Sind Blaufilter in Kamera, Handy, PC und Brille sinnvoll?

Marco Kratzenberg

Zuletzt wurden Blaufilter als „das wichtige Ding für gesunde Augen und Schlaf“ in Handys propagiert. Und während manche sie auch in Brillen tragen, haben sie als Kamera-Blaufilter eher technische Gründe. Wir erklären euch, was sie bewirken und welchen Sinn das hat.

Blaues Licht gab es in der Natur und unserer Umwelt schon immer. Blaufilter wurden vor allem von Fotografen eingesetzt, sind aber bei Digitalkameras eigentlich nicht mehr unbedingt nötig. Doch die Zunahme neuer Leuchtmittel, wie LEDs oder Energiesparlampen, hat auch für einen Anstieg des blauen Lichtanteils gesorgt, und da dieses Licht tatsächlich Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat, sollte man es möglichst abmindern. Dafür gibt es „echte Blaufilter“ in Brillen und an Kameras sowie „künstliche Blaufilter“ bei Handy-Displays und Computerbildschirmen.

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So stört oder schadet blaues Licht

Vor nicht allzu langer Zeit wurde blaues Licht noch als Heilmittel gegen Winterdepressionen, zur Unterstützung unserer biologischen Uhr und ganz allgemein als Stimmungsaufheller betrachtet. Jetzt gilt es plötzlich als schädlich, soll zu Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen führen und gemieden werden. Blaufilter gehören als „Nachtmodus“ zu Windows 10 und vielen Smartphones. Was von beidem ist also wahr?

Die Antwort lautet: Beides ist wahr – es kommt auf die Art und Menge des Blaulichts an. Zu viel blaues Licht kann zu bleibenden Augenschäden führen. Aus diesem Grund sollte man beispielsweise im Gebirge bei Sonnenstrahlung und Schneeflächen immer Sonnenbrillen tragen.

Aber blaues Licht kann auch positive Eigenschaften haben – die aber nicht immer gewollt sind. Wie eingangs erklärt, wird blaues Licht auch absichtlich als Stimmungsaufheller und Muntermacher verwendet. Genau das stört aber den Schlaf, wenn man abends noch lange auf Monitore oder Handydisplays starrt. Der Blaulicht-Anteil putscht euch auf. Er bedeutet für das Hirn, dass ihr euch eigentlich in einer Wachphase befindet und aktiv bleiben solltet. Mit dem Sehen hat das nichts zu tun. Ein Großteil blinder Menschen kann feststellen, ob eine blaue Lichtquelle an- oder ausgeschaltet ist.

Blaufilter an Handys, Tablet und Computern sind sinnvoll

Angesicht dieser Auswirkungen sollte man einen Blaufilter am Handy, Tablet oder Laptop aktivieren, wenn er angeboten wird. Bei manchen Handys, Tablets und Windows 10 könnt ihr dabei auch gleich einen Zeitplan festlegen, an dem der eingebaute Blaufilter aktiv wird. Wir haben an anderer Stelle erklärt, wie ihr den Blaufilter beziehungsweise Nachtmodus in Windows 10 aktiviert.

Ihr solltet ihn speziell in den späteren Abendstunden, mindestens aber etwa 2 Stunden vor dem Zubettgehen aktivieren. So vermeidet ihr, dass die muntermachenden Botenstoffe durch das Blaulicht aktiviert und ausgeschüttet werden, was einen erholsamen Schlaf noch besser ausbremsen kann, als eine Tasse Kaffee.

Das bewirken Blaufilter an Kameras

Wie beispielsweise auch ein UV-Filter, sind Blaufilter an Digitalkameras nicht wirklich notwendig. Das liegt daran, dass ihr im Prozess des Weißabgleichs störendes blaues Licht gleich „wegregeln“ könnt. Das Problem: Nur die wenigsten Kameranutzer machen vor ihren Aufnahmen einen automatischen Weißabgleich.

Auch analoge Kameras können nach wie vor einen Blaufilter gebrauchen, um die Aufnahmen farbechter oder teilweise sogar farbintensiver zu machen. Generell sollen Blaufilter einen etwaigen Rotstich beseitigen, der im Tageslicht, aber auch durch Blitzlampen auftreten kann.

Blaufilter werden in Verbindung mit Kameras auch ganz anders eingesetzt: Statt die einfallenden Lichtstrahlen zu filtern, können Blaufilter vor dem Blitz für spezielle Lichteffekte sorgen.

Unser Video erklärt euch, wie ihr an einer Kamera einen korrekten Weißabgleich durchführt:

Manueller Weißabgleich.

Wofür sind Blaufilter-Brillen?

Brillen mit Blaufilter sind ein bisschen schwer zu vermitteln. Einige tragen sie, um augenschädlichen Strahlen im Alltag zu entgehen – vorsichtshalber. Es gibt keine Beweise dafür, aber immerhin einen „begründeten Verdacht“. Etwas seltsam wird das Ganze, wenn Gamer sie zur Verbesserung der Sicht tragen.

Tatsächlich aber arbeiten die guten Blaufilter-Brillen selektiv. Sie filtern das Licht der Wellenlänge 380 bis 440 nm und lassen den ebenfalls blauen Bereich von 450 bis 500 nm unangetastet. Ob das sinnvoll ist und Blaufilter überhaupt benötigt werden, ist vermutlich eher eine Glaubenssache. Es kann aber beispielsweise die „Software-Blaufilter“ von Handys ersetzen. Wer also spät abends auf einem Smartphone durchs Netz surft, der kann eine dieser Brillen nehmen, wenn sein eigenes Gerät keinen Nachtmodus bietet.

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