Entwickler Guerrilla Games hat vor fünf Jahren mit Horizon Zero Dawn eine fantastische Grundlage geschaffen, aber kann das Studio mit Horizon Forbidden West die damalige Formel erfolgreich erweitern? Wir verraten es euch in unserem Test.

 
Horizon: Forbidden West
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Horizon: Forbidden West

Die Reise beginnt

Die Reise von Aloy geht in Horizon Forbidden West, wie der Titel vermuten lässt, gen Westen weiter. Das Spiel versetzt euch erneut in die Rolle der einst ausgestoßenen Frau, mit dem Unterschied, dass sie in ihrer Welt nun eine gefeierte Heldin ist.

Circa sechs Monate nach dem ersten Teil fällt Aloy eine sich ausbreitende Bedrohung auf, die das Potenzial besitzt die Welt zu vernichten. Abermals muss Aloy mit der KI Gaia interagieren und dieses Mal mit ihr zusammen eine Lösung für die Weltbedrohung finden.

Neue Spieler werden storytechnisch in Forbidden West ins kalte Wasser geworfen. Wenn ihr den ersten Teil nicht gespielt habt, solltet ihr euch vorher unbedingt eine kurze Zusammenfassung der Vorkommnisse aus Zero Dawn zu Gemüte führen, da ihr ansonsten nur Bahnhof versteht. Nichtsdestotrotz können auch Neueinsteiger zumindest das Gameplay genießen und in die Spielwelt eintauchen.

Die Reise Richtung Westen beginnt.
Die Reise Richtung Westen beginnt.

Druck von allen Seiten

Es lastet ein unwahrscheinlich großer Druck auf Aloys Schultern und das merkt der Spieler ihr an, was durch die großartige Leistung von Schauspielerin Ashly Burch vermittelt wird, die wie im ersten Teil erneut Aloy ihre Stimme leiht und ihr Leben einhaucht. Dies ist besonders hervorzuheben, da es ihr gelingt, den inneren Konflikt Aloys und die auch teils selbst auferlegte Last glaubhaft darzustellen und somit dem Charakter die nötige Tiefe verleiht. Aber nicht nur der Druck der neuen Bedrohung liegt auf ihren Schultern, sondern auch, dass sie ihrer genetischen Mutter Elisabet Sobeck gerecht werden und in ihre unwahrscheinlich großen Fußstapfen treten möchte. Die Bürde der bevorstehenden Aufgabe ist für jeden sichtbar.

Allerdings begünstigt das Skript Aloy nicht immer und erschafft dadurch eine seltsame Ambivalenz des Charakters. In Hauptmissionen ist sie fast ausschließlich von den meisten Charakteren genervt, steht ständig unter (verständlichem) Zeitdruck, teilt dies konstant mit und ist oftmals direkt auf Konfrontation aus.

Aloy hat in Forbidden West nie Zeit für eine Rast.
Aloy hat nie Zeit für eine Rast.

Auf der anderen Seite hat sie jedoch alle Zeit der Welt, um in der Open World zahlreichen Menschen Gefallen zu tun und Dienste zu leisten, die absolut null mit dem übergeordneten Ziel in Verbindung stehen. Das Seltsame dabei ist, dass Aloy bei diesen Personen immer sehr nett, hilfsbereit und zuvorkommend ist, im Gegensatz zu den Hauptmissionen.

Diese Ambivalenz ergibt im Setting einer Open World oftmals keinen Sinn und lässt den Spieler sich fragend am Kopf kratzen. Vor wenigen Minuten konnte Aloy nicht einmal einer Person zuhören, da sie keine Zeit hatte und die große Bedrohung sofort aufhalten muss, aber nun pflückt sie Blumen und möchte sie zu einer Person bringen, die gefühlt am anderen Ende der Welt wohnt? Naja, wenigstens sind die Belohnungen der Nebenquests besser als im ersten Teil.

Außerdem ist es ein schöner Touch, dass ihr NPCs, denen ihr geholfen habt, im späteren Spielverlauf nochmals an anderen Orten begegnen könnt und neue Interaktionen stattfinden. Dadurch wirken die Nebenaufgaben nicht immer belanglos und verleihen euren Hilfeaktionen etwas mehr Bedeutung.

Die Aussicht kann in Forbidden West des Öfteren spektakulär sein.
Die Aussicht kann des Öfteren spektakulär sein.

Neben Aloy erscheinen aber auch alte Bekannte in Forbidden West, ebenso wie neue Gesichter. Die wichtigen Nebencharaktere stehen Aloy in nichts nach. Die Performance der jeweiligen Schauspieler sind auf dem gleichen Niveau wie von Ashly Burch. Vor allem der aus dem ersten Teil bekannte Varl, wie auch die neue Nebencharakterin Zo müssen hierbei positiv hervorgehoben werden.

Außerdem kommt im Verlauf des Spiels ein ganz spezieller Charakter ins Bild (keine Sorge, wir spoilern keine Details), der das genaue Gegenstück zu Aloy ist und ihre Nerven besonders auf die Probe stellt. Diese Person hinterfragt und fordert Aloys Zuversicht und ihr Können mehrfach heraus. Die Interaktionen der beiden zeigen vor allem auf, wie die persönliche Vergangenheit und die Vorkommnisse im Leben eines Menschen die jeweiligen Ansichten und Meinungen beeinflussen und formen.

Varl ist in Forbidden West konstant an Aloys Seite.
Varl ist konstant an Aloys Seite.

