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Forza Motorsport im Test: Eine nüchterne Rennsimulation

Forza Motorsport unterstützt erstmals Crossplay. Ein Splitscreen-Modus fehlt dagegen. (© GIGA / Microsoft)
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Das Rennspiel schlechthin kehrt nach sechs Jahren zurück. Ein Zeitraum, den die Entwickler für einen neuen Karriere-Modus, strengere Multiplayer-Rennen und den Einbau von Rollenspiel-Elementen genutzt haben. Fehlzündung oder Pole Position? Wir haben die Xbox-Version getestet und das ist das Ergebnis.

Forza Motorsport ist nicht einfach nur ein neues Spiel

Der von den Entwicklern gewählte Reboot-Ansatz sieht vor, dass das Vollpreis-Spiel nur ein Baustein des neuen Forza-Universums ist. In regelmäßigen Abständen sollt ihr in neuen Online- und Karriere-Rennen antreten können. Und die 20 Rennstrecken (4 davon fiktiv) und über 500 original lizenzierten Autos wollen die Turn-10-Studios kontinuierlich erweitern.

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Zum Vergleich: Im Vorgänger Forza Motorsport 7 waren es noch 32 Strecken und über 700 Autos zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Kein Beinbruch, aber ein offensichtlich geringerer Umfang.

Im Karriere-Menü, aber auch im gesamten Spiel, gibt es viele Accessibility-Einstellungen: Vom Anpassen der Schriftgröße bis hin zu Hilfen für Spielerinnen und Spieler mit körperlichen Einschränkungen. (Bildquelle: Screenshot GIGA)

Mehr Möglichkeiten bietet dafür der neugestaltete Karrieremodus. Ihr könnt euch nach wenigen Pflichtrennen frei zwischen diversen Touren, also Rennmeisterschaften, entscheiden. Dabei bringen unterschiedliche Autohersteller, -modelle, -typen oder -zeitepochen ihren eigenen Fokus in die Rennen. Ähnlich wie bei der PS5-Konkurrenz Gran Turismo 7.

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Damit ist der Ablauf eurer Karriere simpel und klar: Rennen bestreiten, Erfahrungspunkte und Credits erhalten und euer Fahrzeug mit Performance-Teilen verbessern.

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Das fehlt dem Karrieremodus zur Bestzeit

So befriedigend es ist, durch jedes Rennen Fortschritte zu erzielen, so gering fällt die Sog-Wirkung des Karrieremodus aus. Wo ihr im Arcade-Ableger Forza Horizon 5 das nächste Rennen kaum erwarten könnt, rückt hier die allgemeine Nüchternheit des Spiels in den Vordergrund.

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Jedes Karriere-Rennen besteht aus drei verpflichtenden Trainingsrunden. Nach dem fehlenden Qualifying startet das Rennen. Auf den 20 selben Strecken. Immer wieder.

Auf jeder Strecke gibt es dynamische Wetterbedingungen und einen 24-Stunden-Tag-Nacht-Wechsel. (Bildquelle: Screenshot GIGA)

Natürlich sind die Rennen als solche unterhaltsam, aber es fehlt an Abwechslung. Hier und da ein anderes Event oder eine Koop-Karriere mit Freunden. So bleibt es gleichzeitig lediglich und immerhin bei authentischem Simulationsspaß. Toll für Puristen, nüchtern für alle anderen.

Ein optionaler Racing-Soundtrack für die Rennen hätte dem Spiel auf jeden Fall gutgetan. Bei Gran Turismo 7 hat der eine oder andere Track sogar zu noch mehr Höchstleistungen verholfen.

Dafür klingen die röhrenden, sich unterscheidenden Motorensounds wie in echt. Jedoch ginge auch da noch mehr. Zum Vergleich: In The Crew Motorfest hört sich jedes Auto kerniger und brachialer an.

Darum fühlen sich die Rennwagen echt an

Die Entwickler schaffen es, euch beim Fahren ein Gefühl für euren Rennwagen zu geben. Ihr sitzt da in etwas, was Gewicht hat, euch beim Bremsen nach vorne schiebt und in Kurven nach außen drängt.

Diese Verbesserung der Fahr- und Reifenphysik im Vergleich zum Vorgänger ist von Beginn an spürbar. Kein Forza Motorsport hat sich so genau und befriedigend gesteuert. Und die Befriedigung steigt durch jedes erfolgreiche Manöver. Einen Kontrahenten auf der inneren Spur beim Anbremsen vor einer Kurve zu überholen, macht Spaß!

