Das popkulturelle Highlight der Woche war sicherlich der erste Weltraumflug des Amazon-Gründers Jeff Bezos. Doch war es dies auch aus wissenschaftlicher Sicht? Da habe ich so meine Bedenken. Deutlich wird dies besonders beim entscheidenden Größenvergleich. Anschaulich dargestellt in der aktuellen GIGA-Wochenendkolumne.

 

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Zugegeben, die Inszenierung des ersten bemannten Raketenstarts von Blue Origins „New Shepard“ mit anschließender Kapsellandung hatte schon was. Da fliegen also einer der reichsten Männer dieser Welt, sein Bruder, die älteste Astronautin und gleichzeitig auch der jüngste Astronaut ins All – klingt verdammt nach Hollywood. Für Jeff Bezos ein Heidenspaß, für die liebreizende, ältere Wally Funk die Erfüllung eines Lebenstraums. Doch was hat es gebracht?

Musk vs. Bezos: Der Amazon-Gründer geht dorthin, wo schon viele waren

Meiner Meinung nach die Erkenntnis, dass mit genügend Geld und Wille vieles erreichbar ist, auch ohne staatliches Zutun. Nur ist dies genug? Machen wir uns nichts vor, neue Erkenntnisse können wir uns von der aktuellen Unternehmung des Amazons-Gründers nicht versprechen. Bezos geht dorthin, wo einige schon zuvor gewesen sind. Neue Welten erobert man so nicht, dafür aber neue Märkte – speziell touristische. Mit weiteren Projekten wird man später auch eine Weltraum-Spedition (Satelliten) aufbauen.

Hier könnt ihr den Flug nochmals miterleben:

Wissenschaftlich fliegt Bezos also im bekannten Fahrwasser, ebenso wie der zuvor gestartete Richard Branson, bei dem man sich auch streiten kann, ob der überhaupt in den Weltraum flog. Zur Erinnerung: Für Profis geht's erst bei 100 Kilometer Höhe los, den US-Amerikanern dagegen genügen schon etwas mehr als 80 Kilometer. Was uns auch schon zum Eingangs erwähnten Größenvergleich bringt. Sehr anschaulich macht diesen der von mir sehr geschätzte Astrophysiker Neil deGrasse Tyson mit seinem lesenswerten Tweet. Folgend die Erklärung.

Auf die Größe (des Abstands) kommt es an

Nun kann man sich noch den von Bezos (106 Kilometer) und Branson (86 Kilometer) zurückgelegten Abstand zur Erde gut vorstellen, doch größere Entfernungen kann das menschliche Gehirn schon wesentlich schwerer einordnen. Also stellen wir uns doch einfach mal die Relationen im Maßstab vor. Als Größenbasis dient ein normaler Schulglobus. Mit welchen Entfernungen verschiedener Objekte müssten wir rechnen?

  • Mars wäre ganze 1,6 Kilometer vom Klassenzimmer beziehungsweise dem Globus entfernt.
  • Der Mond wäre immer noch ganze 10 Meter weg.
  • Die internationale Raumstation würde einen Zentimeter über der Oberfläche des Globus schweben.
  • Bezos und Branson machen einen „wahnsinnigen“ Hüpfer von ganzen zwei Millimetern.

Weltraum ist halt „relativ“, doch schon jetzt muss man sagen, auf die Größe des Abstands kommt es an. Und da schlägt Elon Musk mit seinem künftigen Mars-Raumschiff die beiden anderen Jungs um ganz genau 1.599 Meter und 988 Millimeter – also im Maßstab.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Was ich eigentlich sagen möchte: Kommerziell ist manches möglich, doch für den weiten Sprung nach vorn braucht es immer auch eine staatliche Förderung beziehungsweise entsprechende Aufträge. Lässt man die Marktwirtschaft dagegen allein im „Weltraum“, macht sie erst mal nur kleine Hüpfer. Echten Pionieren geht's nämlich nicht ums Geld oder etwaige Verdienstmöglichkeiten. Dennoch, versteht mich nicht falsch – cool war es schon, und auch ich würde gerne mal mitfliegen bei der teuersten Kirmesattraktion der Welt.