Elektroautos gelten als entscheidender Beitrag auf dem Weg zu einer klimaneutralen Mobilität der Zukunft. Um dort hin zu gelangen, braucht es zwangsläufig auch eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur. Während in diesem Bereich Deutschland einiges aufzuholen hat, ist es wieder einmal E-Auto-Pionier Tesla, der zeigt, dass es auch anders geht. Denn Teslas können inzwischen sogar am Mount Everest laden.

 

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Teslas neues Prestigeprojekt: ein Supercharger am Mount Everest

Tesla ist mal wieder ein öffentlichkeitswirksamer Coup gelungen: In China soll der E-Auto-Hersteller eine Reihe neuer Supercharger eröffnet haben. Eine der 11 neuen, konzerneigenen Schnellladestationen soll nur wenige Kilometer entfernt vom Basecamp des Mount Everests gebaut worden sein, berichtet das Tesla-Magazin Teslarati. Man bezieht sich dabei auf Informationen von Tesla China.

Prestigeträchtiger kann eine Ladestation wohl kaum positioniert werden. Denn das bedeutet: Mit dem Tesla kann man bis zum höchsten Berg der Welt fahren. Zumindest wenn Witterung und andere Umstände es zulassen, aber am mangelnden Strom wird es nicht liegen. Nicht schwer zu erraten, dass das gute Publicity für den Hersteller abgibt.

Und doch muss man sich fragen: Geht in diesem Fall Effekthascherei vor tatsächlichem Nutzen? Wie groß ist der Bedarf für Fahrer von Teslas E-Autos an einem Supercharger am Mount Everest? Sicherlich gibt es China Orte, an denen mehr Fahrer etwas davon hätten. Das Gleiche gilt auch für Deutschland. Ob es ein Tesla-Supercharger ist oder eine öffentliche Ladestation – in und um München oder Berlin gibt es reichlich Auswahl, während etwa Bielefeld leer ausgeht, zumindest bei Tesla.

Im Video: Nicht nur schnell laden, auch allein fahren sollen Teslas können. Das behauptet zumindest der Hersteller.

Tesla 3 fährt selbstständig (Herstellervideo)

In Deutschland kommen 13 E-Autos auf eine Ladestation

Denn das Bespiel von Tesla am Mount Everest zeigt auch: Es ist möglich, Ladestationen für E-Autos an „abgelegenen“ Orten aufzubauen. Es muss nicht immer die Großstadt sein, auch in kleineren Städten oder auf dem Land ist der Bedarf da – und die Möglichkeit. Das muss doch auch in Deutschland möglich sein.

Insgesamt kommen hierzulande aktuell 13 E-Autos auf eine öffentlich zugängliche Ladestation. Die Zahl der Elektrofahrzeuge pro Ladesäule hat sich damit in zwei Jahren mehr als verdoppelt, 2018 waren es noch 6 – und das, obwohl der Ausbau der Ladeinfrastruktur bereits an Geschwindigkeit zugelegt hat. Nur eben lang nicht so sehr, wie es die Neuzulassungen der E-Autos getan haben, wie eine Auswertung von Statista zeigt. Die Folge: An den bestehenden Ladestationen wird es eng.

Die Grafik von Statista zeigt, wie die Anzahl der Ladepunkte in Deutschland gewachsen ist (Bild: Statista / European Alternative Fuels Observatory).

Das gleiche Bild zeigt sich beim Blick auf die Übersichtskarte des Ladesäulenregisters: Die Stationen sind in Großstädten und an Autobahnen. Letzteres macht Sinn, Ersteres nur bedingt, denn auch in den Dörfern, auf dem Land gibt es Bedarf. Zumal man in Großstädten auch viel eher komplett aufs Auto verzichten kann. Die Geschichte wiederholt sich: Mobilfunk, Glasfaser, E-Ladestationen, wann immer von Netzausbau die Rede ist, hinkt der „ländliche Raum“ hinterher.

Deutschland und auch Tesla selbst sollten sich bei Tesla eine Scheibe abschneiden

Tesla zeigt zwar am Mount Everest, dass es technisch möglich ist, aber auch die Karte bestehender Supercharger weist darauf hin: Offenbar ist das Interesse am Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht so groß, dass man flächendeckend baut. Gewaltige Löcher zeigen sich etwa zwischen Hannover und Berlin oder im hessischen Hinterland. Auch in Bayern oder an der Ostsee kann es schon mal knapp werden. Deutlich besser sieht es hingegen im urbanen Ruhrgebiet aus.

Ob nun Tesla, Ionity, oder Innogy – Anbieter von Ladekonzepten gibt es genug, auch andere Autohersteller bauen das Netz bereits aus. Es wäre doch mal erfrischend, wenn man sich neben den Großstädten und prestigeträchtigen Ladeplätzen auch um Standorte im Ländlichen kümmert – und nicht erst, wenn alle anderen doppelt und dreifach versorgt sind.

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