Huawei P10: Der Home-Button
Huawei P10: Der Homebutton mit Fingerabdruckscanner

Die Postion des Fingerabdruckscanners bei einem Smartphone ist fast schon eine Glaubensfrage. Huawei hat sich beim P10 für die Front entschieden und den Fingerabdruckscanner unter dem Display platziert. Das Displayglas bedeckt die komplette Front des Smartphones und auch den Scanner. Eine kleine Mulde zeigt aber deutlich, wo man den Finger auflegen muss. Der Scanner funktioniert tadellos – wie man es von Huawei gewohnt ist. Die Position und die Funktionen, die damit eingeführt werden, sind aber nicht wirklich gelungen.

Der Nutzer hat die Wahl zwischen zwei Optionen: On-Screen-Tasten oder Gesten über den Fingerabdruckscanner. Entscheidet man sich für die erste Variante, dient der Fingerabdruckscanner nur zum Entsperren und sichern von Apps. Die On-Screen-Tasten werden darüber eingeblendet. Das sorgt leider oft dafür, dass man auf den „Homebutton“, also die Mulde mit dem Fingerabdruckscanner kommt, dort aber nichts passiert. Huawei hat nicht einmal so weit gedacht, um zumindest den Scanner als Homebutton zu verwenden, selbst wenn die Softwaretasten verwendet werden.

Möchte man den Fingerabdruckscanner als Homebutton verwenden, kann man das auch tun. Die Softwaretasten werden ausgeblendet und man wird mit Gesten über den Homebutton konfrontiert. Selbst nach einigen Wochen der Nutzung konnten wir uns nicht an diese Form der Bedienung gewöhnen. Das liegt einfach daran, dass die einfache Berührung des Fingerabdruckscanners ein „Zurück“ darstellt, während erst ein längerer Druck die Funktion des Homebuttons bringt. Um die im Hintergrund geöffneten Apps zu erreichen, muss man nach rechts oder links über den Fingerabdruckscanner wischen. Google Now erreicht man mit einem Wisch ins Display.

Das alles ist unnötig umständlich – auch wenn es beim Umschalten der Einstellung im Detail erklärt wird. Man kann es sich bei der normalen Bedienung aber nicht wirklich merken, wenn man seit Jahren den Homebutton berührt hat, um auf den Startbildschirm zurück zu kommen.

Huawei hat dem P10 zudem wichtige Gesten entzogen. Jeder, der ein Huawei-Smartphone besitzt, wird die Gesten des Fingerabdruckscanners auf der Rückseite kennen. Man wischt von oben über den Scanner und zieht so die Benachrichtigungsleiste herunter, kann damit die Schnellleinstellungen und Benachrichtigungen direkt erreichen. Das gibt es nicht mehr – und das ist ein enormer Verlust. Verwendet man die On-Screen-Tasten, kann man immerhin einen zusätzlichen Button anzeigen lassen, der diese Funktion ersetzt. Doch dieser ist in der rechten unteren Ecke integriert und damit eher umständlich zu erreichen.

Hätte Huawei den Fingerabdruckscanner auf der Rückseite verbaut, wären die Funktionen erhalten geblieben, die Bedienung wäre intuitiver und das Display könnte mit einer schmutzabweisenden Schutzschicht ausgestattet werden, wie man es bisher kannte. Stattdessen folgt man dem Design von Apple und verschlechtert damit zwei Bereiche, die kaufentscheidend sein könnten.

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Huawei P10: Die neue Dual-Kamera im Test

Huawei setzt beim P10 auf die bewährte Dual-Kamera von Leica, spendiert dem Monochrom-Sensor aber mit 20 MP eine höhere Auflösung und macht diesen zum Hauptsensor. Die Fotos werden dadurch aber nun nicht alle in Schwarz/Weiß geschossen, sondern der zweite RGB-Sensor mit einer Auflösung von 12 MP liefert die Farbinformationen. Das funktioniert, der Benutzer bekommt davon nichts mit. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass alle Bilder zusammengerechnet, nachgeschärft und etwas zu kontrastreich koloriert werden. Das sieht auf dem Display des Smartphones zwar ganz gut aus, schaut man sich die Fotos aber auf dem PC an, merkt man die Verluste in den Details.

