Inside im Test: Der Nachfolger von Limbo ist das seltsamste Zombie-Spiel des Jahres

Kristin Knillmann 3

Was schreibt man eigentlich über ein Spiel, bei dem man drei Stunden lang keine Ahnung hatte, um was es geht, nur um am Ende völlig entgeistert, angewidert und beeindruckt zurückgelassen zu werden? Hallo, Inside.

Inside - E3 2016 - Trailer.

Inside, oder auch /ɪnˈsʌɪd/, oder: im Inneren. Ein kleines, kurzes Wörtchen, das im Kontext des neuen Spiels der Limbo-Macher gleich mehrere Bedeutungen bekommt. Und genau diese Bedeutungen sind es, über die ich mit euch nur schwer reden kann.

Einerseits, weil sie die Essenz der Geschichte von Inside ausmachen, und euch vorwegnehmen würden, was ihr nur selbst spielen und erleben könnt. Ich bleibe in diesem Test also absichtlich so vage. In Inside ist es nämlich das Entdecken der Geschehnisse und deren Tragweite, welche den gesamten Reiz des Spiels ausmachen; ähnlich wie zuvor bereits in Limbo.

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Andererseits fällt es mir auch schwer, darüber zu reden, weil ich händeringend nach passenden Worten suche, welche die erst überraschenden, dann zunehmend grotesken Ebenen des „innen drin seins“ widerspiegeln können.

Inside ist eines dieser Spiele, nach dessen Ende ihr dringenden Bedarf haben werdet, euch mit anderen über die Geschehnisse und deren Bedeutung auszutauschen. Hier wird Stoff behandelt, der im Rahmen einer stilisierten Comic-Optik leicht wirken mag, aber spätestens im letzten Viertel des Spiels schwer zu verdauen ist. Und doch – oder vielleicht gerade deswegen – sind es Szenen, die im Kopf bleiben.

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Im Grunde genommen hat Playdead mit Inside also ein Werk erschaffen, das einer Fortsetzung des düsteren Limbo nicht nur gerecht wird, sondern auch für sich allein stehen kann.

Diese Fortsetzung spürt ihr vor allem beim Gameplay: Wieder steuern wir einen kleinen Jungen durch düstere Landschaften; hier durch Wälder und Seen, über Bauernhöfe, durch U-Bahn-Stationen und Fabriken. Während die Geschichte voll und ganz über Setpieces (statt über Dialoge) erzählt wird und offen für Interpretation bleibt, ist es unsere nebensächliche Aufgabe, kleine Rätsel zu lösen, um zur nächsten Szene schreiten zu dürfen. Diese Rätsel sind oft simpel, aber besonders deswegen so effektiv. Manchmal ist es das einfachste Verschieben einer Kiste im richtigen Timing, das unser Gehirn kurz blockiert. Mit genügend Logik oder etwas Abstand steht uns jedoch beim Erkunden der zweidimensional begehbaren Orte nichts im Weg. Das kennen wir nicht anders von Limbo, und es ist auch hier bei Inside wieder der beste Weg, um eine Spielerfahrung zu schaffen, die nicht vom Inhalt und Stil des Stückes ablenkt.

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Dass die Geschichte, die Erfahrung, die alptraumhaften Szenen hier im Fokus stehen, tut dem neuen Playdead-Spiel gut. Schließlich sind es die Fragen, welche uns von Beginn an plagen, die uns durch die folgenden Stunden tragen:

Warum werden zu Beginn von Inside so viele leblos wirkende Menschen in einem LKW verschleppt? Warum bewegen sich diese Menschen als seien sie Zombies – haben dann aber doch wieder genügend Hirn-Kapazität, uns nicht zu bedrohen? Warum werden wir brutal erschossen, wenn uns einer dieser Männer mit den gesichtslosen Masken erwischt. Warum?

Inside erzählt eine wenig klassische und irgendwie sehr menschliche Zombie-Geschichte ohne auch nur einmal den Mund öffnen zu müssen. Zugegeben, die ist durchaus etwas seltsam. Und doch so viel frischer und unangenehmer als jedes Horror-Spiel, das ich im letzten Jahr gespielt habe.

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Trigger-Warnung: Menschen, die unter den folgenden Phobien leiden, sollten davon absehen, Inside zu spielen: Achluophobie (Dunkelheit), Anemophobie (Stürme), Aquaphobie (Wasser) und ganz insbesondere Dysmorphophobie (Entstellung)

Die GIGA-GAMES-Wertungsphilosophie*

Inside ist ab dem 29. Juni für Xbox One erhältlich. Der Titel erscheint außerdem am 07. Juli 2016 für PC via Steam.

INSIDE
Entwickler: Playdead
Preis: 19,99 €

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