Hell Let Loose im Test: Der Weg durch die Pixel-Hölle ...

Daniel Hartmann

… führt im besten Fall durch große, realitätsnahe Karten in aufregende Schlachten mit 100 Spielern und im schlechtesten Fall in frustrierendes Chaos. Am 6. Juni 2019 (D-Day) startete die Early Access-Phase auf Steam.

Der Weltkriegsshooter von Entwickler Black Matter und Publisher Team 17 ist mehr eine Simulation als eine bombastisch inszenierte Schlacht im Stile von Battlefield oder Call of Duty. Hell Let Loose setzt auf Authentizität und Realismus und bemüht sich um ein möglichst akkurates „Weltkriegs-Gefühl“. In guten Momenten gelingt das auch tatsächlich.

Hinweis: Bei der getesteten Version handelt sich um eine Early Access-Version des Spiels. Das Spiel kann sich in der Zeit dieser einjährigen Phase spielerisch und optisch stark verändern. 
Hell Let Loose Early Access Trailer.

Die Heerschau

In Hell Let Loose treten bis zu 50 Spieler pro Seite zum Kampf an. Diese sind in Squads organisiert, die von einem Offizier geführt werden. Die Squads werden wiederum von einem Kommandanten koordiniert, der seinen Offizieren Befehle gibt, wo sie beispielsweise angreifen oder im Hinterhalt warten sollen. Neben den Squads gibt es noch zwei Spähertrupps mit je einem Scharfschützen und einem Aufklärer und Mannschaften, die die Panzer bedienen. Auf den drei Karten Hurtgen Forest, Foy und Sainte Marie du Mont gilt es Sektoren einzunehmen und so die Frontlinie nach vorne zu schieben, um die Kontrolle über Boden und Ressourcen zu erlangen.

Ressourcen gibt es im Spiel in Form von Treibstoff oder „Wiedereinstiegspunkten“. Eine der Ressourcen, die das eigentliche Spiel am Laufen hält, ist leider aber oft rar. Das sind nämlich die Spieler, von denen es in der kleinen Nische in die Hell Let Loose möchte, nicht gerade viele gibt. Laut dem Steamcharts spielen im Schnitt keine 2000 Leute Hell Let Loose, was es gerade zu ungewöhnlichen Zeiten wie morgens schwer macht volle Server zu finden. Es sei denn du sprichst Russisch oder Chinesisch, dann könnte nur dein Ping zu einem Problem werden.  

„Das ist mein Gewehr.“

Unterschiedliche Schießeisen und damit Klassen gibt es ganze 14. Diese reichen vom Offizier, über Sanitäter und Maschinengewehrschütze bis zum einfachen Soldaten. Hell Let Loose ist eine Kriegssimulation, das heißt der Panzerkommandant und seine Mannschaft sind eigene Klassen. So einen Panzer kann schließlich nicht jeder fahren. Diese vielen unterschiedlichen Klassen verändern die Aufgaben des Spielers und bringen Abwechslung ins Spiel.

Siegbedingungen    

Hell Let Loose funktioniert nicht ohne Teamwork und Kommunikation. Ein Mikrofon und auch seine Nutzung sind fast unabdingbar für das Gewinnen eines Matches und eine gute Spielerfahrung. Anders als in klassischen Shootern gibt Hell Let Loose hier einzelnen Klassen mehr Gewicht. Funktioniert die Befehlskette nicht oder der Kommandant und die Offiziere verstehen ihre Aufgaben nicht, herrscht absolutes Chaos auf dem Schlachtfeld. Koordiniert der Kommandant seine Squads nicht, unterstützt sie nicht mit Nachschubabwürfen oder Bomberangriffen, gibt es keinen gemeinsamen Angriff, sondern die Squads werden, sobald der Gegner nur eine bisschen strukturierter vorgeht, völlig auseinandergenommen.

Ähnliches gilt für Offiziere, denn wenn sie die Befehle der Kommandanten nicht ausführen und ihr Squad leiten, findet ebenfalls kein koordiniertes Spiel statt. Offiziere haben beispielsweise die Möglichkeit, Wiedereinstiegspunkte für ihren Squad aufzustellen, um schnell wieder ins Geschehen an der Front eingreifen zu können. Setzt ein Offizier diese Punkte nicht nah an der Front, muss sein Squad erst mal eine häufig große Strecke zurücklegen, um wieder mitmischen zu können.

Welche Spiele für das Shooter-Genre noch prägend waren, erfährst du in diesem Artikel:

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Die wichtigsten First-Person-Shooter der Videospielgeschichte.

