Zugegeben, ich war skeptisch, als die ersten Gerüchte zum Tizen-Abschied von Samsung aufkamen. Wear OS ist eigentlich nicht das, was Samsung braucht, um erfolgreich auf dem Smartwatch-Markt zu sein. Und genau deswegen wechselt Samsung nicht einfach zu Googles Betriebssystem, sondern hat mit Google und Fitbit zusammen ein neues Betriebssystem geschaffen. Dieses wird den Markt nachhaltig verändern. Ein Kommentar von Peter Hryciuk.

 

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Google, Samsung und Fitbit entwickeln Wear

Würde Samsung einfach nur von Tizen auf Wear OS wechseln, wäre ich richtig enttäuscht. Ja, das Google-Betriebssystem hat gegenüber Tizen einige Vorteile, was Apps und Dienste angeht, die Nachteile überwiegen aber. Die Performance und Laufzeit sind nicht so gut, Bugs werden lange nicht behoben, Updates gibt es unregelmäßig und neue Features sehr selten. Google holt für Wear aber nun Samsung und die kürzlich übernommene Marke Fitbit mit ins Boot. Eigentlich ungewöhnlich für Google, sich Hilfe zu holen, macht man bei Android auch nicht. Doch genau das ist es, was Wear so interessant macht.

Wear ist im Grunde eine Kombination aus Wear OS und Tizen, angereichert mit Fitness-Features von Fitbit. Die beiden unabhängig voneinander entwickelten Smartwatch-Betriebssysteme wurden vereint und das Beste aus zwei Welten übernommen. Alles soll besser werden – verspricht Google zumindest. Die Benutzeroberfläche soll sich einfacher bedienen lassen, zügiger arbeiten und die Laufzeit spürbar steigen. Wie groß der Gewinn tatsächlich ist, muss man abwarten. Die Erwartungen sind aber sehr groß, denn Samsung wird wohl schon bald mit der Galaxy Watch 4 eine neue Smartwatch auf den Markt bringen, die auf das neue Betriebssystem setzt. Damit würden Smartphones, Tablets und Smartwatches noch enger zusammenrücken.

Wer jetzt glaubt, dass nur Google, Samsung und Fitbit Wear nutzen dürfen, liegt falsch. Wear bleibt weiterhin verfügbar für andere Hersteller, die Lust haben, eine Smartwatch zu entwickeln. Sie profitieren sogar von der Arbeit, die die drei Unternehmen geleistet haben, und müssen selbst nicht mehr viel tun. Höchstens eine eigene Oberfläche integrieren. Der Zugriff auf wichtige Dienste wie den Play Store, Google Pay, Maps und andere Apps ist jetzt gewährleistet. Viele Entwickler springen auch schon mit auf und machen Wear damit zu einem heißen Kandidaten, um Apple endlich wirklich Konkurrenz zu machen.

Sind die Erwartungen vielleicht zu groß?

Wenn viele Unternehmen zusammen an einem Projekt arbeiten, kann das gut funktionieren, muss es aber nicht. Es wird spannend sein zu sehen, ob Google, Samsung und Fitbit das perfekte Trio bilden oder die Idee scheitert. Wear OS wurde von Google nur beiläufig gepflegt. Jetzt ist Samsung im Boot und da kann sich Google keine Verzögerungen mehr leisten. Ich bin sehr gespannt, welche Smartwatches in den kommenden Monaten und Jahren mit Google Wear erscheinen. Was die Unternehmen bisher verkündet haben, klingt in jedem Fall sehr vielversprechend.

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