Die Schwarz-Weiß-Fotos machen mit dem passenden Motiv hingegen einen sehr guten Eindruck:

Die Low-Light-Eigenschaften sind zwar besser geworden, trotzdem kann die Qualität im Vergleich zur Konkurrenz nicht mithalten:

Erst wenn man ein Stativ und den Nachtmodus nutzt, können die Ergebnisse überzeugen:

Manueller Kamera-Modus für Profis

Wenn man sich aber etwas näher mit der Kamera-App beschäftigt, kann man zumindest als versierter Nutzer im manuellen Modus mehr aus der Dual-Kamera herausholen, als es im Vollautomatik-Modus möglich ist. Dort lassen sich alle Einstellungen nach den eigenen Bedürfnissen festlegen.

Neu sind die Farbprofile im automatischen Modus. Damit kann man immerhin etwas Einfluss auf die Darstellung nehmen, noch bevor man das Foto schießt. Es kommt immer auf das Motiv an: Fotografiert man ein Graffiti, sollte man die kräftigen Farben wählen. Dadurch wird der Grauschleier etwas minimiert.

Ansonsten muss man sich mit den verschiedenen Modi und Möglichkeiten selbst vertraut machen. Der Nutzer wird zwar beim erstmaligen Starten mit einer kurzen Anleitung eingewiesen, wirklich hilfreich ist diese aber nicht. Man bekommt nur gezeigt, wo sich die Funktionen befinden. Meine Schwester, die sonst ein LG G4 nutzt und sich für das P10 interessiert hat, war von den vielen Funktionen und Symbolen etwas überfordert. Gleiches gilt für die Frontkamera mit eingeschaltetem Porträt-Modus. Sie dachte zunächst, dass die Kamera kaputt wäre. Der Nutzer wird hier von Huawei etwas ins kalte Wasser geworfen. Was der Porträt-Modus alles kann, haben wir bereits vorab ausprobiert. Man muss sich aber selbst damit vertraut machen.

Einen Autofokus besitzt die Kamera des Huawei P10 an der Front nicht. Dieser bleibt dem P10 Plus vorbehalten. Einen wirklich großen Nachteil haben wir dadurch nicht gemerkt. Die Qualität der Bilder hat so auch gepasst.

Im Vergleich zur Dual-Kamera des Huawei P9 hat sich bis auf die Auflösung des Monochrom-Sensors kaum etwas verändert. Die optische Bildstabilisierung ist beispielsweise nur bei einem Sensor vorhanden. Diese arbeitet aber nicht bei 4K-Videos. Selbst bei der Aufnahme von Videos mit 1080p und 60 Frames pro Sekunde kann diese Funktion nicht verwendet werden, nur bei normalen 1080p-Videos. Das ist sehr schade.

Huawei P10: 1080p-Video mit 30 Frames pro Sekunde

Sehr positiv aufgefallen ist hingegen der Autofokus. Der zweite Sensor und der Laser-Autofokus leisten hier gute Arbeit. Das zeigt sich nicht nur bei Fotos in Low-Light-Situationen, sondern auch bei Videos, wenn sich die Nähe zu Objekten schnell verändert. Die Schärfe wird immer präzise getroffen.

Huawei P10: 4K-Beispielvideo

Grundsätzlich hängt das Huawei P10 bei der Bildqualität der Fotos aber weiter hinter der Konkurrenz, besonders bei Fotos in der Nacht. Im Vergleich zum Huawei P9 wurde das Bildrauschen zwar verringert, aber nicht so stark, dass es mit einem Galaxy S7 oder iPhone 7 Plus mithalten kann. Schade eigentlich, von einer Leica-Kamera darf man in der mittlerweile dritten Generation nach dem P9 und Mate 9 etwas mehr erwarten.

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