Sexismus-Vorwurf an Disney & Pixar: Laut einer Studie haben in Disney-Filmen fast nur die Männer das Sagen

Tobias Heidemann 4

Weiße Männer dominieren das US-Kino. So lautet die zuletzt immer lauter werdende Kritik an Hollywoods vermeintlich sexistischer Besetzungspolitik. Organisationen, Schauspieler und Aktivsten stellen der amerikanischen Filmindustrie dabei ein massives Gender-Problem aus, welches weit über die sexistische Repräsentation von Frauen im Film hinausweist. Im Kino geht es, so der Vorwurf, ganz grundsätzlich mehr um Männer als um Frauen. Eine neue Untersuchung von Filmdialogen scheint dieses Argument nun zu bekräftigen. 

Sexismus-Vorwurf an Disney & Pixar: Laut einer Studie haben in Disney-Filmen fast nur die Männer das Sagen

Die aktuelle Sexismus-Kritik an Hollywood ist eigentlich ganz einfach: Weiße Männer bestimmen die behandelten Filmthemen, weiße Männer haben laut Drehbuch mehr Dialogzeilen, weiße Männer dominieren die Mehrheit der veröffentlichten Filme. Um dieser vielerorts sehr polemisch geführten Diskussion das dringend notwendige empirische Futter zuzuführen, haben die Kollegen von Polygraph eine ambitionierte Studie zum Thema durchgeführt. Die Ergebnisse dürften viele Teilnehmer der Diskussion überraschen.

Haben die Männer im Kino das Sagen?

„Nur Rhetorik, keine Daten“ – so lautet das einleitende Urteil der Autoren zur derzeit hochkochenden Debatte um Sexismus in Hollywood. Also haben die Damen und Herren von Polygraph statistische Tatsachen geschaffen, die die Diskussion voranbringen sollen. Ob das gelungen ist, davon kann man sich auf der offiziellen Seite zur Untersuchung nun selbst überzeugen.

Nicht weniger als 2000 Drehbücher wurden hinsichtlich der Menge von Dialogzeilen, die von männlichen und weiblichen Charakteren im Film gesprochen werden, von den Autoren analysiert. Angeblich die bis dato umfassendste Analyse von Hollywood-Skripten. Besonders anschaulich machen die Autoren ihre interessanten Ergebnisse dabei an 30 Disney und Pixar-Filmen.

So haben gerade einmal vier Disney-Filme eine für Frauenrollen positive Dialog-Bilanz. Nur in „Inside Out“, „Alice im Wunderland“, „Maleficent“ und „Dornröschen“ kommen Frauen häufiger zu Wort als Männer. Die Mehrheit der Disney-Filme zeigt indes ein schroffes Missverhältnis.

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22 Bilder
20 Handlungslöcher in Disney-Filmen, die keinem von uns aufgefallen sind.

Dialoge: 22 von 30 Disney Filmen mit negativer Gender-Bilanz

In 22 von insgesamt 30 analysierten Disney-Filmen haben nämlich die Männer häufiger das Sagen. Interessant ist dabei, dass es selbst in Filmen mit weiblichen Hauptrollen zu diesem deutlichen Ungleichgewicht kommt. So geben selbst Disney-Filme wie „Mulan“ oder „Pocahontas“, die ein streitbar positives Frauen-Rollenbild vermitteln wollen, ihren weiblichen Charakteren ein kleineres Forum als den männlichen Figuren.

Neben dem Disney-Beispiel haben die Autoren von Polygraph auch den gesamten Datensatz zur freien Verfügung gestellt. Hier lassen die untersuchten Filme auch nach Altersgruppen und Genres aufteilen, was zu überaus interessanten Ergebnissen führen kann.

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