Elite-Dangerous-Pilot weint, als er nach monatelangen Bemühungen doch gerettet wird

Marina Hänsel 10

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2019. Dies sind die Abenteuer eines wagemutigen Elite Dangerous-Piloten, der 600 Stunden unterwegs gewesen ist, um den Rand des Universum zu erforschen, seine dunkle Weite und das, was sich darin verbirgt. Viele Lichtjahre von Sol entfernt macht er jedoch einen Fehler … und strandete. Für immer?

Elite Dangerous-Pilot Deluvian Reyes Cruz flog über 600 Stunden in Echtzeit an den Rand des virtuellen Universums; tiefer und tiefer hinein in die pechschwarze Leere des animierten Raums. Als sein Treibstoff letztes Jahr zur Neige ging und ihm nicht mehr genug übrigblieb, um per Warp-Antrieb ins Hauptsystem des Science-Fiction-MMOs zurückzuspringen – ob er da schon wusste, wie lange er gestrandet sein würde?

Womöglich nicht.

Deluvian und die Fuel Rats brachen einen ziemlich zeitaufwendigen Rekord in Elite Dangerous:

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Dieses Wochenende, nach mehreren Monaten purem Warten und Hoffen, war es schließlich soweit: Eine Gruppe unter dem Namen Fuel Rats erreichte Deluvian, versorgte ihn mit Treibstoff und brachte ihn zurück ins Sol-System – der Ort, an dem wieder normal Elite Dangerous gespielt werden kann. Die Fuel Rats retten seit Jahren gestrandete Spieler im MMO, aber keiner von denen ist bisher so verdammt weit weg gestrandet. Sie mussten denselben Weg wie Deluvian zurücklegen, brauchten also auch 600 Stunden Echtzeit, um den ambitionierten Spieler zu erreichen.

Und was Deluvian so weitab jeglicher Elite Dangerous-Zivilisation wollte? Er war darauf aus, den Rekord in der Sparte Die weiteste Reise an den Rand des Universums in Elite Dangerous zu brechen, schaffte es aber wegen seines Treibstoff-Unfalls nicht. Ironie des Schicksals: Ganz nebenbei sprengten die Fule Rats gemeinsam mit Deluvian stattdessen den Rekord für die längste Rettungsmission im Spiel. Sie alle wirkten trotz der Strapazen überraschend glücklich und emotional, als sie den gestrandeten Spieler schließlich erreichten – Deluvian selbst konnte ein paar Tränen nicht zurückhalten, wie er in seinem letzten Beitrag im Forum verrät.

Happy Times in Elite Dangerous: Ab 36 Minuten und 44 Sekunden erreichen die Fuel Rats nach wochenlangem Flug Deluvian:

Fuel Rats Rescue Mission:Beyond The Dark Edge von HIGHWAYWARRIOR auf www.twitch.tv ansehen

Wie die Reise ins Nichts begann

Abenteurer und -Pilot Deluvian Reyes Cruz hatte ein Ziel: Den Rand des Universum in Elite Dangerous erreichen und damit nicht nur seinen eigenen Rekord zu überbieten, sondern auch sich selbst zu besiegen. Denn nein, es war nicht sein erster Versuch, in die weite Dunkelheit des Nichts vom Sci-Fi-MMO einzudringen. Schon mehrere Male setzte er die Raumschiff-Segel und zog los in die Ferne, auf Reisen, die über 300h Echtzeit andauerten und ihn mehrere Millionen Lichtjahre von seiner Heimat wegtrieben.

Etwas passierte, als er das letzte Mal aufbrach. Nach einer knapp 400-stündigen Reise und einem Rekord von 65,739.44 Lichtjahren Entfernung zum Sol-System, endete der Traum – sein Schiff wurde zerstört. Deluvian erklärt in einem Forum-Post, wie sein Blick nur wenige Sekunden vom Bildschirm wegdriftete, verloren in seinen Gedanken, als alles schwarz wurde:

Was ist da passiert?Bin nicht sicher, wie dein Schiff in den entfernten Weiten zerstört werden konnte, gab es da doch nichts, das ihm im Weg stand“, bemerkte Spaceman Si unter dem Beitrag. Keine Planeten da draußen. Keine Kometen. Nichts. Oder doch? Deluvian erklärt, dass es womöglich auch am Treibstoff lag, der neben dem Antrieb die Lebenserhaltungssysteme unterhielt. War es also sein Fehler gewesen – ist er da draußen langsam verendet, ohne es zu merken?

