2015 hat das zauberhafte Ori and the Blind Forest die Bildschirme und Herzen unzähliger Spieler erobert. Der Nachfolger schafft den Sprung von Indie-Geheimtipp zum Genre-Schwergewicht.

 

Ori and the Will of Wisps

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Ori and the Will of Wisps

Zugegeben, ich war nicht der größte Fan von Ori and the Blind Forest. Ja, das Spiel war bildhübsch und bezauberte mit seiner fantastischen Präsentation, das eigentliche Gameplay sorgte jedoch für die ein oder andere hochgezogene Augenbraue, von den frustrierenden Trial & Error-Passagen einmal ganz abgesehen. Sei es das überladene Moveset, das sperrige Speichersystem oder die ungenaue Spielführung – Ori hatte noch jede Menge Luft nach oben.

Dementsprechend skeptisch aber auch optimistisch habe ich mich an den Nachfolger herangewagt und kann aufatmen: Ori and the Will of the Wisps macht (fast) alles richtig. Allerdings stand für die neu gewonnene Qualität offenbar nicht der Vorgänger, sondern ein ganz anderes Spiel Pate.

Ori and the Will of the Wisps - Ab sofort im Game Pass.

Neue Welt, neue Freunde

Wir erinnern uns: Am Ende von Ori and the Blind Forest haben wir nicht nur die Welt gerettet, sondern sind auch um eine gefiederte Freundin reicher geworden. Auf ihrem Rücken erreicht Ori die neue Spielwelt, ist ein Unglück später jedoch ganz auf sich allein gestellt.

Zum Glück greifen euch die zuckersüßen Moki sowie einige andere NPCs fleißig unter die Arme, damit ihr euer Abenteuer fortsetzen könnt. Anders als noch im ersten Teil könnt ihr in Ori and the Will of the Wisps Quests annehmen, mit Charakteren handeln und sogar beim Aufbau einer kleinen Siedlung helfen. Die Spielwelt des neuen Teils ist also nicht nur mehr als doppelt so groß, sondern auch deutlich belebter und abwechslungsreicher.

So erkundet ihr nicht nur die typischen Wälder und Moore, sondern absolviert in den Lumaseen ganze Passagen unter Wasser, kämpft euch durch ein frostiges Schneegebiet, bahnt euch einen Weg durch die stockfinsteren Schimmelwaldtiefen und meistert schließlich die sandigen Wanderdünen.

Gut geklaut statt schlecht selbst ausgedacht

Ein grundlegender Unterschied zum Vorgänger ist das Kampfsystem von Ori and the Will of the Wisps. Während im Original eine kleine Energiekugel um euren Kopf schwirrte und Jagd auf Gegner machte, schwingt nun Waldgeist Ori selbst die Waffe eurer Wahl. Zu Beginn steht euch dafür eine Energieklinge zur Verfügung, später könnt ihr jedoch auch einen Bogen, einen Speer, Feuerbälle und andere Waffen freischalten und bei Bedarf modifizieren.

Dadurch gewinnt das holprige Kampfsystem des Originals den dringend benötigten Tiefgang und fühlt sich deutlich greifbarer an. Um euch mit der neu gewonnen Komplexität jedoch nicht zu überfordern, greift Ori and the Will of the Wisps auf einen gelungenen Trick zurück: Egal wie viele Fähigkeiten ihr freischaltet, lassen sich stets nur eine begrenzte Anzahl aktivieren.

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Aktive Fähigkeiten wie den Nahkampfangriff, einen Heilzauber oder einen Luftstoß könnt ihr bei Händlern erwerben oder im Verlauf der Handlung freischalten. Gleichzeitig ausrüsten – und jederzeit wechseln – dürft ihr drei dieser Fähigkeiten. Passive Fähigkeiten lassen sich in Form von Geistersplittern im Menü anlegen und verleihen euch etwa höheren Schaden gegen fliegende Gegner, automatisches Festklammern an Wänden oder Wasseratmung. Auch in diesem Fall dürft ihr zu Beginn nur drei Splitter gleichzeitig tragen, allerdings schaltet ihr im späteren Verlauf noch Platz für zusätzliche Splitter frei.

Metroidvania-Freunden wird dieses System allzu bekannt vorkommen, denn Ori and the Will of the Wisps hat sich, vorsichtig formuliert, großzügig von Hollow Knight inspirieren lassen, sei es in puncto Geistersplitter, einen die Welt bereisenden Kartenverkäufer, dem Kampfsystem oder auch den Bossen. Das soll kein Vorwurf sein, schließlich war Hollow Knight fantastisch, dementsprechend nahe liegend ist es also, sich genau solche Spiele zum Vorbild zu nehmen.

Größere Herausforderungen, weniger Frust

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: Die Flucht-Sequenzen aus Ori and the Blind Forest gehören einerseits zu den Highlights des Spiels, waren für einige Spieler jedoch auch Grund genug, das Spiel abzubrechen. Trial & Error schien die einzige Möglichkeit zu sein, die frustrierenden Passagen zu meistern und wenn eine Flucht letztendlich überstanden war, dann nicht aufgrund der meisterhaften Reflexe der Spieler, sondern weil die gesamte Szene zuvor akribisch auswendig gelernt werden musste.

Glücklicherweise macht Ori and the Will of the Wisps in dieser Hinsicht einige Zugeständnisse. Einerseits erwarten euch im Finale jedes Gebiets nicht zwingend eine Flucht-Sequenz sondern ab und auch ein Boss oder sogar eine Mischung aus beidem. Das sorgt für Abwechslung und erlaubt eigene Taktiken, da es sich besonders in den Bosskämpfen lohnt, die eigene aktiven und passiven Fähigkeiten zu überarbeiten und variieren.

Zwar können die Fluchtsequenzen gerade in den letzten Spielabschnitten noch immer für allerhand Frust und Trial & Error sorgen, immerhin lässt sich jede dieser Herausforderungen jedoch auch abbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut angehen. Wer einem bestimmten Abschnitt also nicht gewachsen ist, hat jederzeit die Option, sich zunächst einem anderen Teil der riesigen Spielwelt zu widmen und ist nicht in der besonders frustrierenden Stelle gefangen.

Ori and the Will of the Wisps - Standard Edition - [Xbox One]

Ori and the Will of the Wisps - Standard Edition - [Xbox One]

Apropos Herausforderung: Besonders kompetitive Akrobaten können sich in Ori and the Will of the Wisps auch in Wettrennen gegen andere Spieler behaupten und sich mit einer guten Zeit in Online-Bestenlisten verewigen. Diese Herausforderungen lassen sich übrigens auch direkt im Hauptmenü aufrufen, vorausgesetzt ihr habt sie bereits gefunden. Eine nette Idee, um auch nach dem Abspann noch für Motivation zu sorgen.

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