Smart-TVs sind seit einigen Jahren in aller Munde. Ein Fernseher ohne Internet-Anschluss? Heutzutage nicht mehr vorstellbar und von Herstellern wie Samsung und Co. eigentlich auch nicht mehr zu bekommen. Ich finde jedoch, TVs müssen wieder „dumm“ werden, aus guten Gründen.

 
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Wie ich noch mit einem „hundealten“ TV von LG leben kann

Mein TV-Gerät von LG hat schon einige Jahre auf dem Buckel, zumindest nach den heutigen, sehr schnelllebigen Maßstäben. In über sechs Jahren kann ja auch viel geschehen. Anfang 2015 war beispielsweise noch das iPhone 6 der Traum aller Apple-Fans und die PS4 hatte auch gerade mal ein Jahr zum Warmlaufen hinter sich. Für nicht wenige Mitmenschen gehören diese technischen Zeitzeugen schon zum alten Eisen, doch mein Fernseher läuft und läuft.

Das Design stets schick und manchem Neugerät überlegen, Auflösung und Bildschirmgröße (Full-HD, 47 Zoll) für mich absolut ausreichend. Zudem ist der Ton für die gute Stube gut genug. Was jedoch überhaupt nicht mehr up-to-date ist, ist der sogenannte „smarte“ Teil des Fernsehers – das Betriebssystem (eine frühere Iteration von webOS für LG) schleichend langsam. Selbiges gilt für Apps, beispielsweise von Streaming-Diensten. Anfangs nutzte ich die noch, doch schon bald sattelte ich um.

Um beim Smart-TV-Erlebnis mithalten zu können, kaufte ich mir nämlich keinen komplett neuen Fernseher, sondern immer den jeweils aktuellen Fire TV Stick von Amazon. Aktuell verrichtet das 4K-Modell des Fire TV Sticks seinen Dienst bei mir. Nicht wegen der potenziell höheren Auflösung, die mir ja nichts bringt, sondern wegen der Rechenpower und der damit verbundenen Geschwindigkeit.

Das Betriebssystem des LG-TVs sehe ich nur noch, wenn ich zwischen den Eingängen wechsle und die Lautstärke ändere. Auch das TV-Signal kam und kommt von einem externen Kabelreceiver. Kurzum: Aus dem einstigen Smart-TV wurde ein dummes, aber immer noch wunderbar funktionierendes Display mit Lautsprechern.

Mit einem Fire TV Stick wird ein alter Smart-TV wieder in die Jetztzeit geholt. Nützlich sind dabei die folgenden Hinweise im Video:

Tipps für deinen Amazon Fire TV Stick – TECHtipp Abonniere uns
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Hey Samsung und Co: Der modulare TV muss endlich her

Dies bringt mich auf eine Idee: Warum soll ich eigentlich immer einen komplett neuen Fernsehern kaufen, warum können die Hersteller Display und „Herz“ nicht voneinander trennen? Quasi äquivalent zum PC, bei dem man modular ja auch Display und Rechner wählt und bei Bedarf jeweils austauscht.

Grundsätzlich wäre dies auch bei Fernsehern möglich. Einen ersten, vorsichtigen Ansatz für eine solche Überlegung gibt's bereits bei Samsung unter anderem mit „The Frame“. Der TV im Bilderrahmen-Design besitzt nämlich eine externe Box, die mit dem Display nur per dünnem Kabel verbunden ist und sämtliche Anschlüssen parat hält.

Denkt man dies weiter, könnte in einer solchen Box auch die gesamte Rechenpower des TV untergebracht werden. Bei Bedarf wäre es dann möglich, allein dieses Teil auszutauschen, das Display jedoch findet weiterhin Verwendung.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Für den Anwender und die Welt an sich hätte dies viele Vorteile: Man muss sich eben nicht jedes Mal einen komplett neuen Fernseher kaufen – spart Geld und ist voll und ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. So gibt's weniger Müll und man verliert dennoch nicht den Anschluss – im wortwörtlichen und übertragenen Sinne.

Hier drin könnte doch in Zukunft auch das eigentliche Herz des TVs stecken (Bild: Samsung One Connect Box).

Doch ich höre schon die Unkenrufe: So etwas setzt sich nie durch. Damit verdienen die Hersteller weniger Geld. Oder auch: Wo ist dein Problem? Kauf dir doch einfach weiterhin einen Fire TV Stick oder neuerdings die Alternative von Roku.

Alles richtig, doch warum sollte ich jedes Mal einen gehörigen Teil eines TVs mit bezahlen, wenn ich doch einfach nur das „Herz“ tauschen möchte? Oder auch umgekehrt. Das Display gibt den Geist auf, also wird auch nur dieses Modul gegen ein Neues ersetzt und nicht der Rest mit gekauft. Ich gebe zu, der modulare Gedanke erfordert Mut von beiden Seiten – Herstellern und Kunden. Doch Hand aufs Herz: In anderen Bereichen geht's auch. Oder kaufen wir etwa alle nur noch iMacs und ähnliche All-in-One-Rechner und tauschen die dann immer komplett aus? Ich denke nicht.