Gerade diese Momente waren für mich beim Spielen die Frustrierendsten. Selbst wenn ich einen fähigen Offizier erwischt hatte, wusste häufig der Kommandant nicht, was zu tun ist. So verbrachte ich in einigen Partien teilweise 10 Minuten mit meinem Squad hinter ein paar toten Kühen, während uns die Kugeln um die Ohren flogen. In der ersten Minute fühlte ich mich noch wie Tom Hanks in „Der Soldat James Rayn“ hinter der Panzersperre am Strand der Normandy, doch nach kurzer Zeit fragte ich mich schon, was der Rest des Teams eigentlich so macht. Ein Blick auf die Karte zeigte viele umherirrende blaue Pfeile, die sich aber nicht wirklich auf das Ziel zubewegten, das wir einnehmen wollten.

Eine Sache, die dem Spiel aktuell noch fehlt, könnte zumindest das Gelaufe erleichtern. Das Spiel besitzt keine leichten Fahrzeuge wie Jeeps oder LKWs, um sich schnell über die Map zu bewegen. Denn in einigen Matches habe ich mehr Zeit mit Laufen verbracht, als tatsächlich zu kämpfen. Wenn Teamwork und Kommunikation nicht einsetzen, kann Hell Let Loose leider auch zur frustrierenden Schießbude werden. Den Sprachchat gibt es nämlich nur mit dem eigenen Squad oder wenn andere Spieler tatsächlich in Hörweite sind. Einzig die Offiziere können mit dem Kommandanten direkt sprechen. Deswegen ist auch die funktionierende Befehlskette so wichtig.

Allgemein ist das Map-Design ein weiterer Kritikpunkt, doch dabei ist nicht die Optik gemeint, denn die ist wirklich authentisch und detailverliebt, sondern der Aufbau der Karten. Gerade die Karten Foy und Sainte Marie du Mont haben viele offene Flächen, die, wenn der Gegner erst mal in Stellung ist, kaum zu überwinden sind. Ein Flankenangriff wäre natürlich die Lösung aber ohne Kommandanten, der das organisiert kaum umzusetzen. 

„Krieg, Krieg ändert sich nie.“

Black Matters Shooter ist eine Simulation und verzichtet auf Annehmlichkeiten wie ein Fadenkreuz, Hit-Marker oder eine Mini-Karte. In seinen besten Momenten fühlt sich Hell Let Loose wie eine Folge „Band Of Brothers“ an. Tatsächlich entsprechen die drei Karten tatsächlich dem Setting einiger Folgen aus der genannten Serie. Die Atmosphäre und die Immersion funktionieren unter gewissen Bedingungen sehr gut. Wenn ich in einem gut organisierten Squad spielte, hatte ich eine Menge Spaß mit Hell Let Loose. Interessant war auch, wie schnell alle dann in den Militärjargon verfielen. Es wirkte einfach nicht albern, den 17-jährigen Jungen aus England mit „Sir“ anzusprechen, weil es alle taten und er seine Rolle nicht nur schauspielerisch, sondern strategisch voll ausfüllte. Hell Let Loose ist für Spieler, die „mal richtig Krieg spielen wollen“ ohne die cineastische Über-Inszenierung eines Battlefields oder CoDs.

(Vorläufiger) Abschlussbericht

Hell Let Loose ist in seinen besten Momenten eine atmosphärische und aufregende Erfahrung, auf die du dich aber einlassen musst. Grafisch macht das Spiel in seinem Early Access-Status schon einiges her und auch die Sound-Kulisse ist stimmig. Spielerisch würden dem Ganzen ein paar mehr Fahrzeuge gut tun aber die sind laut Roadmap der Early Access-Phase bereits unterwegs. Ein weiterer Spielmodus würde für ein bisschen mehr Abwechslung sorgen aber auch dieser ist bereits in Planung.

Hell Let Loose macht schnell klar, dass es in eine ganz besondere Nische will und für absolute Casual-Spieler nicht wirklich geeignet ist, dafür fehlt einfach zu viel Komfort aus den bekannten Weltkriegs-Spielen. Seit meinem Bericht aus der Beta des Spiels, freut mich neben der neuen Karte Foy am meisten, dass ich jetzt über Zäune und ähnliches klettern kann. 

Wird dir gefallen, wenn du eine immersive Simulationserfahrung im Stile von Post Scriptum, Squad oder Red Orchestra suchst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du einen schnellen Einstieg in Shooter bevorzugst und Spiele wie Battlefield oder Call of Duty eher magst.

Da sich das Spiel noch in der einjährigen Early Access-Phase befindet, wäre eine Wertung hier verfrüht und nicht repräsentativ. Das Spiel hat Potenzial gezeigt eine interessante Kriegssimulation zu werden, sucht aber noch nach den Merkmalen, die es deutlich von anderen Genre-Vertretern abheben soll. Ob das die aktuell 30 Euro auf Steam wert ist, muss jeder selbst wissen.   

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