Drei Monate am Rande des Universums

Es hat nicht lange gedauert, bis Deluvian über den Verlust hinweg kam und eine neue Reise im August 2018 begann. Nicht, um den Rekord zu brechen. Sondern um sich selbst zu besiegen und womöglich herauszufinden, was genau das letzte Mal passiert ist. Und er war gut. Er war ausdauernd. Über 600 Stunden Echtzeit flog er in die Tiefe des Alls hinein, bis Planeten eine Seltenheit wurden und sich eine schwarze-gähnende Weite vor ihm ausbreitete, ebenso leer wie auch stumm.

Ich würde Deluvian gerne fragen, wie er das ausgehalten hat. Was er dachte, während er Stunde um Stunde in die Unendlichkeit flog, beraubt jeglicher Sinneseindrücke abgesehen des tiefen Schwarzes vor ihm. Vielleicht machte es ihn mit der Zeit mürbe – denn nach all den Stunden unterlief ihm schließlich doch wieder einen Fehler, als er ein paar Tropfen zuviel Treibstoff verbrauchte. In Elite Dangerous ist es nicht möglich, einfach durch das halbe Universum an diesen einen Punkt zu springen, an dem Deluvian gestrandet ist: Du musst langsamer fliegen, in ‚Echtzeit‘. Zumindest, wenn du an den Rand der Galaxie möchtest. In der Geschwindigkeit des „Supercruises“ flog er all die 600 Stunden; hätte er am Ende genug Treibstoff gehabt, wäre ihm ein Sprung zurück zum Sol-System möglich gewesen.

Aber er hatte zuviel verbracht. Und da draußen? Da draußen ist nichts. Im Gegensatz zu seinem letzten Versuch besaß Deluvian zumindest noch sein Schiff, aber wie lange? Wie lange würde der Treibstoff reichen? Das war vor drei Monaten. Und er ist noch immer da draußen, gestrandet – nur, dass jetzt eine ganz besondere Gruppe an Elite Dangerous-Spielern auf ihn aufmerksam wurde: Das Rettungsteam FuelRats.

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Die längste Rettungsmission, die es je in Elite Dangerous gab

Es gibt eine Chance für Deluvian, gerettet zu werden: Jemand muss zu ihm fliegen und sein Schiff mit Treibstoff versorgen, ehe beide unbeschadet zurück ins Sol-System springen können. Was glaubst du, wie lange es für einen anderen Spieler dauern würde, zu Deluvian zu gelangen? 600 Stunden Echtzeit natürlich, denn auch jeder andere muss wie er per Supercruise reisen. 600 Stunden ins Nichts starren. 600 Stunden daran arbeiten, nichts selbst in der Einöde des Alls zu verenden. Wer meldet sich freiwillig?

Niemand, aber dafür haben sich die FuelRats der Mission angenommen: Eine Gruppe von Elite Dangerous-Piloten, deren einziges Ziel es ist, anderen Spielern zu helfen. „Wir haben Treibstoff. Du nicht. Noch Fragen?“, schreiben sie auf ihrer Website. Normalerweise handelt sich bei den Rettungsmission allerdings um kleine Ausflüge im Sol-System, wo Spieler abseits einer Treibstoffquelle durch das All driften. Deluvians Rettungsmission ist ohne Frage die komplizierteste, aber auch die längste, welche die FuelRats je unternommen haben. Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen?

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Einen Vorteil hat der Rettungstrupp, der mittlerweile seit über 25 Tagen Echtzeit in Richtung Deluvian unterwegs ist: Sie fliegen nicht solo, sondern in Teams, was die ganze oh-Gott-Treibstoff-ist-verbraucht!-Angelegenheit einfacher gestaltet. Heute, am 19. Februar 2019, wollen sie ihn erreichen und diese mehr als langwierige Rettungsaktion abschließen. Zumindest, wenn sie nicht doch von jenem vermeintlichen Monster zerstört werden, das Deluvian bei seinem vorherigen Versuch schnappte … denn wer weiß … was da draußen lauert? (Wenn es einer weiß, dann sicher Deluvian.)

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