Cyberpunk 2077 hatte einen mehr als kontroversen Launch. Das lag zum einen am Zustand des Spiels zum Release, zum anderen aber auch an den unerfüllten Erwartungen der Fans. Ist Cyberpunk ein Jahr später nun auf Kurs?

 
Cyberpunk 2077
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Cyberpunk 2077

Falls der Satz „Der Hype ist real“ jemals Bestand hatte, dann bei Cyberpunk 2077. Es brauchte schon mehrere Verschiebungen, damit die Fans des Marketings langsam müde wurden und das, obwohl CD Projekt Red in dem Bereich geklotzt und nicht gekleckert hat. Der Release am 10. Dezember 2020 war dann für viele eine große Enttäuschung. Ein unfertiges Spiel, fragwürdige Aussagen zur Performance auf Last-Gen-Konsolen, die Probleme beim Umtausch und in Konsequenz die Entfernung aus dem PlayStation Store. Kurzum: Niemand war zufrieden.

Genau ein Jahr später schauen wir uns mal an, wo Cyberpunk gerade steht, wo es hingeht und ob es Dinge gibt, die vielleicht nicht einfach gepatcht werden können.

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„99 little bugs in the code ...“

Okay, es waren mehr als 99 und sie waren nicht klein. Cyberpunk war zum Release ein richtiges Bug-Fest. Wilde Animationsfehler (T-Pose), kollidierende und explodierende Fahrzeuge auf den Straßen, in der Luft schwebende Objekte und die wieselflinken Cops von Night City sind nur ein paar Beispiele. Dazu kamen auch diverse „game breaking“ Bugs, die hin und wieder das Weiterspielen unmöglich machten.

Nach einem Jahr ist Cyberpunk an der Stelle ein gutes Stück weiter, wenn auch noch lange nicht fertig. Gleiches gilt auch für die Performance. Auf dem PC lief Cyberpunk schon zum Release relativ gut. Das war im Vergleich zu den Basis-Versionen von PS4 und Xbox One aber auch kein Kunststück, dort war das Spiel so gut wie unspielbar. Das hat sich mittlerweile ebenfalls geändert, auch wenn es für die genannten Konsolen nach wie vor nicht zu empfehlen ist. Auf der PS4 Pro und Xbox One X sieht es schon deutlich besser, auf den Next-Gen-Konsolen läuft allerdings dieselbe Version in „Ein bisschen besser“, denn die Versionen für PS5 und Xbox Series X|S hat CDPR ins Jahr 2022 verschoben.

DLCs und Erweiterung

Apropos Verschiebungen: Im Laufe des Jahres 2021 hat sich die ohnehin schon sehr vage Roadmap stark verändert. Technisch gesehen hat CDPR die kostenlosen DLCs noch dieses Jahr wie angekündigt geliefert. Diese bestanden aus zwei Jacken, einem Auto und einem alternativen Look für Johnny Silverhand. Das sind eher magere zusätzliche Inhalte. Dinge wie ein New Game+ oder neue Quests kommen also auch erst im Jahr 2022. Gleiches gilt für erste kostenpflichtige Erweiterungen, bei denen sich viele ein ähnliches Format wie bei den The-Witcher-3-Addons erhoffen. Aber auch das kommt irgendwann nächstes Jahr, vom ominösen Multiplayer-Modus wollen wir gar nicht erst anfangen.

Eines wird bei dieser Betrachtung klar: CDPR musste das vergangene Jahr die meiste Zeit in Bugfixes und Performance-Verbesserungen investieren und hatte kaum Zeit, an irgendetwas Neuem zu arbeiten. Es wartet auch dieses Jahr noch Arbeit, um das Spiel auf ein Level zu bringen, dass es zum Release zumindest schon hätte erahnen lassen sollen. Die Erwartungen dürften erst mal nicht so hoch sein. Außerdem muss CDPR das verlorene Vertrauen zurückgewinnen. Vielleicht folgt dann sogar auch der Aktienkurs.

Was ist denn mit dem eigentlichen Spiel?

Bei den Kontroversen um Bugs und Performance kam meiner Meinung nach die inhaltliche Auseinandersetzung mit Cyberpunk 2077 zu kurz. Vor einem Jahr saß ich wie viele nachts vor dem PC und wollte direkt starten. Ich bin weder Grafik-Fetischist noch beiße ich direkt in die Tastatur, wenn mal eine Animation nicht das macht, was sie soll. Doch auch für mich haben die vielen Probleme die Spielerfahrung getrübt, was für mich ein Grund mehr war, erst nach einem Jahr nochmals nach Night City zurückzukehren.

Diese Rückkehr hat für mich mehrere Dinge bestätigt. Cyberpunk ist im Kern ein gutes Spiel und hat gerade in den Nebenquests um River, Panam und Judy ein paar echt fesselnde Geschichten und Charaktere. Am meisten stört mich aber nach wie vor mein eigener Charakter. Die Lebenswege fühlen sich nach wie vor hohl an und Vs Entwicklung als Figur findet nicht einmal äußerlich statt.

Cyberpunk 2077 bietet gleich mehrere Ausgänge für die Geschichte:

Die Lebenswege sollten die Grundlage für den Charakter werden. Leider werden alle drei Wege in kürzester Zeit abgehandelt. Die Phase, in der V von seinem oder ihrem Ursprung als Nomad, Corpo oder Streetkid zu einem Söldner oder einer Söldnerin wird und die Beziehung zu Jackie dargestellt werden könnte, wird dann in einem Zeitraffer verschwendet. Am Ende bleiben dann vom Lebensweg ein paar unterschiedliche Dialog-Optionen über. Da wäre mehr drin gewesen.

Ich kann V nicht mal durch einen Look etwas Identität geben. Einmal erstellt, gibt es keine Möglichkeit mehr, den Charakter zu verändern und das in einer Welt, in der äußerliche Modifikationen eine so große Rolle spielen. Ich wollte meine „Corpo-Drecksau-V“ zu einer stylishen Söldnerin mit Katana machen, die ihren Konzerner-Stil zwar optisch behalten hat, aber nun den Menschen hilft, anstatt sie zu benutzen. Ich kann zwar als meistens „gute“ V durch Night City streifen, sehe dabei aber aus wie eine wandelnde Altkleidersammlung mit Küchenmesser, weil diese Ausrüstung nun mal die Beste ist, die ich gerade habe.

Klar könnte ich Ressourcen oder Eddies sammeln und coole Sachen herstellen und kaufen, das dauert aber ein bisschen. Ich hab einen Bio-Chip im Kopf, der mein Hirn aufrisst, soll heißen, mein Charakter hat nicht ewig Zeit und die Open World killt die erzählte Zeit schon genug. Cyberpunk ist doch immer noch ein Rollenspiel, oder?

2021 war noch mehr los als Bugfixes bei Cyberpunk. Was uns begeistert hat, erfahrt ihr hier:

Cyberpunk 2077 ist langsam in einem Zustand, der erkennen lässt, welches Spiel hinter all den Bug und enttäuschten Erwartungen steckt. Dort finden wir nun tolle Geschichten, verschenktes Potenzial und die Erkenntnis, dass hier noch einiges an Arbeit nötig ist, der Weg aber zu stimmen scheint.