Samsung Gear IconX im Test: kabellose Kopfhörer – trotzdem nichts fürs iPhone 7

Marco Di Lorenzo 4

Samsung erweitert seine Gear-Produktpalette mit Bluetooth-/Sport-Kopfhörern. Praktisch: Mit den IconX trackt ihr Workouts und hört eure Lieblingsmusik, während das Smartphone zuhause bleibt. Leider verbringen die Headphones, überspitzt formuliert, mehr Zeit in der Ladeschale als im Ohr. Und auch in Sachen Audioqualität müsst ihr Kompromisse eingehen. Warum, erfahrt ihr im Test.

Samsung Gear IconX im Test: kabellose Kopfhörer – trotzdem nichts fürs iPhone 7

Vor den IconX hatte ich lange keine Bluetooth-Kopfhörer mehr im Einsatz und nach dem Test wusste ich auch wieder, wieso. Doch zuerst will ich ein paar positive Aspekte beleuchten: Beim Umstieg auf drahtlose In-Ear-Hörer verspürt man sehr schnell ein Gefühl der Freiheit und Leichtigkeit: Kein Kabel, das man jedes Mal aufs Neue entwirren muss und das sich bei jeder Gelegenheit an Türgriffen, Jackenknöpfen oder an Taschen von Fremden verhängt.

Tatsächlich habe ich beim Tragen der Gear IconX oft vergessen, dass ich die Headphones im Ohr habe. Das mag nicht nur eine Folge des nicht vorhandenen Kabels, sondern vor allem des gelungenen Designs und Formfaktors sein: Der Gummibügel verkeilt sich im hinteren Teil während die Spitze sehr tief im Ohr sitzt – das sorgt für sehr stabilen aber auch angenehmen Halt. Sowohl Bügel als auch Gummikappen liegen in drei verschiedenen Größen bei, um die In-Ear-Kopfhörer perfekt an die Form und Größe seines Ohres anzupassen.

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Bedienung: intuitiv per Touchgesten

Die Samsung Gear IconX erkennen automatisch, dass sie ins Ohr eingesetzt werden, schalten sich ein und verbinden sich miteinander, aber auch – wenn vorhanden – per Bluetooth mit dem Android-Smartphone. An dieser Stelle sei gleich erwähnt: iPhones werden von den IconX nicht unterstützt. Musik und weitere Optionen lassen sich über die auf beiden Kopfhörern verbauten Touchpads ansteuern. Dabei ist egal, über welches die Eingabe erfolgt. Nach kurzer Eingewöhnung, werden die Befehle relativ genau erkannt: Per Swipe erhöht oder senkt ihr die Lautstärke. Ein Tap startet oder pausiert das Lied. Durch zwei kurze Berührungen hintereinander navigiert man einen Song nach vorne, durch drei geht es ein Lied zurück. Durch einen langen Druck gelangt man ins Menü. Ist gerade kein Smartphone gekoppelt, wird die im internen Speicher abgelegte Musik durch die Touchgesten gesteuert.

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Musik spielt Kabel-, aber auch Smartphone-los

Die IconX verfügen über einen internen Speicher von 4 GB, von dem ihr aber nur rund 3,4 GB für eure Musik zur Verfügung habt, das reicht immerhin für rund 1.000 Titel im MP3-Format. Um Musik auf die Headphones zu übertragen, müsst ihr diese in die Ladeschale einsetzen und jene dann mit eurem PC oder Mac per USB verbinden. Ein Satz zur benötigten Software: Der Gear IconX PC Manager wirkt sehr spartanisch und kann rein dazu genutzt werden, Audiodateien an die Kopfhörer zu übertragen – Tools, um seine Musikbibliothek zu verwalten oder auf den Geräten zu sortieren, gibt es nicht. Auch der Transfer über den regulären Dateimanager funktioniert nicht. Wer sich rein im Samsung-Universum bewegt, hat es besser: Besitzer eines kompatiblen Galaxy-Geräts können Musik per beigelegtem Adapter direkt vom Smartphone übertragen. Und wer auch ein Gear Fit 2 Sportarmband sein Eigen nennt, kann dieses zum Streamen der darauf abgelegten Musik mit den Bluetooth-Kopfhörern verbinden.

Die idealen Sportbegleiter

Konfiguriert und verwaltet werden die IconX über „Samsung Gear“. Wie bei unserem Test der Gear Fit 2 mussten wir auch hier feststellen, dass die App viele Smartphones offiziell nicht unterstützt und sich nicht über den Play-Store installieren lässt. Der Download und die Installation der App in Form einer APK-Datei schaffen Abhilfe.

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Da die IconX speziell als Sportkopfhörer konzipiert wurden, hat Samsung Pulssensoren integriert. Die Messung am Ohr ist viel genauer und zuverlässiger, als die per Tracker am Handgelenk, vorausgesetzt der Hörer sitzt fest im Ohr. Die Herzfrequenzmessung beginnt, sobald man über die Touchbedieung ein Workout startet. Dann wird man auf Wunsch in gewissen Intervallen auch über Distanz, Kalorienverbrauch, Durchschnittsgeschwindigkeit per Audioausgabe informiert. Einen umfassenden Überblick über eure Trainings bekommt ihr dann über die gratis verfügbare Samsung S-Health-App.

