Kinos galten schon 2021, mitten in der Pandemie, als vom Aussterben bedroht. Doch wie Unkraut vergeht auch die Lust am cinematischen Entertainment nicht. Ein Sprung ins Jahr 2042 zeigt, wie sich das Medium mal wieder neu erfand – und warum der Zauber der Leinwand auch in Zukunft noch wirkt. 

„Then I said to my wife, ‘For justice, we must go to Don Corleone.'“ – Ich bin glückselig, ich komme gerade aus dem Kino. Was daran besonders sein soll, fragt ihr? Es war ein klassischer Kinosaal. Ja, richtig mit Sitzreihen, wohlriechendem und -schmeckendem Popcorn, mit einem Projektor und einer Leinwand, von der ich einige Meter entfernt saß.

Ich sah, wie Marlon Brando mit Watte in den Backen eine seiner ikonischsten Rollen spielte, wie ein blutjunger Al Pacino zum mächtigsten Mafia-Paten von New York aufstieg. Und das sah ich alles ohne Stress, ohne Hektik. Denn ihr wisst ja, die eigentliche Kino-Unterhaltung hier im Jahr 2042 sieht inzwischen bei Weitem anders aus.

Themenwoche Zukunft auf GIGA

Ja, das ist ein Beitrag über das Jahr 2042. Nein, ihr habt keine Zeitreise gemacht. Dieser Beitrag gehört zur Themenwoche „Die Zukunft im Jahr 2042“ auf GIGA, in der wir unser Millennium um 21 Jahre weiterdrehen und euch zeigen, wie die Tech- und Gaming-Welt im Jahr 2042 aussehen könnte.

Sämtliche Beiträge dieser Themenwoche findet ihr in unserem Special zum Jahr 2042.

Die Open-World des Kinos

Filme erleben, mittendrin statt nur dabei, das klang in den 2000er und 2010er Jahren noch nach einer vielversprechenden Vision, die uns mit dem 3D-Kino, Dolby Atmos und IMAX-Leinwänden technische Neuerungen vorstellte.

Inzwischen sind wir in einer Kino-Gegenwart angekommen, in der der Wunsch nach leibhaftigem Erlebnis ad absurdum getrieben wurde. Das ist per se nichts Schlechtes, Sachen entwickeln sich weiter und auch ich kann durchaus meinen Spaß daraus ziehen, wenn ich plötzlich neben Dwayne Johnson in „Jumanji 7“ durch den Dschungel renne.

Aber die Ausmaße sind schon gigantisch. Im neuen “Avatar“-Film – es müsste der achte Teil sein – soll man das Flügelschlagen der drachenähnlichen Banshee am eigenen Leib spüren. Im neuen „Edge of Tomorrow“ soll es sogar möglich sein, sich zwar in der Welt des Films zu befinden, der Handlung aufgrund einer gigantischen Open-World aber gar nicht folgen zu müssen.

Stellt euch mal vor, irgendwo retten Emily Blunt und Tom Cruise die Welt (natürlich musste er wiederkommen, Hollywood halt), aber davon kriegt man selbst nichts mit, weil man sich irgendwo in Polynesien befindet. Irre.

Was sich sonst noch getan haben könnte im Jahr 2042, zeigen wir euch in der Spezial-Ausgabe unserer GIGA Headlines:

Die EU zieht den Stecker, das IKEA-Phone kommt und 35 Jahre iPhone – GIGA Headlines 2042 Abonniere uns
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Meta, Cameron und das große Schwitzen

Der Wandel zu so einer Erlebnisform, die heutzutage im Jahr 2042 über Hightech-VR-Filmpaläste gelöst wird, ging schneller vonstatten, als ich persönlich erwartet hätte. Erst kündigte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg den „Neuanfang“ mit Meta an, und plötzlich proklamierte Kinotechnik-Veteran James Cameron – wer auch sonst – dass es sich „ausgesessen“ hat.

„Das Kino der Zukunft“, so Cameron 2025, „braucht keine Sessel mehr, als Zuschauer nimmt man nun aktiv am Geschehen teil“. Und so verschwanden sie nach und nach, die alten Leinwände, und wurden durch sogenannte Film-Kapseln ersetzt.

Das Prinzip: Man hängt sich in das Konstrukt rein, kriegt den VR-Helm – mit Brillen fing es an – auf und kann plötzlich auf der Stelle rennen, ohne vorwärts zu kommen. Anfangs brauchte man in Hollywood noch einige Zeit, die erzählerischen Möglichkeiten der Errungenschaft auszureizen.

Ich erinnere mich noch, wie ich neugierig die Filmkomödie „Offene Transparenz“ mit Jennifer Lawrence und Ryan Reynolds anschaute und einfach nur... daneben stand.

Doch als ich dem Konzept in „Matrix 6“ nochmal eine Chance gab, kam ich nach zweieinhalb Stunden so unfassbar fertig aus dem Kino raus, wie ich es in meiner gesamten Fitnessstudio-Zeit (haha) noch nicht erlebt hatte. Von außen betrachtet sah meine Sichtung des neuen „Matrix“-Films wohl aus wie eine Glanzvorstellung von Cirque du Soleil.

Führ mich zum Schotter!

Bei Ticketpreisen von im Durchschnitt 40 Euro pro Karte ist es nicht allzu verwunderlich, dass die Filmindustrien dieser Welt die Dagobert Duck'schen Dollar-Zeichen in den Augen hatten und sämtliches Storytelling auf das Erlebbare drehten. Die Konsequenz, selbiges auch im Home Entertainment anzubieten, könnte man aufgrund der Logik fast schon mit einem Handwischen abwinken.

Dass sich das Ganze dementsprechend auch mit einer milliardenschweren Gaming-Industrie verbinden ließ, lag ebenso auf der Hand. Und dabei muss ich sagen, dass ich das Sci-Fi-Gaming-VR-Action-Abenteuer-Spektakel „Apex Legends: The Movie Movie“ ganz spaßig fand und mir bis heute einbilde, dass ich es war, der Denzel Washingtons Charakter dort vor der Klippe rettete, und dass das nicht Teil des Films war. Aber gut.

Doch nun sage ich euch, dass die alte Magie noch nicht verloren ist. Es gibt sie noch, die alten Lichtspielhäuser mit den großen Leinwänden und den bequemen Sesseln, die nichts von euch verlangen, außer sich auf das Gezeigte mental einzulassen.

Es ist nichts gegen „Avengers 8: The Return of the First Villain“ im spacigen CinemultiVRplex einzuwenden. Doch erst wer den alten James-Bond-Klassiker “Keine Zeit zu sterben“ in seiner traditionellen Form auf der Leinwand einmal gesehen hat, hat Kino so wirklich erlebt.

Und so ende ich an dieser Stelle mit einem passenden Zitat aus dem Film, aus dem ich gerade komme, und der so wunderbar zur alten Kino-Tradition passt: „He's still alive. They hit him with five shots and he's still alive.“