In einem Interview rund um die Zukunft von Huawei stellte sich Konzerngründer Ren Zhengfei den Fragen. Eine achtlose Bemerkung, die eigentlich als Witz gedacht war, zeigte dabei das große Dilemma des Unternehmens – und warum es für den Handy-Hersteller aktuell so schwierig ist.

„Betrunkene und kleine Kinder sagen immer die Wahrheit“, heißt es. Nun ist Ren Zhengfei mit seinen 75 Jahren kein Kind mehr. Dass der Huawei-Gründer beim Interview mit der South China Post betrunken war, dürfte ebenfalls eher unwahrscheinlich sein. Trotzdem rutschte dem sonst so eloquenten Unternehmer versehentlich die Wahrheit heraus – in Form eines Witzes.

Huawei-Chef: Können Android und iOS in 300 Jahren Jahren überholen

Im Hinblick auf die vorherrschende Stellung, die Android und iOS auf dem Smartphone-Markt inne haben, erklärte Zhengfei, dass Huawei ein „Nachzügler“ sei und es sehr schwierig werde, die beiden Platzhirsche zu überholen. „Es könnte eine lange Zeit dauern, aber nicht länger als 300 Jahre“, so der Huawei-Boss augenzwinkernd.

Was offensichtlich als Witz gemeint war, enthält aber mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit und zeigt das essenzielle Problem, vor dem Huawei aktuell steht. Smartphone-Nutzer haben sich an Android und iOS gewöhnt. Die Betriebssysteme von Google und Apple sind ausgereift, bieten hunderttausende Apps für jeden noch so kleinen Einsatzzweck, stellen die Grundlage für mobiles Bezahlen und vieles weitere mehr. Selbst Microsoft hat es mit unzähligen Milliarden US-Dollar nicht geschafft, eine ernstzunehmende, dritte Alternative zu werden. Vor dieser Herausforderung steht jetzt auch Huawei, das ein eigenes Ökosystem aufbauen muss.

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Huawei will weiter mit Google zusammenarbeiten

Vor den US-Sanktionen, so Ren Zhengfei, habe man eine „sehr freundliche“ Zusammenarbeit mit Google gehabt. Das eigene HarmonyOS sei auch nicht als Android-Alternative konzipiert worden, versichert der Huawei-Chef. Vielmehr sei das System nur eine Option, falls man in Zukunft nicht weiter auf das Betriebssystem zugreifen kann. Die diplomatischen Worte zeigen, dass Huawei offenbar noch immer hofft, in Zukunft wieder mit Google zusammenarbeiten zu können.

Kaan Gürayer
Kaan Gürayer, GIGA-Experte für Smartphones, Tablets und Smartwatches.

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