Deponia Doomsday im Test: Per Zeitreise zum Happy End?

Marvin Fuhrmann

Mit Deponia Doomsday erscheint schon fast aus dem Nichts der vierte Teil der beliebten Adventure-Reihe von Daedalic. Nach dem letzten Ableger waren einige Fans enttäuscht: Ihnen war das Ende um Rufus, Goal und den Planeten Deponia nicht würdig genug. Ob die Serie nun endlich einen gelungenen Abschluss findet und auch Neulinge Spaß mit Doomsday haben, verrät unser Test.

Deponia Doomsday - Releasetrailer.

Die Welt im Jahre 2016 - triste Spieleserien, die jedes Jahr gewohnte Kost bieten. Nur ein „kleines“ Entwicklerstudio im hohen Norden Deutschlands wehrt sich noch gegen die Vorherrschaft von bösen Ego-Shootern: Adventure-Schmiede Daedalic Entertainment. Zur positiven Überraschung aller Fans haben die Entwickler kurzerhand den vierten Teil der Deponia-Serie angekündigt und nur wenige Tage danach veröffentlicht. Ob das Konzept aufgeht, der neue Teil auch für Serienanfänger interessant ist und die Story rund um den duseligen Rufus ein gelungenes Ende findet, verrate ich euch im Test zu Deponia Doomsday.

Wer sich noch alle Rätsel, Charaktere und Örtlichkeiten des neuen Adventures bewahren will, wechselt am besten gleich zum Fazit auf Seite 2. Aber keine Sorge, ich halte mich auch vorher mit den Spoilern zum Spiel weitestgehend zurück. Lasst mich zunächst die Story der ersten drei Teile rekapitulieren – etwas, das im Spiel von der lieblichen Goal, Rufus Herzensdame und Ex-Elysianerin, übernommen wird.

Diese Spiele hat Daedalic für 2016 geplant!*

Rufus träumt seit er denken kann davon, in das Paradies Elysium zu gelangen, das hoch über dem Schrottplaneten Deponia thront. Um dorthin zu gelangen und die Sprengung seines Heimatplaneten aufzuhalten, schlägt er sich mit seinen Freunden durch schier unlösbare Situationen, klont sich, spaltet Goals Persönlichkeit in drei separate Teile und organisiert sogar eine ganze Widerstandsbewegung. Doch leider haben seine Bemühungen am Ende nicht die Früchte getragen, die er sich erhofft hat. Schweren Herzens musste er sich selbst opfern, um die Menschen auf Deponia und Elysium zu retten. Allem voran seine geliebte Goal.

Auf den Spuren von Doctor Who und Marty McFly

Bilderstrecke starten(10 Bilder)
Diese 9 Spiele laufen garantiert auch auf deinem alten Laptop

Und an dieser Stelle setzt nun der vierte Teil ein. Auf dem zerstörten Deponia liegt meterweise Schnee und in der Ferne die abgestürzte Metropole Elysium. Was ist hier passiert? Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, tritt ein alter, vernarbter Mann in die Szenerie. Auch wenn er stark von der Zeit gezeichnet ist, wissen Kenner gleich, dass es sich um Rufus handelt. Dieser aktiviert die Sprengtürme und setzt Deponia ein für alle Mal ein Ende. SCHNITT! Der junge Rufus erwacht in seinem Morgensessel, noch halb verpeilt vom Schlaf. War alles nur ein Traum?

Hier beginnt nun die wilde Fahrt durch Zeit und Raum, in der Rufus erneut die Welt vor dem sicheren Ende retten muss und sich auf die Jagd nach seinem eigenem Happy End mit Goal auf Elysium macht. Ob das klappt, verrate ich euch natürlich nicht. Aber es sei gesagt, dass der Weg bis zum Abspann durchweg unterhält und nie langweilig wird. Selbst in den ruhigeren Passagen in der Mitte des Spiels gibt es immer genügend Anreize, eure Reise fortzusetzen. So besucht ihr unter anderem einen alten Vergnügungspark, neue Schrottstädte und sogar das gelobte Elysium. Und gegen Ende artet das Ganze gar in ein Raum-Zeit-Chaos aus, das selbst einem eingefleischten Doctor Who-Fan die Ohren schlackern lässt.

Dabei knobelt ihr euch typisch für Point-and-Click-Adventure durch die einzelnen Szenenbilder und kombiniert Gegenstände aus dem Inventar miteinander, um zur Lösung zu gelangen. Zwischendrin unterhaltet ihr euch mit den zahlreichen Charakteren und bekommt dadurch neue Hinweise, wie es nun weitergeht. Das geht alles gut von der Hand. Nur an zwei Stellen bin ich auf kleine Bugs gestoßen, die mit einem verschobenen Dialogfeld zu tun hatten. Das wird aber mit Sicherheit noch ausgebügelt werden. Anders sieht es da bei den neuen und alten Spielmechaniken aus, die sich negativ auf Deponia Doomsday auswirken.

