollständig gelöscht – oder es zumindest versucht, denn offenbar verhindert Blizzard aktuell das Löschen von Konten, indem sämtliche Authenticator deaktiviert wurden. Einem Bericht von Polygon zufolge sei das Löschen des eigene Account mittlerweile wieder möglich.

„Jetzt hat Blizzard alle vier Authentifizierungsmethoden deaktiviert, um Personen daran zu hintern ihre Konten zu löschen. Das ist mehr als ekelhaft. Macht darauf aufmerksam.“

Auch Kartenspiellegende Brian Kibler, der in den vergangenen Jahren als Kommentator der Grandmaster-Turniere zuständig war, hat seine Zusammenarbeit mit Blizzard aus Protest beendet.

Blizzard hat inzwischen ein Statement veröffentlicht, in dem das Unternehmen Bezug auf das negative Feedback nimmt und auch die ausgestellten Banns nachträglich reduziert. Auf die miese Stimmung in der Community hatte die Stellungnahme bislang jedoch kaum einen positiven Effekt, im Gegenteil.

Es geht aber auch anders. So haben die Entwickler von Gods Unchained, einem weiteren digitalen Kartenspiel, dem gesperrten Spieler ein äußerst attraktives Angebot unterbreitet:

„.@Blizzard_Ent hat gerade @blitzchungHS gebannt und seine Hearthstone-Gewinne einbehalten, weil sie sich mehr um Geld als um Freiheit kümmern. Wir werden für all seine verlorenen Gewinne und ein Ticket für unser 500.000 $-Turnier bezahlen: kein Spieler sollte für seinen Glauben bestraft werden.“

In besagtem Tweet bieten sie Blitzchung nämlich an, dass sie für alle seine Verluste der Preisgelder aufkommen würden. Als wäre das nicht genug, haben sie ihn zusätzlich zu ihrem eigenen Turnier eingeladen. Dort besteht ebenfalls die Chance, 500.000 Dollar zu gewinnen! Es bleibt also definitiv spannend abzuwarten, wie sich die Situation weiterhin entwickelt.

Das steckt hinter dem Boykott gegen Blizzard und Activision

Anfang Oktober fanden in Taipei die Hearthstone Grandmasters Asien-Pazifik statt. Dort trifft die Elite aus Hearthstone aufeinander und kämpft um eine Chance auf die Teilnahme an den Global Finals. In diesem Finale treten gegen Ende des Jahres dann die zwei besten Spieler der jeweiligen Regionen gegeneinander an und wetteifern um ein Preisgeld in Höhe von 500.000 Dollar.

Der Hearthstone-Profi blitzchung, mit bürgerlichem Namen Wai Chung Ng, ist am Ende seines Matches im Interview mit einer Maske aufgetreten und hat „Befreit Hongkong. Revolution unseres Zeitalters!“ gerufen, wie Kotaku berichtet. Damit spielt er auf die aktuelle politische Lage in der Stadt und die dort seit Monaten stattfindenden Proteste an. Daher auch die Maske, da diese inzwischen zum Symbol der Proteste geworden ist.

Im folgenden Tweet seht ihr was genau während des Interviews passiert ist:

„Hearthstone-Spieler @blitzchungHS fordert Freiheit für sein Land in einem Interview nach einem Turnier.“

Kurz nach dem Ereignis hat Blizzard ein offizielles Statement veröffentlicht. Dort äußern sie sich sehr deutlich zu dem Vorfall und verweisen insbesondere auf das Regelwerk der Hearthstone Grandmasters. Auf Seite 12, Absatz 6.1 (o) heißt es dort:

Engaging in any act that, in Blizzard’s sole discretion, brings you into public disrepute, offends a portion or group of the public, or otherwise damage’s Blizzard image will result in removal from Grandmasters and reduction of the player’s prize total to $0 USD, in addition to other remedies which may be provided for under the Handbook and Blizzard’s Website Terms.

Übersetzt bedeutet das also folgendes: Jegliches Verhalten, das beispielsweise ein öffentliches Ärgernis nach sich zieht oder das Image von Blizzard schädigt, in einem sofortigen Ausschluss von den Hearthstone Grandmasters resultiert. Zusätzlich werden sämtliche Preisgelder gestrichen. Je nach Ausmaß der Tat, können außerdem weitere Strafen folgen.

Update: Inzwischen hat Blizzard ein Statement veröffentlicht, um auf das negative Feedback der Community zu reagieren. Das Unternehmen gibt bekannt, dass die gestrichenen Preisgelder doch noch ausgezahlt werden und der Bann der betroffenen Personen auf sechs Monate reduziert wird.

Skandale und Boykottaufrufe in der Gaming-Welt gibt es nicht erst sei 2019:

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Die größten Shitstorms und Skandale 2017

In diesem Fall scheint Blizzard diesen Vorfall sehr ernst genommen zu haben, da sie ihn zusätzlich für ein weiteres Jahr von allen stattfindenden Turnieren gesperrt haben – genauer gesagt bis zum 5. Oktober 2020. Blizzards eigener Aussage nach nehmen sie die Turnierregeln sehr ernst, zumal es sich um die höchste Stufe der kompetitiven Hearthstone-Szene handelt.

Nicht nur Spieler kritisieren Blizzard

Der Vorwurf gegen Activison Blizzard, dem Unternehmen sei der chinesische Markt wichtiger als das Recht auf freie Meinungsäußerung, wird auch von einigen Mitarbeitern des Unternehmens geteilt. So haben einige Angestellte von Blizzard aus Protest zwei der acht Core Values vor dem Gebäude des Unternehmens verdeckt.

„Nicht jeder bei Blizzard stimmt dem zu was passiert ist. Sowohl die Werte „Think Globally“ als auch „Every Voice Matters“ wurden heute Morgen von verärgerten Mitarbeitern abgedeckt.“

Konkret handelt es sich um die Inschriften „Every Voice Matters“ sowie „Think Globally“ - also jenen Werten, denen Blizzard aus Sicht vieler Kritiker in der aktuellen Situation nicht gerecht wird.

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