Teamviewer Alternative AnyDesk: Der bessere Teamviewer?

Marco Kratzenberg 2

Eine TeamViewer Alternative sollte so nah wie möglich am Original sein. AnyDesk ist das Werk ehemaliger TeamViewer Entwickler und soll eine bessere Performance bei schärferer Darstellung bieten. Wir haben das Produkt angesehen.

TeamViewer wurde vor einiger Zeit für angeblich rund 1,1 Milliarden Dollar von einer Investorengruppe übernommen. Es gibt also mit Sicherheit einen lohnenswerten markt für gute Remote-Desktop-Software. „Dann sollte sie aber auch gut sein“, haben sich drei ehemalige Entwickler von TeamViewer gedacht und sich mit dem Produkt AnyDesk selbständig gemacht.

Aus Unzufriedenheit mit der verwendeten Technik und in fester Überzeugung, es besser machen zu können, machten sie ihre eigene Firma auf. AnyDesk soll schneller, besser, bunter, schärfer sein. Aber natürlich genauso leistungsfähig und einfach zu bedienen. Was an den Versprechungen dran ist, haben wir uns mal angesehen.

Die schnellere TeamViewer Alternative?

Eine Verbindung zweier Computer über das Internet hat einen engen Flaschenhals: Die Verbindungsgeschwindigkeit. Im Wesentlichen hängen das Arbeitstempo sowie die grafische Qualität vom Tempo ab, mit dem die Daten übertragen werden können. Denn jedes Mal und bei jeder Mausbewegung muss im Grunde der gesamte Bildschirm der anderen Seite zum steuernden PC übertragen werden. Logischerweise kann es dabei zu ruckligen Übertragungen und zu Verzögerungen in der Reaktion kommen.

Das muss allerdings nicht sein. Zumindest waren drei TeamViewer-Entwickler der Überzeugung, dass technisches Potential verschenkt wurde und sie es besser könnten. Aus diesem Grund trennten sie sich von ihrem früheren Arbeitgeber und machten sich in Stuttgart selbständig. Das Ergebnis ihrer Arbeit liegt jetzt vor und es kann sich durchaus sehen lassen.

AnyDesk verspricht, in der kinderleichten Bedienung ebenso einfach wie das Vorbild zu sein, doch dabei eine flüssigere Arbeit zu ermöglichen und gleichzeitig die Qualität der Bildschirm-Darstellung zu verbessern. Zu diesem Zweck nutzen sie einen Video-Codec namens DeskRT, der auf die Wiedernutzung von Flächen spezialisiert ist, die sich gar nicht verändert haben. Dadurch wird das Datenaufkommen bei der Übertragung verringert, was ein flüssiges Arbeiten ermöglicht.

Das Geheimnis liegt in der direkteren Zusammenarbeit zwischen Hardware und Übertragungssoftware. Durchschnittliche Bildwiederholraten von 60 Bildern pro Sekunde sollen so problemlos erreichbar sein. Und die Latenz, die Datenverzögerung bei der Übertragung, soll sich auf 16 Millisekunden senken lassen. Ein Benchmark zeigt, dass die TeamViewer-Alternative eine etwa doppelt so hohe Framerate wie TeamViewer schafft, während die Latenz nur ein Viertel beträgt. Damit ist AnyDesk deutlich schneller als der Marktführer und übertrifft auch die Leistung aller anderen Alternativen deutlich.

Wie gut ist die TeamViewer-Alternative?

Auch ohne Benchmarks wird schnell klar, dass AnyDesk als TeamViewer-Alternative bemerkenswert ist. Nach der Verbindungsherstellung arbeitet die Software in einem „ausgeglichenen“ Modus, der eine Balance zwischen Schnelligkeit und grafischer Darstellung bieten soll. Hier überzeugt bereits beides. Aber die Schnelligkeit leidet auch nicht, wenn man zu „Originalgetreu“ umschaltet. Die Reaktion der anderen Seite scheint nach wie vor ohne merkliche Verzögerung zu erfolgen.

Dadurch soll möglich werden, was bislang aussichtslos oder extrem unentspannt war: Stundenlanges Arbeiten mit grafisch komplexer Software über eine Remote-Desktop-Verbindung. Tatsächlich ist es problemlos möglich, auf dem gesteuerten PC ein Grafikprogramm aufzurufen und damit vernünftig zu arbeiten. Auch Office-Software kann endlich genutzt werden, ohne dass man Augenschäden riskiert.

Die Bedienung des Programms ist mehr als einfach. Nachdem es auf beiden Seiten gestartet wurde, was auch von einem USB-Stick möglich ist, bekommt jeder Teilnehmer eine sechsstellige ID. Unter der ist er von jedem AnyDesk-Client aus erreichbar. Wenn mal also, telefonisch oder sonst wie, diese ID weitergegeben hat, kann die andere Seite den PC „anwählen“. Nachdem die andere Seite die Verbindung bestätigt und ggfs. noch entschieden hat, was der steuernde PC darf, kann es losgehen.

Das AnyDesk-Fenster erinnert an einen Browser, in dem der gesamte Bildschirm der anderen Seite verkleinert dargestellt wird, um eventuelle Auflösungsunterschiede zu kompensieren. Doch bereits in diesem Modus überzeugt die TeamViewer-Alternative durch eine brillante Darstellung und hohes Arbeitstempo. Die Leistung ist sehr überzeugend und lässt sich in einem gesonderten Menü noch den Gegebenheiten anpassen.

Durch die systemübergreifend funktionierende Zwischenablage lassen sich Dateien auf einfache Weise bereits zwischen den Computern übertragen. Eine Zusammenarbeit im Team ist ebenfalls möglich, da auch die Übertragung und Darstellung zweier Mauszeiger unterstützt wird.

TeamViewer Alternative mit kleinen Startproblemen

Was Windows angeht, ist AnyDesk auf jeden Fall eine TeamViewer-Alternative, wenn nicht sogar ein TeamViewer-Ersatz! Aber das war’s dann auch schon erst einmal. Denn für die anderen Betriebssysteme gibt es noch keine AnyDesk-Version. Auch kommerzielle Versionen bzw. Tarife sind derzeit noch nicht erhältlich.

Allerdings ist all das in Planung. Man darf nicht vergessen, dass die erste Version von AnyDesk erst im Mai 2014 freigegeben wurde. Die hier besprochene Free-Version darf nicht kommerziell genutzt werden, ist aber für die gelegentliche Fernwartung kostenfrei. Später sollen eine Lite-, Professional- und Enterprise-Version folgen, die dann auch mehr Features haben.

Wann es Clients für andere Betriebssysteme als Windows geben wird, ist derzeit noch nicht zu erfahren. Aber wir können damit rechnen, dass sie kommen werden. Welche Features geplant oder bereits in Entwicklung sind, erfährt man im Forum der Firmenwebseite. Da ist z.B. auch zu lesen, dass Direktverbindungen über das LAN oder ein Proxy-Support geplant sind.

Zum Thema: HyperTerminal unter Windows 7 einrichten

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