Einerseits wird Apple fürs eigene Produktdesign seit Jahren gelobt und gefeiert, anderseits wird häufig eine gewisse Ideenlosigkeit kritisiert. Ist Apple also langweilig oder am Ende vielleicht auch einfach nur genial? Meine Meinung dazu gibt's jetzt in der aktuellen Ausgabe der Wochenendkolumne.

 
Apple
Facts 

Apples konservatives Produktdesign in der Kritik

Mittlerweile dürfte es sich herumgesprochen haben. Apple verfolgt bei der Aktualisierung des eigenen Produktdesigns einen eher konservativen Ansatz und scheut kurzlebige Experimente. Beispiele hierfür finden wir zuhauf.

  • Die Apple Watch 7 schaut trotz gewachsenen Displays letztlich noch genauso aus wie das Original, welches uns Apple bereits im Herbst 2014 erstmals präsentierte.
  • Das iPhone SE ist quasi ein recyceltes iPhone 8, dessen ursprüngliches Design geht aufs iPhone 6 zurück, ebenso wie die Apple Watch aus dem Jahr 2014 stammend.
  • Das erst kürzlich vorgestellte iPad der 9. Generation besitzt sichtlich alle Grundelemente (Ränder, Homebutton) eines ursprünglichen Apple-Tablets, quasi ein seit einer Dekade unverändertes Design.
  • Und das iPhone 13? Äußerlich kaum vom iPhone 12 zu unterscheiden. Zudem gehen die grundsätzlichen Design-Gene noch immer aufs iPhone X zurück.
  • Auch das Erscheinungsbild eines MacBook Air beziehungsweise ein MacBook Pro hat sich seit vielen Jahren grundlegend nicht geändert.

Kurzum: Nicht wenige Zeitgenossen haben das untrügliche Gefühl, Apple stelle immer nur die gleichen Geräte vor. Halt mit aktueller Technik, aber in längst bekannten Formen – neuer Wein in alten Schläuchen. Besonders nach einer Keynote auf einem Apple-Event kommt da Frust bei einigen auf. Da wird schon mal gerne und laut über Apples gelebte Langeweile geschimpft.

Das iPhone SE ist ein sehr gutes Beispiel für Apples konservativen Ansatz – hier im Video zu sehen:

iPhone SE (2020): Apples Produktvideo

Bei der Konkurrenz, vor allem im Handy-Segment, dreht sich hingegen scheinbar das Rad der Innovation mit Lichtgeschwindigkeit. Da werden neue Formen mehrmals pro Jahr unters Volk geschmissen und mit neuen Designansätzen experimentiert.

Design vs. Mode

Macht Apple also was falsch und ruht sich nur auf den eigenen Lorbeeren aus? Der Verdacht liegt nahe, ist meiner Meinung nach aber unbegründet. Ihm liegt nämlich eine falsche Annahme zugrunde. Ein neues Design ist nicht per se innovativ. Dies trifft nur dann zu, wenn es für eine geänderte Form auch einen guten Grund gibt. Der sollte stets in der Funktion zu suchen sein. Alles andere sind nur Modeerscheinungen.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Wer diesen als Hersteller nacheifert, der entwertet das eigene Produktportfolio und zwar indem er ältere Geräte aus einem falsch verstandenen Zwang heraus mutwillig alt aussehen lässt. Apple denkt darüber glücklicherweise anders und die Kundinnen und Kunden sind darüber glücklich.

Steve Jobs kannte die Essenz eines guten Designs, Apple eifert dem Firmengründer bis heute nach – im Video ein Rückblick :

Apples Huldigung an Steve Jobs

Die Kritiker dagegen bewegen sich oftmals in einer eigenen Blase. Verfolgen täglich die Neuheiten der Tech-Welt und gieren nach Neuheiten – egal, ob sinnvoll oder nicht. Doch außerhalb dieser Sphäre gibt's tatsächlich noch Menschen, die interessieren sich nicht für iPhone, iPad und Co. an sich, sondern für deren grundlegende Funktion. Sie verfolgen einen Zweck, die Geräte sind dafür das notwendige Werkzeug.

Steht dann eine Neuanschaffung an, ist man froh darüber, etwas Vertrautes zu finden. Man muss nicht alles neu erlernen und fühlt sich daheim. Apples konservativer Design-Ansatz kommt dem entgegen. Ein Anker der Ästhetik in einer sich sonst ständig veränderten Welt. Manche mögen dies langweilig nennen, für mich ist Apple jedoch einfach nur genial und hat die eigentliche Essenz von Produktdesign verstanden.