Die Deutsche Bahn hat das Aus der traditionellen Fahrkarte angekündigt. Künftig sollen Fahrgäste ihre Tickets an Board eines Zugs nur noch digital erwerben können. Für diesen Plan hagelt es jedoch Kritik aus den eigenen Reihen.

Deutsche Bahn verkauft unterwegs nur noch digitale Tickets

Die Deutsche Bahn (DB) will zum kommenden Jahr ihren Fahrkartenverkauf modernisieren. Ab 1. Januar 2022 sollen keine Tickets mehr im Zug verkauft werden. Stattdessen können Fahrgäste dann an Board nur noch digital einen Fahrschein lösen. Das stößt allerdings auch auf Gegenwind.

Die Fahrkarten sollen nur noch in der App der Deutschen Bahn gekauft werden können – bis zu 10 Minuten nach Abfahrt. Wer es bis dahin nicht geschafft hat, fährt schwarz. Das digitale Nachlösen kostet dabei extra: 7,50 Euro sind es aktuell, nochmals 3 Euro sollen dazukommen. Die DB erhofft sich von der Maßnahme laut Tagesschau eine Entlastung des Boardpersonals.

Gewerkschaft kritisiert Plan für digitale Fahrkarten

Allerdings besteht darüber wohl keine Einigkeit: Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kritisiert den Vorschlag und hat nach eigenen Angaben dafür gesorgt, dass die Pläne der DB bis zum Jahreswechsel verschoben werden. Zuvor sei der 1. Oktober 2021 gesetzt gewesen. Die EVG befürchtet, dass die Umstellung die Angestellten eher zusätzlich belasten werde: „Diese unternehmerische Entscheidung halten wir für falsch. Für unsere Kolleg*innen befürchten wir am Ende mehr Konfliktpotenzial auf den Zügen“, erklären die Gewerkschaftler. Sie fordern, die zusätzliche Zeit für Aufklärung zu nutzen, die Entscheidung nachvollziehbar zu machen und so den Wechsel im Januar vorzubereiten.

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Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht es entspannt: Das Angebot würde selten genutzt und wenn doch, dann von „Geschäftsleuten, denen es auf das Geld nicht ankommt und die zwei Handys dabei haben“, so der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. Solche Fahrgäste könnten ohne Weiteres online ihre Tickets nachlösen. Problematisch könnte es allerdings bei Kunden werden, die wegen des Alters oder etwa einer körperlichen Einschränkung auf Hilfe angewiesen sind. Für solche Fälle sollte die DB Vorkehrungen treffen und Kulanz an den Tag legen.