Bei den Betreibern des umstrittenen Messengers Telegram hat anscheinend ein Umdenken stattgefunden. Wie jetzt bekannt wurde, sträubt sich Telegram nicht mehr gegen Löschaufforderungen deutscher Behörden. 370 Inhalte sollen laut Bundeskriminalamt entfernt worden sein. Telegram gibt auch Nutzerdaten heraus.

 
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Telegram löscht Inhalte nach BKA-Anfragen

Anders als es die Betreiber von Telegram bislang kundgetan haben, verweigern sie sich nicht mehr Löschaufforderungen von deutschen Behörden. Der Messenger mit Briefkastenfirma-Sitz in Dubai hat nach Angaben des Bundeskriminalamts Inhalte entfernt, nachdem man zuvor dazu aufgefordert hatte. Es soll sich bis Anfang September um 392 Aufforderungen gehandelt haben, denen in 370 Fällen auch gefolgt wurde (Quelle: Tagesschau).

Für manche Nutzer des Messengers dürfte eine andere Nachricht noch überraschender sein. Obwohl die Betreiber immer wieder beteuern, dass Nutzerdaten nicht an Behörden weitergegeben würden, ist genau das in Deutschland passiert. Dem BKA zufolge hat es 202 Auskunftsersuche gegeben, bei denen Telegram in 64 Fällen reagiert und in 25 Fällen Daten an die Behörde weitergeleitet hat. Hierbei soll es sich um Namen und Telefonnummern handeln, die im Zusammenhang mit islamistischem Terrorismus und sexuellen Kindesmissbrauch stehen.

Nach Ansicht der Bundesregierung handelt es sich bei Telegram um ein soziales Netzwerk, das entsprechend dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) unterliegt. Zu Beginn des Jahres drohte Bundesinnenministerin Nancy Faeser öffentlich damit, die App in Deutschland in letzter Konsequenz abschalten zu lassen. Erst danach ging Telegram erstmals auf Kontaktversuche ein.

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Telegram: 700 Millionen Nutzer, kein Firmenschild

Neuen Recherchen des öffentlich-rechtlichen Formats STRG_F ist Telegram an der Firmenadresse in Dubai nicht aufzufinden. Es würde sich um eine Scheinadresse handeln, der eigentliche Sitz sei wenige Kilometer vom angegebenen Standort entfernt. Doch auch an der wohl tatsächlichen Adresse ist Telegram nicht mit einem Firmenschild oder einer Kontaktmöglichkeit aufgefallen.