Nervig, wie 100 Quick-Time-Events

So gut die altbewährten Mechaniken des Adventures auch in Deponia Doomsday funktionieren, so fragwürdig sind die neuen Design-Entscheidungen der Entwickler: Über das Spiel hinweg werden immer wieder Quick-Time-Events (QTEs) eingestreut, bei denen wild auf der Maus herumgedrückt werden will. Jedoch sind diese spielerisch völlig überflüssig und stören den Ablauf eher. Immerhin tauchen davon nur etwas mehr als eine Handvoll in Deponia Doomsday auf. Allerdings immer dann, wenn ich gerade vergessen hatte, dass diese noch existieren.

Aber auch an der Rätselfront gibt es kleinere Problemchen, die die Serie schon seit dem ersten Teil mit sich rumschleppt. Klar, Deponia ist ein verrückter Planet, auf dem allerhand abgedrehte Sachen passieren. Aber den Puzzles und Knobeleien tut das zuweilen weniger gut: Hin und wieder blieb ich an Stellen hängen, die einfach nur durch Ausprobieren zu lösen waren. Das führt schnell zu Frustmomenten, ist aber zum Glück genauso selten wie die nervigen QTEs.

Weg mit den Alten, her mit den Neuen

Wer einen Fehler in der Zwischenüberschrift vermutet, liegt falsch: Dieser Abschnitt ist den Charakteren von Deponia Doomsday gewidmet. Schließlich besticht das Point-and-Click-Adventure von Daedalic Entertainment vor allem durch skurrile Nebenfiguren, egozentrische Bösewichte und treue Freunde, die Rufus auf seinen Reisen begleiten. Im Gegensatz zu den bisherigen Teilen trefft ihr aber vor allem auf neue Charaktere, die es auch Neulingen leicht machen, sich in der Welt zurecht zu finden.

Neuigierig geworden? Hier gibt's die ersten drei Teile in einer Sammlung!*

In Deponia Doomsday feiern Figuren ihren ersten Auftritt, die wohl zu den denkwürdigsten Charakteren der Adventure-Reihe gehöre: Sei es die immer gut gelaunte Sonnenblume Ronny, die euch durch die Quartiere Elysiums führt, oder der zeitreisende McChronicle, der Rufus erst auf die wilde Fahrt durch die Anomalien mitnimmt: Die Entwickler haben viele Figuren eingebaut, die auch lange nach dem Abspann noch im Gedächtnis bleiben und ein ums andere Mal zu Gelächter vor dem Bildschirm führen. Und da haben wir schon den nächsten Höhepunkt von Deponia Doomsday.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Der Humor des neuen Deponia-Adventures ist auf der gleichen Ebene angesiedelt, wie der der Vorgänger. Denn obgleich dieses den Beinamen Doomsday trägt, geht es alles andere als trübe und depressiv zu. Im Klartext: Hier wird es bitterböse, schwarzhumorig und teilweise ziemlich anzüglich. Was zunächst etwas überladen klingt, verteilt sich unglaublich gut auf die Gespräche, Zwischensequenzen und Slap-Stick-Einlagen der zahlreichen Charaktere. An vielen Stellen im Spiel brach ich in schallendes Gelächter aus, habe mich für Rufus fremdgeschämt und den Kopf in Unglauben geschüttelt, wenn es mal wieder eine Pointe nach der anderen hagelte.

Ein kleines Beispiel findet ihr schon hier im angehängten Bild. Nämlich dann wenn die niedliche Made in den Mixer gepresst wird und kurzerhand ein Zensurschild vor die Szene klappt. Oder der sächselnde „Einheimische“ Momed, der sich in Gesprächen immer wieder über die Überfremdung seiner Wüste aufregt. Deponia Doomsday strotzt nur so vor Flachwitzen, Satire zu aktuellen Ereignissen und popkulturellen Anspielungen. Und das alles – serientypisch – unglaublich gut vertont. Für manche Spieler könnte der Humor zuweilen etwas zu platt ausfallen, jedoch garantiere ich euch, dass ihr Deponia Doomsday nicht durchspielen könnt, ohne wenigstens einmal herzhaft gelacht zu haben.

Auf der zweiten Seite meines Tests zu Deponia Doomsday verrate ich euch abschließend, ob sich jetzt ein Einstieg für Neulinge lohnt und gebe mein finales Fazit zum Adventure-Chaos preis!

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung