Was der Huawei-Bann für Kunden bedeutet: Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten

Frank Ritter 23

Aufgrund des US-Handelsembargos gegen Huawei ist Google gezwungen, die Zusammenarbeit mit Huawei zu beenden. Damit ist die Nachricht kein Thema aus den Wirtschaftsteilen der Online-Gazetten mehr, sondern hat erhebliche Auswirkungen – auf Verbraucher in Europa und den Handy-Markt als Ganzes. GIGA-TECH-Chefredakteur Frank Ritter erklärt, welche Folgen das sind und was man jetzt als Verbraucher wissen muss.

Was der Huawei-Bann für Kunden bedeutet: Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten
Bildquelle: GIGA.

1. Was bedeutet die von Google aufgekündigte Zusammenarbeit mit Huawei?

Google ist ein US-Unternehmen und darf deswegen laut des von der US-Regierung ausgesprochenen Embargos nicht mehr mit Huawei zusammenarbeiten. Das bedeutet, dass Google keine Software, insbesondere Informationen über bevorstehende Android-Updates ausgeben darf. Es gibt zwar die theoretische Möglichkeit, eine Sondererlaubnis bei der US-Regierung zu beantragen, wir bezweifeln allerdings, dass ein solcher Antrag Erfolg haben wird.

Huawei kann theoretisch dennoch von Weiterentwicklungen am Betriebssystem-Kern profitieren, weil wesentliche Teile von Android über das AOSP (Android Open Source Project) quelloffen sind. Allerdings werden diese Updates erst nach dem Rollout an erste Geräte (zum Beispiel die Pixel-Familie) ins AOSP eingepflegt, Huawei hätte also einen großen zeitlichen Nachteil in der Entwicklung. Davon abgesehen benötigt Huawei für große Systemupdates auch aktualisierte Treiber und Firmwares für einzelne Komponenten der Geräte. Diese stammen oft von Huawei, häufig aber auch von Firmen, die unter dem US-Embargo (beispielsweise Intel, Qualcomm und Broadcomm) stehen. Ohne diese kleinen Updates wird ein großes OS-Update schwierig bis unmöglich.

Aufgrund dieser hohen Hürden in der Entwicklung gehen wir davon aus, dass Huawei nach Android 10 Q keine großen Betriebssystemupdates mehr ausliefern wird und sich auf Sicherheits-Updates beschränkt. Ein Statement von Huawei deutet das indirekt ebenfalls an.

HUAWEI wird weiterhin Sicherheitsupdates und Services für alle bestehenden HUAWEI und Honor Smartphones sowie Tablets zur Verfügung stellen.

Beachten: Von Betriebssystem-Updates ist hier keine Rede.

Ein weiteres Problem ist, dass Google in Zukunft Huawei-Geräte nicht mehr mit den firmeneigenen Apps versorgen darf. Das bedeutet: Künftige Huawei-Handys werden keinen Zugriff mehr auf den Google Play Store, die Play Services und Apps wie Play Music, Gmail und Google Maps haben. Wir vermuten zwar, dass es technisch möglich sein wird, diese händisch (in Form von APK-Dateien) nachzuinstallieren – diese Prozedur ist allerdings vielen Nutzern zu kompliziert. Ohne die Google-Services verlieren die Geräte ein wesentliches Kaufargument, zumindest außerhalb von China – in China selbst gibt es seit jeher keine Google-Apps, stattdessen lokale Alternativen. Diese Apps auch bei uns vorzuinstallieren, dürfte keine Erfolg versprechende Strategie sein, dafür ist die Marke Google zu stark und sind die Vorbehalte gegenüber chinesischen Dienstleistern noch zu groß.

2. Ist Google schuld bzw. kann Google etwas machen?

Nein, Google bzw. Alphabet sind US-Unternehmen und können diese politische Maßnahme – abgesehen von Lobbyarbeit – weder ignorieren noch in irgendeiner Form dagegen ankämpfen, selbst wenn sie es wollten.

3. Sind auch Honor-Geräte betroffen?

Ja. Honor ist zu 100 Prozent eine Huawei-eigenen Marke. Alle Einschränkungen betreffen damit auch Honor-Geräte.

4. Bekommt mein aktuelles Huawei-/Honor-Gerät noch Updates?

Ja, bestehende Geräte werden weiter mit App-Aktualisierungen und zumindest sicherheitsrelevanten Betriebssystem-Updates versorgt. Allerdings ist fraglich, wie lange. Letztlich besteht die Gefahr, dass der westliche Smartphone-Markt mit dieser Entscheidung ein „totes“ Business für Huawei ist. Für Huawei gibt es, aus einer rein betriebswirtschaftlichen Sicht, keinen Grund weiter Produktpflege zu betreiben, wenn man künftig keine Einnahmequellen in westlichen Märkten man mehr hat. Wir gehen davon aus, dass sich die Update-„Freude“ von Huawei mehr und mehr abkühlen wird, wenn sich an der politischen Lage nichts ändert.

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5. Ich habe mir gerade ein Huawei- bzw. Honor-Gerät gekauft. Kann ich mein Gerät zurückgeben bzw. Schadensersatz verlangen?

Nein, vermutlich nicht. Für Geräte, die bereits auf dem Markt sind, will Huawei weiter Updates liefern, insofern ist hier auch kein Gewährleistungsfall gegeben.

6. Was ist mit Huaweis „Geheimplan“?

Die Nachricht, Huawei habe einen Geheimplan und werde weitermachen, stammt aus einem internen Memo des Chefs von Huaweis Chipsparte HiSilicon, die unter anderem die Kirin-Prozessoren fertigen. Huawei versucht mit seinem eigenen Chip-Business seit Jahren, so unabhängig wie möglich von Zulieferern zu werden. Wie weit diese Bemühungen gediehen sind und wie autark Huawei als Unternehmen ist, ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Einige wichtige Komponenten in aktuellen Smartphones und Tablets werden zumindest von US- und westlichen Unternehmen gefertigt; eine sofortige Unabhängigkeit halten ich für wenig realistisch.

Stattdessen ist das Memo nach meiner Lesart im Wesentlichen als Durchhalteparole für die Mitarbeiter des Unternehmens zu verstehen. Zudem glauben wir, dass Huawei sich künftig verstärkt auf den chinesischen Markt konzentrieren wird.

7. Soll ich mir noch Huawei- oder Honor-Geräte kaufen?

Nein.

Als Sekundäreffekt der Entwicklung nehmen wir jetzt schon „Panikverkäufe“ von Huawei-Handys bei eBay-Kleinanzeigen und in ähnlichen Portalen wahr. Wer mit den Konsequenzen unsicherer Update-Versorgung leben kann, darf hier zugreifen. Abgesehen davon raten wir aber vom Kauf von Huawei- und Honor-Smartphones zum jetzigen Zeitpunkt deutlich ab – zumindest, solange sich politisch nichts ändert.

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8. Wie werden Huawei- bzw. Honor-Geräte in Zukunft aussehen?

Huawei wird Kompromisse bei den Komponenten und vor allem bei der Software eingehen müssen, vielleicht verabschiedet man sich auch generell von westlichen „Ökosystemen“ wie Android bei der Software und ARM bei der Hardware. In China wird Huawei weiter Handys auf den Markt bringen. Dort gab und gibt es aktuell keine Google-Services auf den Geräten, stattdessen eigene Ökosysteme für Apps, Payment und so weiter. Daran wird sich nichts ändern.

Es kann sein, dass man solche Huawei-Geräte in Zukunft auch in Europa, in Asien und Afrika kaufen kann. Da Google-Services aber bei uns ein wichtiges Verkaufsargument bei uns sind, werden sie nur dann eine Chance haben, wenn sie extrem günstig sind. Dass wir High-End-Flaggschiffe bei uns sehen werden, halte ich für wenig wahrscheinlich. Wie gesagt: Abhängig davon, ob die USA ihr Quasi-Embargo aufrecht erhalten.

Unterm Strich halte ich es für fraglich, ob Huawei in Europa ohne Google-Apps noch Chancen hat. Zudem übt die US-Regierung auch politischen Druck auf Europa aus, so ist nicht ausgeschlossen, dass sich Europa dem Embargo anschließt.

9. Welche Auswirkungen hat das Embargo gegen Huawei auf den Handy-Markt insgesamt?

Aktuell hat Huawei eine gewaltige Marktmacht. Sollte das Handelsembargo nicht beendet werden, ist ein Rückzug von Huawei aus dem Westen früher oder später wahrscheinlich.

Mit dem Wegfall eines so großen Players, der in allen Geräteklassen eine gewaltige Marktmacht auswirkt, wird es allerdings auch wieder Chancen für kleinere Unternehmen geben, nachzurücken. Es kommt also wieder etwas Bewegung in die Branche. Allerdings wird sich auch das Innovationstempo verlangsamen, die Preise durch nachlassenden Konkurrenzdruck tendenziell wieder ansteigen. Und: Eine allgemeine Unsicherheit, mit China Handel zu treiben, wird zurückbleiben. Gerade im Technologiesektor ist China allerdings ein essenzieller Partner.

10. Kann sich an der Misere noch ändern?

Unklar. Letztlich basiert das Handelsembargo auf „Beweisen“, die die Öffentlichkeit nie gesehen hat. Die Frage ist also, ob die USA Huawei wirklich als Gefahr in Sachen Spionage sehen oder China bzw. Huawei als staatsnahes Unternehmen ein unliebsamer Konkurrent ist, der auf diese Weise ausgeschaltet wird. Die US-Politik basiert derzeit zu einem nicht unerheblichen Teil auf dem erratischen Verhalten der US-Administration. Erratisch heißt aber auch: Schon morgen könnten sich die USA und China wieder auf einen Deal geeinigt haben und die Vorwürfe von heute sind vergessen.

Wir gehen davon aus, dass es in der aktuellen Stimmung der Eskalation zu wirtschaftliche Vergeltungsschlägen seitens China gegen die USA und ihren Bündnispartnern kommen wird. Wie diese aussehen und welche Konsequenzen diese haben werden, ist bislang nicht absehbar. Fakt ist, dass die westliche Welt im High-Tech-Sektor auf China angewiesen ist. Ob diese Tatsache Gegendruck erzeugt oder zu einer weiteren Eskalation beiträgt, wird zu beobachten sein.

Möglich und die für alle Seiten beste Lösung wäre sicher, dass sich Donald Trump und der chinesische Premier noch auf einen Deal einigen und die Handelsbeschränkungen aufgehoben werden. Stand heute erscheint das allerdings unwahrscheinlich.

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