Kunden von o2 mögen es vielleicht anders sehen, doch der Deutschland-Chef von Telefónica gibt sich selbstsicher. Kein anderer Betreiber würde mehr für das eigene Netz machen – und o2 würde beim Ausbau vor allen anderen stehen. Funklöcher gibt es aber weiterhin.

o2: 10.000 neue LTE-Stationen geplant

Markus Haas, Deutschland-Chef von Telefónica (o2) hat sich in einem Interview mit dem Tagesspiegel selbstsicher gezeigt. Ihm zufolge steht o2 beim Ausbau des LTE-Netzes in Deutschland an erster Stelle. Im vergangenen Jahr sollen 10.000 neue LTE-Stationen aufgebaut worden sein, heißt es. Für das Jahr 2020 sind erneut 10.000 neue Stationen geplant. Jede Stunde ginge ein neuer LTE-Sender für das Netz von o2 in den Betrieb über.

Angesprochen auf die Auflagen der Bundesnetzagentur gibt Haas an, dass er „absolut sicher“ sei, diese bis Ende 2022 und Ende 2025 erfüllen zu können. Fest steht allerdings auch, dass die im Jahr 2015 gestellten Auflagen von o2 nicht erfüllt wurden – und auch die anderen Betreiber konnten die Vorgaben der Bundesnetzagentur nicht umsetzen. Telefónica wurde in diesem Zusammenhang aber besonders kritisiert, da die „weißen Flecken“ auf der Landkarte im o2-Netz im Vergleich am umfangreichsten sind.

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Der Bundesnetzagentur nach müssen seit Ende 2019 gleich 98 Prozent aller Haushalte in Deutschland und darüber hinaus 97 Prozent der Haushalte je Bundesland mit einer Mindestdatenrate von 50 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Hinzu kommt die Abdeckung von Hauptverkehrsadern. Da die Ziele nicht erreicht wurden, kann die Bundesnetzagentur Strafzahlungen von bis zu 100.000 Euro androhen. Sogar einzelne Frequenzen könnten den Betreibern Telefónica, Deutsche Telekom und Vodafone als letztes Mittel entzogen werden.

Der Ausbau des LTE-Netzes ist auch deshalb wichtig, weil sich das 3G-Netz langsam verabschiedet. Alle Infos dazu gibt es hier im Video:

3G wird abgeschaltet. Und jetzt?

o2: Diskussion um 5G „faktenfrei“

Angesprochen auf mögliche Gesundheitsrisiken beim neuen 5G-Netz gibt sich Haas beunruhigt. Ihm zufolge würde die Diskussion schlicht „faktenfrei“ geführt. Manche der 4G- und 5G-Frequnzen seien schon seit Jahrzehnten für Fernsehen und Rundfunk im Einsatz, ohne dass es Beschwerden gegeben habe.

Den chinesischen Hersteller Huawei vom Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland auszuschließen, hält er für keine gute Idee. Es sollte so schnell wie möglich Planungssicherheit herrschen, damit der Aufbau nicht ins Stocken gerät. Telefónica möchte bei der Ausschreibung des Kernnetzes im Jahr 2020 sowohl mit Huawei als auch mit Nokia, Ericsson und weiteren Partnern Gespräche aufnehmen.

In der Bilderstrecke: Die besten Tipps, um Datenvolumen zu sparen.

Für die kommenden Jahre sollen Investitionen von bis zu vier Milliarden Euro in den Mobilfunk bei Telefónica getätigt werden. Die Quote soll „mindestens genauso hoch, wenn nicht sogar höher“ als bei den Mitbewerbern ausfallen. Um das Geld effektiv beim Ausbau des Netzes einzusetzen, soll ein schnelleres Baurecht helfen. Genehmigungsfreies Aufstellen von hohen Funkmasten sei das Ziel, um Funklöcher im o2-Netz verschwinden zu lassen.

Simon Stich
Simon Stich, GIGA-Experte für Smartphones, Mobilfunk und die Gerüchteküche.

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