Das Beschleunigen wiederum lässt euch die Aggressivität einer Chevrolet Corvette E-Ray (2024) am Controller durch Vibrationen spüren. Jedoch vermisst ihr hier das haptische Feedback und die adaptiven Trigger der PS5.

An PC und Konsole funktionieren Lenkräder von den Herstellern Logitech, Fanatec und Thrustmaster. (Bildquelle: Screenshot GIGA)

Für Anfänger gibt es zahlreiche Fahrhilfen, wie eine Rückspulfunktion, eine Ideallinie mit Bremspunkten bis hin zu Brems- und Lenkunterstützung. Vorbildlich zugänglich!

Fortgeschrittene Fahrer können im Tuning-Menü jede Schraube am Rennwagen verändern, beispielsweise die Bremskraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse oder die Getriebeübersetzung.

Authentische KI-Fahrer mit Problemen

In jedem Rennen tretet ihr gegen bis zu 23 Kontrahenten an. Die Schwierigkeit der KI-Fahrer könnt ihr in acht Stufen anpassen.

Was eure Gegner authentisch macht, sind Fahrfehler. Mal kommen sie am Kurvenausgang zu weit nach außen, mal verbremsen sie sich. Keiner fährt wie festgeklebt auf der Ideallinie. Und wenn ihr auf einer schnellen Runde im Training unterwegs seid, machen sie euch sogar Platz.

Die lernfähige KI der CPU-Gegner kann so schnell fahren, wie der beste menschliche Fahrer. Ganz ohne Gummiband-Effekt oder sonstige Tricks. (Bildquelle: Screenshot GIGA)

Es gibt aber auch KI-Probleme. Teilweise brettern euch Widersacher ins Heck oder schieben euch von der Strecke. Hier hilft nur die Rückspulfunktion oder Zähne zusammenbeißen. Ebenfalls unglücklich: Ein bis drei Fahrzeuge setzen sich gerne vorne ab und ihr könnt sie bei einer Rennlänge von sieben Runden kaum noch einholen. Ein bekanntes Forza-Phänomen.

Damit ihr vielleicht gar nicht so viele Gegner überholen müsst, könnt ihr eure Startplatzierung frei festlegen. Startet ihr weiter vorne, gibt es weniger Podiumsprämie, dafür erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Sieges. Schöner wären jedoch weniger Trainingsrunden, dafür eine echte Qualifying-Runde gewesen.

Kein RPG, dafür ein Car-PG

In Forza Motorsport sorgt eine ganz bestimmte Zahl für eure Motivation. Während eines Rennens seht ihr oben rechts das Level eures Autos. Fahrt ihr fehlerfrei, verbessert eure Zeit in einem Streckensektor oder überholt einen Gegner, bekommt ihr Erfahrungspunkte für euer aktuelles Auto.

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Dadurch erhaltet ihr auf jedem neuen Level Zugriff auf weitere Performance-Teile, die euren Rennwagen nach dem Einbau verbessern, wenn ihr eure erspielten Car Points dafür ausgebt. Hier ein neuer Luftfilter für mehr Leistung, dort ein neuer Spoiler für mehr Anpressdruck.

Diese Mechanik erinnert an Rollenspiele und motiviert euch, euren Fokus auf die bis zu 800 Performance-Upgrades pro Fahrzeug zu richten, anstatt auf den Besitz möglichst aller Autos im Spiel.

Jedes der 500 Autos könnt ihr nach Level-Aufstiegen mit Performance-Teilen zum ultimativen Rennwagen hochzüchten. (Bildquelle: Screenshot GIGA)

Seltsam an diesem System ist aber, dass ihr mit genügend Car Points nicht direkt einen neuen Turbolader verbauen könnt, weil dieser nämlich erst mit dem Erreichen eines höheren Levels freigeschaltet wird.

Und wo ihr ebenfalls aufpassen müsst und eine automatische Warnung des Spiels hilfreich gewesen wäre: Baut ihr zu gute Teile ein, kann euer Fahrzeug das erlaubte Leistungsvermögen für eure aktuelle Rennserie übersteigen und ihr könnt nicht mehr teilnehmen.

Der Multiplayer hat nur einen Haken

Im Multiplayer könnt ihr allein oder mit Freunden an Renn-Events teilnehmen. Wie an einem echten Rennwochenende gibt es einen Countdown, in dem ihr drei Trainingsrunden und mindestens eine Qualifikationsrunde schaffen müsst. Danach folgt das Rennen. Auch hier wiederum: nüchtern, aber authentisch.