Akku: Mehr für Sprints als Marathonläufe geeignet

Theoretisch eignen sich die IconX also bestens, damit laufen zu gehen und das Smartphone zuhause zu lassen. Wer dabei durchgehend mit Musik berieselt werden will, sollte aber eher nur eine kurze Jogging-Runde als einen (Halb-)Marathonlauf einplanen: Nach rund 2 Stunden macht der pro Kopfhörer verbaute 47-mAh-Akku nämlich schlapp. Sind die Kopfhörer per Bluetooth gekoppelt und spielen Musik vom Smartphone ab – die wahrscheinlich häufigere Einsatzmethode – sind gar nur 1½ Stunden drin – mit aktiver Pulsmessung sogar noch weniger. Danach müssen die IconX in das mitgelieferte Etui und gepackt werden. Dieses ist stylisch und kompakt und passt zum Glück auch in die Hosentasche. Zwei LEDs informieren über den Ladestatus. Die Kehrseite: Der in der Schale integrierte 315-mAh-Akku schafft es, die IconX nur etwa zwei Mal vollständig aufzuladen – danach muss sie selbst an die Steckdose. Musikfetischisten, die den ganzen Tag unterwegs sind, werden damit wohl keine Freude haben.

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Klang: Nichts mit Wumms-Wumms!

Die Audioqualität der IconX ist gut … für Bluetoothkopfhörer. Mit vielen höherwertigen kabelgebundenen In-Ear-Headphones können sie aber dennoch nicht mithalten. Das liegt vor allem an folgenden Klang-Merkmalen:

  • Kaum Bass: Dieser Punkt ist sehr geschmacksabhängig. Viele Nutzer bevorzugen leichte Bässe. Ich konnte allerdings kaum tiefe Frequenzen wahrnehmen.
  • Flacher Sound: Auch ansonsten klingt der Sound sehr flach mit wenig Volumen. Und selbst wenn der Kopfhörer schon tief im Gehörgang steckt, klingt es noch immer so, als würde der Ton von sehr weit weg kommen.
  • Leise: User, die schon normale In-Ears am Anschlag hören, werden mit den IconX auch nicht glücklich: Die Maximallaustärke ist nämlich ziemlich niedrig.
  • Wenig Noise-Cancellation: Die Kopfhörer schotten Umgebungsgeräusche leider nur bedingt ab. Das hat Samsung bei der Konstruktion wohl auch gar nicht beabsichtigt. Im Gegenteil: Am Kopfhörer lässt sich ein Modus aktivieren, um Umgebungsgeräusche noch zu verstärken – im Sinne der Sicherheit wohlgemerkt.

Allzu schlecht darf man die Audioqualität aber nicht reden: Die einzelnen Tonfrequenzen klingen klar und natürlich. Krachen oder Rauschen ist selbst bei höchster Lautstärke nicht zu vernehmen. Auch das Telefonieren über die integrierte Freisprecheinrichtung funktioniert gut.

Fazit: Da geht noch mehr – vor allem für den Preis

Die Gear IconX sind in Schwarz, Weiß und Blau erhältlich. Im Samsung Store kosten sie 229 Euro, im freien handel Sind sie aktuell gelegentlich schon für unter 200 Euro zu finden.

Update: Aktuell bietet Samsung eine Rabattaktion an, bei der man sich praktisch die Mehrwertsteuer erspart. Somit sind die IconX momentan für rund 192 Euro erhältlich.

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Für wen sind die IconX besonders geeignet: Samsung-Galaxy-Besitzer, Sportbegeisterte, die beim Laufen gerne ihr Smartphone zuhause lassen, In-Ear-Fans, die lästige Kabel satt haben.

Für wen sich die IconX gar nicht eignen: iPhone-Nutzer, Fans von satten Bässen, Musikliebhaber, die den ganzen Tag durchgehend Sound im Ohr brauchen.

Die Samsung Gear IconX sind stylische In-Ear-Headphones, die sehr gut im Ohr sitzen. Die Bedienung ist manchmal etwas sensibel aber intuitiv. Der Sound geht in Ordnung, ist aber nichts Besonderes und arm an Bässen. Die Akkulaufzeit ist aus meiner Sicht der größte Haken an dem Produkt und könnte ein Grund sein, warum man nach kurzer Zeit mit den IconX wieder auch kabelgebundene Headphones umsteigt.

Für den Preis von 229 Euro UVP sind die Kopfhörer sicherlich kein Schnäppchen, aber immerhin billiger als das größte Konkurrenzprodukt, „The Dash“ von Bragi, die knapp 300 Euro kosten. Ob Apples für den Oktober erwartetes Konkurrenzprodukt, die AirPods, besser sind, muss sich noch erweisen. Mit einem UVP von 179 Euro sind sie zumindest günstiger und die angegebene Akkulaufzeit (5 Stunden pro Ladung, 24 Stunden im Case) stimmt ebenfalls zuversichtlich.

Wer ein Android-Gerät nutzt und auf Touch-Bedienung und Sport- und Pulsmessungs-Features verzichten kann, sollte sich „The Headphone“ von Bragi ansehen, die aktuell für 119 Euro zu haben sind.

Wertung

  • Klang: 3/5
  • Tragekomfort: 4/5
  • Hardware, Design & Funktionen: 5/5
  • Akku: 2/5

Gesamt: 67 %*

*Der Faktor „Klang“ bildet 50 Prozent der Gesamtnote.

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Video: Samsung Gear IconX

Samsung Gear IconX: Offizieller Spot.

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