Das Gameplay ist komplexer und bringt mehr Variabilität mit sich

Die neuen Maschinen in Forbidden West sind überaus beeindruckend. Der Kampf gegen die tierischen Maschinen und die menschlichen Gegner verfügt dieses Mal über weitaus mehr Variabilität als in Zero Dawn. Mit sechs unterschiedlichen Fähigkeitsbäumen, mehr Waffenarten, speziellen Waffentechniken und mehr Schadenselementen könnt ihr nun eure Gefechte besser planen und die jeweiligen Schwächen der Feinde gekonnt ausnutzen.

Zudem können Outfits euren Spielstil komplementieren, da sie Fertigkeiten verleihen, die euren eigenen Stil nochmals verbessern und vertiefen. Die Kampfmechaniken sind komplexer als im ersten Teil und bieten mehr Freiraum zum Experimentieren.

Neben dem Kampf hat sich jedoch auch die Vertikalität und die gebotene Freiheit in der Open World erweitert. Aloy kann nun weitaus mehr Oberflächen erklettern und ein verbesserter Fokus zeigt euch schnell und praktisch an, wo sich diese Möglichkeiten in eurer Umgebung bieten.

Aloy muss sich in Forbidden West gegen mächtige Maschinen behaupten.
Aloy muss sich gegen mächtige Maschinen behaupten.

Allerdings ist die Steuerung bei den Klettereinheiten nicht immer so präzise wie der Spieler es gerne hätte. So möchte Aloy nicht immer dorthin klettern wo ihr sie haben wollt. Manchmal springt sie sogar eiskalt an den Haltepunkten beziehungsweise Balken vorbei, obwohl ihr eigentlich den richtigen Steuerungsbefehl gebt. Das führt nicht selten zu großer Frustration.

Glücklicherweise lassen euch die neuen Spezialausrüstungen oftmals die Frustration beim Klettern vergessen. Es handelt sich dabei um den Zugwerfer, der euch in Windeseile zu Ankerpunkten hochziehen kann, und der Schildflügel, der euch von hoch gelegenen Orten sanft herabgleiten und schnell von Punkt A nach B kommen lässt.

Eine Medaille mit zwei Seiten

Forbidden West ist auf der technischen Ebene eine Medaille mit zwei Seiten. Egal, ob ihr im Leistungs- oder Auflösungs-Modus spielt, das Spiel läuft in beiden Modi flüssig und sieht immer beeindruckend aus. Vor allem die Ausblicke in die Ferne haben mich oftmals zum Stehenbleiben veranlasst. Die Schönheit des verbotenen Westens kann mitunter atemberaubend sein.

Die Aussichten in Forbidden West können sich sehen lassen.
Die Aussichten können sich sehen lassen.

Jedes Biotop besitzt seine eigenen visuellen Reize, egal ob in der Wüste, auf den schneebedeckten Bergen oder im verregneten Wald, jede Szenerie weiß durch ihre ganz individuellen Schönheiten zu beeindrucken.

In den circa 45 Spielstunden ohne Day One Patch kam es jedoch zu mehreren Abstürzen, sowie Audio-Problemen und Micro-Loading, bei dem das Spiel in der Open World kurz einen schwarzen Bildschirm zeigt (circa eine Sekunde), bevor es weitergeht. Vor allem im Kampf war dies besonders nervig und erschwerte die eine oder andere Situation.

Mit nun circa zehn Spielstunden mit Day One Patch kann ich glücklicherweise berichten, dass vor allem die Abstürze und das Mirco-Loading sich verbessert haben. Zwar tritt Letzteres ab und an noch auf, allerdings nicht so häufig wie zuvor und bisher konnte noch kein weiterer Absturz verzeichnet werden.

Leichte Audio-Probleme mit Aloys Stimme, NPCs die im Gespräch einfach verschwinden und das Steckenbleiben in der Spielwelt geschehen allerdings auch jetzt noch, allerdings wesentlich seltener als zuvor. Das Spielerlebnis hat sich durch den Day One Patch auf jeden Fall verbessert, frei von technischen Problemen ist das Spiel aber noch nicht.

Kämpfe weisen in Forbidden West immer unterschiedliche Gefahren auf.
Kämpfe weisen immer unterschiedliche Gefahren auf.

Zu guter Letzt müssen auf der technischen Ebene noch die Optionen der Barrierefreiheit positiv hervorgehoben werden. Eine große Menge an einstellbaren Hilfen lassen auch Menschen mit Beeinträchtigungen das Spiel optimal auf ihre Bedürfnisse anpassen.

Test-Fazit

Guerrilla Games konnte die Formel des ersten Teils erfolgreich erweitern. Die PS5-Features sind alle größtenteils gekonnt ausgenutzt und eingesetzt. Seit dem Day One Patch fallen die technischen Fehler nicht mehr stark ins Gewicht und der Spielspaß ist nochmals gestiegen.

Was mich besonders positiv überrascht hat, ist die Komplexität des Kampfes und die verblüffende Variabilität der Maschinen und Biotope des Spiels. Zwar ergibt Aloys Art und Weise in den Nebenmissionen nicht immer Sinn, allerdings ist die Open World mit bedeutungsvolleren Aufgaben als im ersten Teil gefüllt, die zudem oftmals bessere Belohnungen als in Zero Dawn bereithalten.

Horizon Forbidden West erscheint am 18. Februar für die PlayStation 4 und PlayStation 5.

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Wertung
8.5/10
“Mit mehr als 55 Spielstunden und der Platin-Trophäe im Gepäck kann ich euch versichern: Wer Zero Dawn mag wird Forbidden West lieben.”