Damit die Rennen fair ablaufen, bekommt ihr ein Safety-Rating verpasst. Seid ihr wie Rambo unterwegs, verschlechtert sich euer Ruf. Fahrt ihr sauber, steigt er wieder.

Für mehr Realismus kommen im Multiplayer auch Reifenverschleiss und Spritmenge zum Tragen. (Bildquelle: Screenshot GIGA)

Zusätzlich erhält jeder Strafen für Fehlverhalten auf der Piste, die aber zu milde ausfallen. Wenn euch ein menschlicher Gegner von der Strecke schießt, ist das Rennen für euch gelaufen. Er bekommt eine Zeitstrafe von 2,5 Sekunden. Das fühlt sich unfair an. Angemessener wäre eine Durchfahrt in der Boxengasse mit 5 Sekunden Standzeit. Hoffentlich bessern die Entwickler hier noch nach.

Der Rivals-Modus ist eine Neuinterpretation von Time Attack. Angepasst an euer Können, tretet ihr gegen den Geist eines menschlichen Kontrahenten auf einer vorgegebenen Strecke an. Schlagt ihr ihn, gilt es den nächsten Rivalen mit einer noch besseren Zeit zu bezwingen.

Forza setzt keinen Grafik-Meilenstein

Die Präsentation von Forza Motorsport kommt im Vergleich zur Horizon-Reihe klinisch steril daher. Kein bombastischer Einstieg, in dem ihr einen Vulkan herunterbrettert. Würde auch keinen Sinn ergeben, aber etwas Vergleichbares und zum Spiel Passendes wäre der Atmosphäre zugute gekommen.

Die Entwickler scheinen sich in den einfach gehaltenen, aber nicht jederzeit übersichtlichen Menüs am Purismus eines Gran Turismo inspiriert zu haben.

Optisch ist Forza bis jetzt jedes Mal ein grafischer Meilenstein auf jeder neuen Konsolengeneration gewesen. Dieses Gefühl bleibt hier erstmalig aus. Zwar sehen die Autos, gerade in Nahaufnahmen bei Wiederholungen detailliert und scharf aus und kommen nach einem Rennen schön ramponiert ins Ziel.

 

Forza Motorsport - Trailer

Auch die blendende Sonne oder über der Strecke hängender Nebel sind effektreich. Aber selbst trotz Echtzeit-Raytracing (schönere Schattenwürfe und Spiegelungen auf den Fahrzeugen und Umgebungen) haut euch die Optik nur noch halb um. Andere Hersteller haben inzwischen auch schöne Rennspiele.

Forza Motorsport erscheint am 10. Oktober 2023 für PC und Xbox Series X|S (auch im Game Pass). Die Premium-Edition erscheint bereits am 5. Oktober 2023.

Test-Fazit

Forza Motorsport ist ein gelungener Neustart. Die Rennsimulation fährt sich so gut wie nie, sie ist zugänglich und für jeden geeignet. Gleichzeitig motivieren die rollenspielartigen Fahrzeuglevel und die zahlreichen Einstellmöglichkeiten.

Die Technik ist auf hohem Niveau, vor allen Dingen läuft das Spiel mit konstanten 60 Bildern pro Sekunde und aktiviertem Raytracing auf der Xbox Series X. Auch die kurzen Ladezeiten fühlen sich zeitgemäß an.

All das macht Forza Motorsport zu einem sehr guten, aber keinem revolutionären Genre-Vertreter. Dafür fehlt den Entwicklern an der einen oder anderen Stelle der Mut für Neues.

Denn im Vergleich zur Konkurrenz weiß ich, dass da mehr geht. Die Motorensounds eines The Crew Motorfest sind brachialer. Der Simulationsanspruch von Assetto Corsa ist größer und ein Soundtrack wie beim hauseigenen Horizon-Ableger wäre optional wichtig gewesen.

Auch die Optik ist zwar wunderschön, aber kein Generationen-Meilenstein wie bei den Vorgängern. Wenn das soeben genannte alles vorhanden wäre, dann würde Forza eine hohe 90er-Wertung erhalten.

Stattdessen bleibt es eine Rennsimulation, die sich auf Ihre Stärken beruft, aber auch ein wenig auf ihnen ausruht.

Wertung
8.4/10
“Forza Motorsport ist eine unterhaltsame Rennsimulation mit authentischen KI-Gegnern, dem besten Fahrgefühl der Reihe und einer astreinen Technik. Optisch, akustisch und präsentativ ist das Spiel zwar auf einem hohen Niveau, es wäre aber noch mehr drin gewesen.”
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