Erbschein beantragen: Wie geht das und was kostet ein Erbschein?

Christin Richter

Hat uns ein geliebter Mensch verlassen, müssen sich die Hinterbliebenen Gedanken um das Erbrecht machen. Was ist ein Erbschein? Ist ein Erbschein bei einem notariellen Testament notwendig? Wie und wo kann ich einen Erbschein beantragen? In unserem Ratgeber beantworten wir euch nachfolgend die häufigsten Fragen zum Thema Erbschein beantragen.

Was ist ein Erbschein?

  • Bei einem Erbschein handelt es sich um eine offizielle Urkunde (einen amtlicher Nachweis). Ein Erbschein ist in vielen Fällen Voraussetzung, um über das Vermögen des Verstorbenen verfügen zu können. Dieser wird erst auf Antrag ausgestellt.
  • Im Erbschein steht, wer zu welchen Teilen ein Anrecht auf das Erbe hat (Informationen zur Erbfolge).
  • Jeder Erbe kann einzeln einen Erbschein beantragen (Alleinerbschein), es gibt allerdings auch einen gemeinschaftlichen Erbschein (für die Erbengemeinschaft), aus dem die jeweiligen Anteile ersichtlich sind. Bei einem Teilerbschein gibt es mehrere Erben, von denen jeder einen Erbschein erhält.
  • Ein Erbschein weist euch gegenüber Behörden, Versicherungen und Banken aus (Legitimation als Erbe).
  • Der Erbschein dient zur Ermittlung der Erbschaftssteuer.
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Die Erbschaftssteuer hängt vom Verhältnis des Verstorbenen und des Erben ab. Außerdem gilt für Ehegatten und Lebenspartner ein Steuerfreibetrag von 500.000 Euro, für Kinder 400.000 Euro. Darüber hinaus fallen Steuern in Höhe zwischen 7-50% des Nachlasses an. Die 50% sind allerdings nur bei mehr als 26 Millionen Euro Erbanteil zu zahlen, wenn ihr der Steuerklasse III angehört.

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Was ist zu beachten, wenn ein Erbschein beantragt wird?

Folgende Parteien können den Erbschein beantragen:

  • Erben inklusive Vorerben und Erben des Erben
  • Nachlassverwalter
  • Testamentsvollstrecker

Im Erbschein stehen Informationen über:

  • Die Daten des Erben und des Erblassers inklusive dem Verhältnis zum Erblasser und dem Zeitpunkt des Todes des Erblassers.
  • Den Umfang des Erbrechts.
  • Die Daten zum Testamentsvollstecker und Verfügungsbeschränkungen (bei einer Testamentsvollstreckung).

Nicht in jedem Fall ist ein Erbschein erforderlich, um Zugang zum Erbe zu erhalten. Oft ist ein notarielles Testament oder ein notarieller Erbvertrag ausreichend. Bei einer Vorsorgevollmacht regelt der Bevollmächtigte häufig den Nachlass. Lasst euch hier von Profis wie einem Notar oder Rechtsanwalt beraten oder fragt beim Nachlassgericht nach.

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Wo kann man einen Erbschein beantragen?

Wenn ihr einen Erbschein beantragen möchtet, geht das beim Nachlassgericht am Wohnsitz des Verstorbenen. Benötigte Dokumente sind in den meisten Fällen:

  • Personalausweis oder Pass
  • Sterbeurkunde
  • Familienstammbuch

Kommt es zu einem Beschwerdeverfahren, gibt es Erbschein-Fristen. Zumeist muss geklärt werden, welche weiteren Personen in der Erbfolge vorhanden sind, ob es ein Testament gibt oder ob bereits ein Rechtsstreit um das Erbrecht existiert.

Was kostet ein Erbschein?

Die Kosten des Erbscheins richten sich nach dem Wert des Nachlasses, den sogenannten Geschäftswert. Das Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) regelt die Gebühren. Geht es beispielsweise um ein Vermögen von 50.000 Euro, sind für den Erbschein ca. 165 Euro zu zahlen. Weitere Kosten könnt ihr in der Tabelle des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz einsehen. In der linken Spalte steht der Geschäftswert, in Spalte B seht ihr die entsprechende Gebühr. Es kommen weitere Kosten für den Erbschein auf euch zu, wenn ihr diesen über einen Notar beantragen lasst oder eine Eidesstattliche Versicherung leisten müsst: Eidesstattliche Versicherung: Muster, Definition und Bedeutung – Einfach erklärt.

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