Praktisch alle großen Autohersteller setzen für die Zukunft auf das E-Auto, wenn auch mit unterschiedlicher Konsequenz. Eine entscheidende Herausforderung für den Erfolg von Elektroautos ist aber noch ungeklärt: Ihnen steht der Strommix im Weg.

 

ADAC

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Update vom 22. Juni 2021: Eine Gruppe Forscher kommt nun zum gleichen Ergebnis wie der ADAC: E-Autos sind kaum besser als moderne Verbrenner, solange sie nicht mit regenerativ gewonnenem Strom angetrieben werden. „Die Frage ist nicht: Elektroauto oder Verbrenner. Die Frage ist: fossil oder nicht“, zitiert Die Zeit Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) aus einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur. Gemeinsam mit rund 170 Kollegen aus aller Welt wirft er der Politik in der EU vor, sich verrechnet zu haben: Der Beitrag von E-Autos zum Schutz des Klimas beruhe auf der Annahme, dass künftig bedeutend mehr Ökostrom genutzt wird. Doch danach sieht es laut einem offenen Brief der Wissenschaftler an die EU-Kommission nicht aus.

Originalartikel:

Auf den Strom kommt es an: E-Autos sind Verbrenner auf Umwegen

Dass bei der Produktion von E-Autos deutlich mehr Emissionen anfallen als bei Diesel und Benzinern, ist weithin bekannt. Es wurde und wird immer noch gerne von Gegnern des elektrischen Fahrens als Totschlag-Argument herbeigezogen, wann immer es darum geht, Verbrennungsmotoren zu verteidigen.

Wie gut sind E-Autos für die Umwelt also wirklich? Die kurze Antwort: Nur so gut, wie der Strom, mit dem sie geladen werden, wie der ADAC in einem Bericht offenlegt und mit Zahlen untermauert, die ein deutliches Bild zeichnen.

Demnach dauert es nach dem Erwerb eines Elektroautos im Schnitt 8,5 Jahre bzw. 127.500 km, bis man damit weniger Emissionen „erfahren“ hat, als ein aktueller Benziner ausstößt. Im Vergleich zum Diesel amortisiert sich das E-Auto sogar erst nach 14,6 Jahren oder etwa 219.000 km.

Im Video: Häufige Irrtümer über Elektroautos.

5 Irrtümer über Elektroautos

ADAC: E-Autos brauchen die Energiewende

Was den E-Autos ihre Klimabilanz versaut, ist, wo der Strom herkommt. Nur in den seltensten Fällen werden E-Autos mit ausschließlich regenerativ erzeugtem Strom angetrieben. Stattdessen kommt in Deutschland der Strom-Mix immer noch zu großen Teilen aus Kohlekraftwerken. Das macht Elektroautos letztlich zu Verbrennern auf Umwegen. Werden Stromer hingegen regenerativ geladen, schlagen sie Benziner und Diesel schon deutlich früher, nämlich ab 37.500 bzw. 40.500 km.

Der ADAC kommt zu dem Fazit, es brauche nicht bloß den Umstieg zum elektrisch betriebenen Automobil, sondern die vollständige Energiewende. Dann würden sich Elektroautos an die Spitze setzen. Bis dahin bleibt ein praktisch ungenutzter Antrieb führend im Bezug auf die Emissionsbilanz: Den geringsten Ausstoß über den gesamten Lebenszyklus inkl. Produktion haben aktuell Autos mit Erdgasantrieb. Erst bei 100 Prozent grünem Strom können E-Autos an ihnen vorbeiziehen.

Einen allgemeinen Vorteil haben zudem kleinere E-Autos, weil sie weniger verbrauchen. Der Trend geht allerdings zu immer größeren Wagen, denen sogar Fahrverbote drohen könnten.