Bis zum heutigen Tage streamt das US-Militär auf mehreren Twitch-Kanälen eSports und Shooter wie Call of Duty: Warzone, im Hintergrund des Streamers seltsam-fröhlich anmutende Fotos aus Kriegsgebieten. Das Rekrutieren über Videospiel-Plattformen und eSports soll allerdings ein Ende haben – zumindest, wenn jene neue Maßnahme in Kraft tritt.

 

Call of Duty: Warzone

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Call of Duty: Warzone

Die US-Politikerin und Aktivistin Alexandria Ocasio-Cortez hat Vice zufolge eine Maßnahme eingereicht, die das US-Militär zukünftig daran hindern soll, über Twitch, Live-Streams, Videospiel-Events und eSports junge Rekruten anzuwerben. Momentan gibt es mehrere Twitch-Kanäle von diversen US-amerikanischen Soldaten-Gruppen, darunter auch der offizielle eSport-Account der US Army.

Vor einigen Tagen haben wir außerdem berichtet, dass auf diesem Kanal Fake-Gewinnspiele liefen, die Gaming-Zubehör versprachen – stattdessen aber einzig zu jener Seite verwiesen, auf der sich neue Rekruten für die US Army anmelden können.

Ob der Gesetzesentwurf allerdings durchgeht – und wie lang das dauern wird – kann noch nicht abgesehen werden.

Ursprüngliche Nachricht vom 16. Juli 2020, 16:13 Uhr

US-Militär legt Spieler auf Twitch mit Fake-Gewinnspielen herein

Gestern erst haben wir über einen Twitch-Channel vom US-Militär berichtet, auf dem Streamer und ehemalige Soldaten Shooter spielen und dabei recht offensichtlich für die Armee werben. Wie das Magazin The Nation berichtet, wurden dabei in Vergangenheit wohl auch Gewinnspiele eingesetzt, die durch den Chat liefen und Spiele-Controller oder anderes versprachen. Hat der Nutzer auf den Link geklickt, wurde er allerdings nicht zum Gewinnspiel weitergeleitet – sondern zu jener Seite, auf der man sich bei der US-Armee bewerben kann.

Wie Kotaku berichtet, habe sich Twitch gemeldet und bestätigt, dass sie die Gewinnspiele entfernen werden. Klar ist aber wohl, dass die nicht erst seit dieser Woche durch die Chats schleichen; vielmehr wurden sie erst seit dieser Woche publik gemacht.

Ursprüngliche Nachricht vom 16. Juli 2020, 16.25 Uhr

Das US-Militär zockt schon eine Weile auf Twitch

Anfang der 2000er versuchte es die US-Armee mit dem eigenen kostenlosen Shooter Americas Army, heute gibt es eSport-Turniere und Twitch-Channel, die realen Krieg und Videospiel auf eine Ebene bugsieren wollen: Der Twitch-Channel USArmyEsports ist täglich online mit eSportlern Schrägstrich Soldaten, die sich in Team-Shootern beweisen; im Chat derweil werden die Zuschauer angeworben, sich doch mit der Armee näher zu befassen.

Auf den ersten Blick wirkt das Ganze wie ein recht normaler Warzone- oder Overwatch-Stream, aber im Hintergrund des Streamers sind neben Gaming-Goodies auch reale Erinnerungsfotos aus Kriegsgebieten zu sehen, er selbst in voller Army-Uniform, während er glücklich in die Kamera winkt. Auf den Twitch-Channels der US-Armee oder auch einer Gruppe von Air-Force-Soldaten verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Videospiel; etwas, das Erwachsene sicherlich auseinanderhalten können – minderjährige Zuschauer aber?

Wird die Wikipedia-Seite über US-amerikanische Kriegsverbrechen in den Twitch-Chat der US-Armee gepostet, gibt es einen Bann: So berichtet ein Journalist des Magazins The Nation in seinem Artikel zum Thema. Dabei zitiert er auch Hart Viges, ein ehemaliger Soldat und jetziger Pazifist „Sie sprechen nicht über Vergewaltigungen im Militär. Sie sprechen nicht über die Selbstmordrate. Was sie sagen ist meistens nur,'Wir können deine Schule bezahlen. Du kannst deinem Land dienen.‘

Während vor Jahrzehnten hier und anderorts noch mit Ehre und Mut geworben wurde, sind jetzt Videospiele an der Reihe, um mit ihnen jene für die Armee zu begeistern, die vornweg kein Interesse daran hatten. Eines ist jedenfalls klar: Wer Warzone oder Apex Legends in Echt erleben will, wird ohne Frage mit dem Eintritt in die Armee enttäuscht werden – wenn nicht sogar schlimmeres.

Marina Hänsel
Marina Hänsel, GIGA-Experte für Horror, RPGs, Dead By Daylight und Minecraft.

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